Faux-pas beim Bottwartal-Marathon Viele Emotionen – und ein Schönheitsfehler

Das Bottwartal wurde wieder zum Läufer-Eldorado – wie beim Halbmarathon. Foto: /Andreas Essig

Der Bottwartal-Marathon mit Start und Ziel in Steinheim hat an zwei Tagen fast 4000 Teilnehmer angezogen und war bei guten Bedingungen gelungen. Manche Starter wurden allerdings fehlgeleitet, was für Verwirrung sorgte. Mit Bildergalerie.

Ludwigsburg: Andreas Hennings (hen)

Wärme, Trockenheit – die Bedingungen beim 20.  Bottwartal-Marathon am Sonntag – regelmäßig zu den beliebtesten Laufevents in Deutschland gewählt – waren bis auf den Wind ideal. Einen Schönheitsfehler gab es allerdings: So wurden die Schnellsten beim Zehn-Kilometer-Lauf kurz nach dem Start in Steinheim am Kohlereck versehentlich falsch geleitet. Links nach Kleinbottwar statt geradeaus und rechts nach Murr. Rund zehn Läufer waren betroffen, die Richtung Großbottwar liefen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten umkehrten.

 

So gab es beim Finish fragende Gesichter. Julian Großkopf (LAZ Ludwigsburg) kam zuerst an, wartete vor der Linie. Ernest Tarus (Inter Esslingen) durchschritt das Siegerband dann zuerst, doch auch er war am Ende nicht der Sieger. „Es ärgert uns sehr, dass uns das passiert ist. Wir haben uns aber mit den Läufern besprochen und eine Einigung erzielt“, sagt Organisator Holger Bäßler. Jens Mergenthaler (Team Pudel) wurde vor Großkopf der Sieg zugesprochen, „weil sie einfach die schnellsten waren“. Es folgen Tarus und die weiteren betroffenen Läufer.

Erstmals auch Einräder auf der Marathonstrecke

Die 20. Auflage war ansonsten gelungen – und könnte man als die mit besonderen Fortbewegungsmitteln bezeichnen. So wurde die Marathonstrecke erstmals auch per Einrad zurückgelegt. Die elf Starterinnen und Starter wurden neugierig beobachtet und beklatscht. Vorneweg radelte auf großem Reifen mit Timo Hirschmann aus Rottweil kein gewöhnlicher Einradler: Der 23-Jährige hält seit Mai mit 1:13 Stunden den Weltrekord im Einradmarathon, das sind fast 35 Stundenkilometer im Schnitt. „Es hat heute Spaß gemacht, und es war eine gute Möglichkeit, unseren Sport zu zeigen“, sagt er. Mit den Kurven und dem Wind war der Kurs eine Herausforderung. „Es war schön, angefeuert zu werden. Das ist in unserem Sport selten.“

Bislang war die Einrad-Riege vor allem in Görlitz aktiv, was sich aus Kostengründen ändert. So suchte sie eine neue Heimat – und wurde nach Nachfrage im Bottwartal fündig. „Nach reiflicher Überlegung sagten wir zu, weil wir bis auf den Zusatzstart keinen Mehraufwand haben und es zur Einzigartigkeit der Veranstaltung in der Region beiträgt“, sagt Organisator Holger Bäßler.

Neben dieser Besonderheit gab es Tausende Läufer auf den Kursen von 5 bis 50 Kilometer. Mittendrin: Ein Läufer, der den Halbmarathon barfuß auf einem flachen Stück Leder, schlicht zusammengebunden mit einem Faden, absolvierte. Für ihn nicht außergewöhnlich: „Eigentlich tut man sich so sogar einfacher beim Laufen, man läuft effizienter.“ Knapp 1:49 Stunden war seine beachtliche Zeit. Mit dabei waren auch 40 Teilnehmer aus Frankreich, die sich die deutsche und französische Fahne auf die Wangen gemalt hatten. Sie weilen in Beilstein, feiern das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft mit ihrer Heimatgemeinde Pontault-Combault bei Paris.

Besonders schnell war Sven Heinle, der ausgepowert mit 2:34:39 Stunden und zwölf Minuten Vorsprung den Marathon gewann. Im Vorjahr hatte er beim Halbmarathon triumphiert. „Ich bin viel zu schnell angelaufen, war gleich alleine, und es war windig. Im Kopf war das schwierig“, sagt der Starter von Therapie Bottwartal. Von der musste er zuvor intensiv betreut werden: Wegen des Pfeifferschen Drüsenfiebers und einem Anriss des Kreuzbandes war er fünf Monate raus. Nun feierte er sein starkes Comeback.

Das feierte im Bottwartal auch Carmen Scharpfenecker aus Offenburg, die 2015 den Halbmarathon gewann. „Es ist wirklich eine Ehre, jetzt hier auch den Marathon gewonnen zu haben“, sagt die Mitt-Vierzigerin, die mit 3:13:53 Stunden ihre Bestzeit lief. Ihrer Konkurrenz war sie schnell enteilt, dafür hatte sie den früheren Ultraläufer Michael Sommer aus Oberstenfeld an ihrer Seite.

Zwei Premierenseite beim Halbmarathon

Auch das Bottwartal hatte seinen Ultra über 50 Kilometer. Der war nach dem nächtlichen Regen extrem. „Es war brutal. Schlamm, Dreck, Wasser bis zum Knöchel, Hänge, die man auf dem Po runterrutschen hätte können. Man hat wirklich leiden müssen“, schildert der Zweite Ralf Himmelsbach (Team Pudel). Die Umstände machen den Ultra aus. „Es war schon hart. Man musste aufpassen, nicht umzuknicken“, sagt Sieger Michael Striegel (Team Silla Hopp), der sich bescheiden gibt: „Ob man gewinnt, hängt mit davon ab, wer startet.“ Und bei den Frauen siegte Lina Kabsch (Team Pudel), eine Minute vor Yvonne Meier aus Markgröningen.

Und zwei Premieren gab es beim Halbmarathon: Sowohl Emil Fast (Wüstenrot) als auch Hannah Schugt vom Team Silla Hopp absolvierten erstmals diese Distanz – und klettern gleich ganz oben aufs Treppchen.

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