Faustball-Bundesliga: TV Stammheim Vater-Sohn-Gespann feiert Weltmeister-Titel

Starkes Duo: Stammheims Trainer Bertram Sailer mit seinem Sohn und Spieler Jakob. Foto: Günter Bergmann

Jakob Sailer triumphierte kürzlich mit der U-18-Faustballnationalmannschaft in Chile. Als Fan dabei war sein Vater Bertram, der beim Bundesligisten TV Stammheim sein Trainer ist – nicht immer ohne Spannungen.

Sport: Marius Gschwendtner (mgs)

Bertram Sailer brennt für den Faustball. Seit er 14 Jahre alt ist, übt der Trainer des TV Stammheim die Ballsportart aus. Noch immer ist er in der Seniorenmannschaft des Vereins aktiv und bezeichnet sich selbst als „faustballverrückt“. Diese Leidenschaft schwappte auch auf seine Söhne über: Simon, Jakob und der von seiner Frau in die Ehe gebrachte älteste Nico Riedel-Nobre betreiben beim TV Stammheim ebenfalls den Sport. Jakob Sailer spielt dabei für das Bundesligateam der Nord-Stuttgarter und damit unter seinem Vater Bertram, der gemeinsam mit Alwin Oberkersch das Team betreut.

 

Die Konstellation verläuft dabei nicht immer ganz reibungsfrei ab, wie die beiden im gemeinsamen Gespräch zugeben: „Wenn es im Spiel nicht so läuft, dann bin ich schnell reizbar“, sagte Jakob Sailer. Ansagen an ihn übernehme während der Partien deshalb eher Trainerkollege Alwin Oberkersch, berichten die beiden. „Ansonsten gehe ich mit ihm um, wie mit den anderen“, sagte Bertram Sailer. „Also ich verlange nicht mehr von ihm als von den anderen oder schütze ihn mehr als die anderen. Er muss auf dem Feld schon seine Leistung bringen“, fügte er an.

Abwehrmann Jakob Sailer wird Spieler des Finals

Die bringt der Abwehrspieler nicht nur in der Liga für den TV Stammheim, sondern zuletzt auch mit der U-18-Nationalmannschaft. Mit ihr wurde der Schüler des Neuen Gymnasiums Leibnitz in Stuttgart-Feuerbach Ende Oktober in Chile sogar Weltmeister. „Es war auf jeden Fall ein tolles Erlebnis“, sagte Jakob Sailer, der im Anschluss an das Turnier noch eine Woche Urlaub in dem südamerikanischen Land machen konnte. Nach einer schwachen Gruppenphase mit Niederlagen gegen Österreich, Brasilien und die Schweiz kämpfte sich das Nationalteam im Laufe des Turniers zurück und besiegte im Finale Brasilien mit 3:2. Jakob Sailer wurde dabei zum besten Spieler des Finalspiels ausgezeichnet. „Es war am Anfang schwer zu realisieren. Es hat sich zunächst auch nicht anders angefühlt wie andere Siege. Im Nachhinein sieht man, dass es schon was anderes ist“, sagte der jetzige U-21-Perspektivnationalspieler über den WM-Triumph.

Mit dabei bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Chile war auch Bertram Sailer, der die Nationalmannschaft um seinen Sohn unterstützte. Auch sonst schaut er gerne bei den Spielen seiner anderen beiden Jungs zu. Zudem ist die Sportart zu Hause in Zuffenhausen häufig Gesprächsthema. Nur am Donnerstag muss der Faustball bei Bertram Sailer hinten anstehen. „Da ist seit 30 Jahren Bandprobe“, erklärte der Gitarrist der Rock’n’Roll-Gruppe „The Booze Bandits“. An diesen Tagen ist Trainerkollege Alwin Oberkersch für das Training verantwortlich.

Im Verbund mit dem Geschäftsführer des TV Stammheim führte Bertram Sailer, den viele nur Berti nennen, das Team nach seinem Wiedereinstieg als Trainer vor gut zwei Jahren aus der zweiten Bundesliga sowohl auf dem Feld als auch in der Halle in die höchste Spielklasse. In der aktuellen Hallenrunde qualifizierte sich das junge Stammheimer Team als Aufsteiger überraschend für die Play-offs zur Deutschen Meisterschaft. Das Achtelfinal-Hinspiel beim SV Moslesfehn verpatzte der Tabellenvierte der Süd-Staffel jedoch komplett. „Die Gegner waren in allen Belangen besser“, sagte Jakob Sailer über die deutliche 0:5-Niederlage in der Vorwoche. „Wir hatten leider nicht das Selbstverständnis der vorherigen Wochen, sondern immer wieder kleinere Fehler“, fügte Bertram Sailer an.

Dass der Tabellenfünfte der Nord-Gruppe aktuell das insgesamt individuell stärkere Team ist, zeigte sich auch beim Rückspiel am Samstagabend. Vor rund 400 Zuschauern in der Sporthalle Stammheim zogen die Gäste mit einem erneut deutlichen 5:1-Sieg in die nächste Runde ein. „Wir waren im Offensivspiel deutlich harmloser. Die Angaben von Moslesfehn setzten uns hingegen schon direkt deutlich unter Druck“, sagte Bertram Sailer im Anschluss. Wie bereits im Hinspiel zeigte Moslesfehns Hauptangreifer Florian Würdemann ein starkes Spiel.

Nur ein Satzgewinn gegen den SV Moslesfehn

Immer wieder lagen die Stammheimer in den Sätzen vorne, gerieten dann aber nach mehreren unsauberen Aktionen in Rückstand. Auch der Satzgewinn zum zwischenzeitlichen 1:4 konnte den Hausherren keinen Auftrieb geben. „Ein Satzgewinn ist an sich zwar schön, aber am Ende nichts wert. Uns ist es nicht gelungen, das Spiel des Gegners zu brechen“, sagt Bertram Sailer.

Dessen Sohn Jakob stand beim entscheidenden Spiel in der Startaufstellung, wurde zum Ende des zweiten Satzes aber im Zuge einer taktischen Umstellung ausgewechselt. „Wir wollten das Zuspiel stabilisieren“, erklärte Bertram Sailer.

Bis zum Start der Feldrunde Anfang April haben die Stammheimer nun erst einmal Zeit, neue Kräfte zu sammeln. Dann will das Vater-Sohn-Gespann mit ihrem Team die schwierige Mission Klassenverbleib meistern.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Bundesliga TV Stammheim