Faustball: TV Stammheim Schnee, VfB Stuttgart und Aussicht auf Erfolg
Die zwei Brasilianer Gabriel Heck und Gabriel Drumm unterstützen die Bundesliga-Faustballer des TV Stammheim auf dem Weg ins Final Four in Stuttgart.
Die zwei Brasilianer Gabriel Heck und Gabriel Drumm unterstützen die Bundesliga-Faustballer des TV Stammheim auf dem Weg ins Final Four in Stuttgart.
Das große Ziel heißt Final Four um die deutsche Meisterschaft am 28. Februar und 1. März in der Stuttgarter Scharrena. Davon sind die Faustballer des TV Stammheim noch einen Schritt entfernt, wollen das „Finale Daheim“ an diesem Samstag perfekt machen. Nach dem 5:4-Heimsieg im ersten Viertelfinalspiel gegen den Nord-Zweiten Leichlinger TV ist noch ein Erfolg im Auswärtsspiel, oder – sollte die Partie verloren gehen – der Gewinn eines anschließenden Entscheidungssatzes dafür notwendig.
„Wir schaffen das, die Partie wird einfacher als das Hinspiel“, sagt Gabriel Heck, der sehr gut Deutsch spricht und zusammen mit seinem brasilianischen Nationammanschaftkollegen Gabriel Drumm die Nord-Stuttgarter seit Anfang Dezember unterstützt. Beide „Gabis“ waren im Sommer bei den World Games erfolgreich – im Endspiel wurde die deutsche Vertretung mit 3:0 zerlegt.
Gabi und Gabi – nicht ganz einfach, Verwechslungen sind vorprogrammiert. „Den Heck nennen wir Gabi, den Drumm einfach Drumm“, klärt der Stammheimer Coach Bertram Sailer lachend auf. Von seinen Exporten aus Südamerika ist er begeistert. Beide seien „echt feine Kerle“, Angreifer Heck extrovertierter und explosiver, Abwehrmann Drumm eher der Ruhepol auf dem Feld, doch eine ruhige Hand schade beim Faustball nie. Also zwei Akteure, die die Stammheimer weiterbringen, wobei die Nord-Stuttgarter trotz der zwei World-Games-Sieger nicht von ihrer Philosophie abweichen. „Sie geben den Spielern durchaus Tipps und uns Alternativen“, sagt Sailer. Bedeutet konkret? Alle Spieler sollen, wenn möglich, bei den jeweiligen Partien eingesetzt werden und hauptsächlich werde weiterhin auf eigene TV-Jungs gesetzt.
Kein Problem für die beiden Brasilianer, die ansonsten für Sociedade Ginástica Novo Hamburgo im Bundesstaat Rio Grande do Sul aktiv sind. Ein Problem stellte indes anfangs das Spiel sozusagen „unter Tage“ dar. In Brasilien wird bei Wind und Wetter ausschließlich im Freien gespielt. Dementsprechend war für das Duo Hallen-Faustball Neuland. Zu Beginn sei es komisch gewesen, sagt der 26-jährige Heck, der auch Kapitän seines Nationalteams ist. Drumm hingegen musste sich erst an den eingeschränkten Raum gewöhnen. „Alles ganz schön eng“, sagt der ebenfalls 26-Jährige. Doch die Anpassung gelang den Südamerikanern schnell. Sie seien eben gute Spieler, hätten sich schnell auf andere Bedingungen eingestellt, konstatiert Coach Sailer. Mehr noch. Es sei in der Halle atmosphärisch klasse, weil „die Zuschauer so nahe am Spielfeld sitzen“, streicht Drumm heraus.
Doch wie kam der Kontakt zu dem Duo zustande? Die beiden sind so etwas wie zwei alte Bekannte auf der TV-Anlage an der Solitudeallee. Im Vorfeld der Weltmeisterschaften 2023 in Mannheim absolvierten sie mit ihrer Nationalmannschaft einen Lehrgang in Stammheim, übernachteten auf dem Sportgelände und spielten noch ein Abendturnier. Darüber hinaus pflegen die Nord-Stuttgarter Faustballer seit längerem eine Freundschaft zu deren Heimatverein, der einst von deutschen Auswanderern gegründet wurde. Darüber hinaus haben die Stammheimer bei diesem bereits zwei Trainingslager durchgeführt.
Wie gesagt, seit Dezember sind die beiden in der Landeshauptstadt, sind von der „Gastfreundschaft des Vereins überwältigt“, sagen sie unisono – und haben schon einiges mitbekommen. Eines wird ihnen dabei fest in ihrer Erinnerung bleiben: Schnee. „Bei uns ist aktuell Sommer, herrscht an Weihnachten so um die 30 Grad und hier ist Schnee gefallen“, sagt Heck strahlend. Eine Premiere für den brasilianischen Doppelpack. Schnee habe er zwar schon in Chile gesehen, so Heck, „aber nicht, wie die Flocken vom Himmel fallen, das war schon klasse“. Darüber hinaus schwärmt Drumm vom „schönen Weihnachtsmarkt“ und dem „1:1 des VfB gegen Union Berlin live im Stadion“. Er selbst spielt auch gerne Fußball, ist Fan von Internacional Porto Allegre und begeistert von Neymar. Einer möglichen Karriere als Kicker hat er indes schnell eine Absage erteilt. Aus gutem Grund. „Bei der großen Auswahl an Spielern, hätte ich nie eine Chance gehabt, Profi zu werden“, lacht er.
Derweil endet das Engagement der beiden „Gabis“ bereits einen Tag nach dem möglichen Finale Four. Der Rückflug ist schon gebucht, „da laufen die Visa ab“, bedauert Sailer. Eine Rückkehr nach Stammheim für die kommende Feldsaison ist indes ausgeschlossen. Beide sind dann wieder für ihr Team in Brasilien am Ball und planen ihre berufliche Zukunft. Jeweils im Sportbereich als Trainer im Faustball, Beachvolleyball- und -Tennis (Heck), Drumm möchte demnächst sein eigenes Fitnessstudio eröffnen.
Bleibt noch zu klären – wie eingangs erwähnt – warum Heck die Partie am Samstag als leichter im Vergleich zur Heimpartie Leichlinger TV einstuft. Deren Topangreifer Christian Weber „hat sich im letzten Satz gegen uns sehr schwer verletzt und fällt aus. Das tut mir leid, ist aber sicherlich kein Nachteil für uns“.