Bevor sich der Blick des TV Stammheim auf das Heim-Finale richtete, ging es erst einmal zum Feiern in den hoteleigenen Pub. Mit einem deutlichen 5:1 (11:6, 11:4, 11:6, 11:13, 11:3, 11:2) im Rückspiel beim Leichlinger TV haben die Nord-Stuttgarter das Final Four um die deutsche Hallen-Meisterschaft erreicht – zum ersten Mal seit 2011. Weitere Besonderheit: Das Final-Turnier am 28. Februar und 1. März findet in der Scharrena statt. „Wir freuen uns tierisch. Als es vor einem halben Jahr herauskam, dass es dort stattfindet, war das für uns schon ein Traum. Wir haben gesagt: Da müssen wir hin“, erzählt der Trainer Bertram Sailer.
Im Viertelfinal-Hinspiel vor einer Woche taten sich die Stammheimer noch etwas schwer, legten mit dem 5:4 (11:4, 6:11, 8:11, 11:4, 11:6, 11:9, 6:11, 9:11, 11:6) in der eigenen Halle jedoch den Grundstein für den Halbfinaleinzug. Im Rückspiel am Samstagnachmittag im rheinländischen Leichlingen dominierten die Stammheimer. Dies lag vor allem an einer Personalie: Leichlingens Top-Angreifer Christian Weber hatte sich im Hinspiel schwer verletzt. Die Diagnose: Teilanriss der Achillessehne und mindestens sechs Monate Pause. „Ohne ihn sind sie eine Klasse schwächer“, sagt Sailer.
Dennoch gaben Sailer und Trainerkollege Alwin Oberkersch ihrem Team eine deutliche Anweisung mit auf den Weg: „Auch wenn die Leichlinger ersatzgeschwächt antreten, wollen wir unser Spiel machen.“ Und das setzten die Stammheimer wie gefordert um. Die Stuttgarter, die sich zu einem gestandenen Bundesliga-Team entwickelt haben, erarbeiteten sich in den einzelnen Sätzen immer wieder deutliche Vorsprünge und führten schnell mit 3:0. „Wir haben Leichlingen in der Formation, in der sie standen, nicht ins Spiel kommen lassen“, berichtet Sailer.
Im vierten Satz stellte der TV Stammheim um und nutzte die Partie als Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen. „Wir wollten, dass alle unsere Angreifer auch in der Angabe ihre Routine beibehalten, deshalb haben wir durchgewechselt“, erklärt Sailer. Zunächst machten die Stammheimer nach der Umstellung etliche Fehler und verloren den Satz entsprechend verdient. Anschließend baute der TV Stammheim seine Angriffe aber wieder gewohnt stark auf und sicherte sich die abschließenden zwei Sätze souverän.
Nun wartet im Halbfinale am 28. Februar in der Stuttgarter Scharrena der TV Pfungstadt. Gegen die Südhessen verloren die Stammheimer in der Hauptrunde in der eigenen Halle mit 1:5 (11:7, 8:11, 5:11, 13:15, 10:12, 9:11). „Das ist natürlich ein kleiner Brocken“, weiß Sailer. Wenn sein Team konstanter spiele, könne es auch diesen Gegner unter Druck setzen. Herausragend bei den Pfungstädtern sind der ehemalige Weltmeister Patrick Thomas im Angriff und sein Bruder Sebastian Thomas im Zuspiel. „Das ist ohne Frage ein super Duo. Sie sind aber etwas in die Jahre gekommen und wir sind jung und frisch. Also, wieso nicht?“, sagt Sailer humorvoll kämpferisch. Das Ziel ist klar: das Finale am 1. März. „Wenn man in so ein Turnier geht, dann will man natürlich bis ins Finale, das ist logisch“, sagt der Coach.
Ganz egal, wie die kommenden zwei Begegnungen ausgehen, soll der große Auftritt nicht ein einmaliges Erlebnis sein. „Wir wollen uns häufiger mit den stärksten Mannschaften Deutschlands messen“, sagt Sailer. Das Fernziel sei es, dass die aktuell jugendlichen Spieler in dieses Top-Niveau hineinwachsen, erklärt der Coach.