Favoritepark Ludwigsburg Bitte keine Kekse für Mufflons und Co.

Manche Mufflons im Favoritepark sind recht zutraulich. Füttern darf man sie aber dennoch nicht. Foto: Simon Granville

Füttern verboten: Neue Schilder weisen im Favoritepark in Ludwigsburg darauf hin, dass die Wildtiere von den Besuchern nicht gefüttert werden dürfen. In jüngster Zeit hatten sich nicht alle Spaziergänger an diese Regel gehalten. Für die Tiere kann das schädlich sein.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Ja, Wildtiere mögen Kekse. Und nein, man darf sie trotzdem nicht damit füttern. Denn das kann ihnen schaden. Im Favoritepark in Ludwigsburg haben das aber viele Spaziergänger noch nicht wirklich verinnerlicht. Deshalb haben die Mitarbeiter von Forst BW, die für das Areal zuständig sind, jetzt 30 neue Schilder aufgehängt, die klar sagen: Füttern verboten.

 

Bisher hingen solche Schilder nur an den Eingängen zum Park. Offensichtlich haben das aber nicht alle Besucher gelesen. Oder wieder vergessen, wenn sie im Park unterwegs sind. Jedenfalls werden die Tiere fleißig gefüttert. Mit Keksen, Eierwaffeln, Kuchen, Pommes …

Einmal hat der Revierförster Kim Kühn sogar beobachtet, wie eine Besucherin ihren Biomüll samt Bananenschale und Plastiktüte den Tieren hinkippte. „Das Füttern hat ziemlich Überhand genommen“, sagt Kühn.

Muffellämmer kommen aus Tripsdrill

Deshalb die neuen Schilder. Sie machen deutlich, was eigentlich klar sein sollte, denn in Naturschutzgebieten, wie es der Favoritepark eines ist, ist das Füttern von Wildtieren generell verboten. Auch, wenn die Tiere zutraulich sind. Wie zum Beispiel die beiden Muffellämmer, die erst kürzlich aus dem Wildpark von Tripsdrill in den Favoritepark nach Ludwigsburg gekommen sind. Sie sind es von ihrem früheren Zuhause gewohnt, dass sie von Parkbesuchern aus der Hand gefüttert werden. In Tripsdrill ist das mit dem Futter, das es dort zu kaufen gibt, erlaubt.

Im Favoritepark gibt es das nicht. Für den Mufflon-Nachwuchs heißt es also wie für alle anderen Wildtiere: Auf ihrem Speiseplan steht das, was sie selbst in der Landschaft finden, nämlich Gras, Kräuter, Triebe von Bäumen, Eicheln, Kastanien… Alles andere – auch gut gemeinte Äpfel oder Karotten von Parkbesuchern, kann dem Wild gefährlich werden.

Neben den vorwitzigen Muffellämmern hat sich auch das Damwild hin und wieder verbotenerweise füttern lassen, berichtet Kim Kühn. Allerdings seien es nur die Männchen, die die Besucher so nahe an sich heranlassen. Warum auch immer.

Wen die Besucher des Favoriteparks eher selten zu Gesicht bekommen, sind die Axishirsche. Knapp 20 von ihnen wohnen in dem Areal. Sie kommen ursprünglich aus Indien, sind eher scheu und vertragen das kalte Klima nicht so gut wie ihre Damwild-Kollegen. „Historisch gesehen lebten im Favoritepark immer viele verschiedene Wildarten – je nachdem, was der König gerade jagen wollte“, sagt Kim Kühn.

Alle Mufflons im Park waren miteinander verwandt

Aktuell setzt sich der Wildbestand im Favoritepark aus rund 60 Damhirschen, den etwa 20 Axishirschen und aktuell 14 Mufflons zusammen. Letztere gibt es erst etwa seit den 1990er Jahren in Ludwigsburg. Weil seither nie frisches Blut dazugekommen ist, sind alle Mufflons miteinander verwandt. Womöglich ein Problem für das Rudel: Es gab immer weniger Nachwuchs. Im vergangenen Jahr war es gerade mal ein Lämmchen. Deshalb hat Kim Kühn die beiden Muffellämmer aus Tripsdrill geholt. Weitere aus anderen Parks sollen folgen.

Die beiden neuen Muffellämmer waren anfangs eher allein unterwegs, inzwischen haben sie sich gut in das Rudel integriert und sind auch an diesem kalten Wintermorgen gemeinsam mit den anderen unterwegs. Sie fühlen sich offenbar wohl in ihrem neuen Zuhause – auch ganz ohne von Besuchern gefüttert zu werden.

Die Schilder, die aufgestellt wurden, zeigen laut Kim Kühn schon Wirkung. „Ich habe schon das Gefühl, dass es wirkt. Die Leute weisen sich inzwischen auch untereinander darauf hin, dass das Füttern verboten ist“, sagt der Revierförster.

Das einst von den Herzögen als Fasanerie genutzte, 72 Hektar große Waldgebiet zählt heute übrigens zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands. Der rund um das Jagd- und Lustschloss Favorite gelegene Park vereint Naturschutzgebiet, historische Parkanlage und Wildpark. Hinzu kommt „viel Freizeitdruck“, wie Kim Kühn sagt. Das alles will unter einen Hut gebracht werden.

Ein Beispiel für die Konflikte ist die alte Lindenallee mit ihren seltenen Käferarten, die sehr gern abgestorbenes Holz mögen. „Andererseits müssen wir dafür sorgen, dass hier die Besucher keine Äste auf den Kopf bekommen.“ Zudem sind aus Naturschutzgründen Hunde im Park nicht erlaubt. Leider halten sich auch daran nicht alle Halter von Vierbeinern, berichtet Kühn. Wichtig sei es auch, auf den Wegen zu bleiben und die Ruhezonen der Tiere zu respektieren – und sie eben nicht zu füttern. Auch wenn manche neugierig auf die Parkbesucher zukommen.

Favoritepark Ludwigsburg

Grünes Paradies
 Frei lebende Hirsche und Mufflons sowie uralte Bäume: Der Park rund um das Schloss Favorite ist ein grünes Paradies mitten in der Stadt und zählt heute zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands. Aus Naturschutzgründen sind Hunde im Park nicht erlaubt, und an den Wochenenden ist die Durchfahrt mit dem Fahrrad verboten. Der Favoritepark ist ganzjährig geöffnet und kostenlos zugänglich.

Riesiges Gebiet
 Kim Kühn ist seit zwei Jahren Revierförster bei Forst BW. Das Gebiet Unterland des Staatswaldes erstreckt sich über drei Landkreise und umfasst 1100 Hektar und 19 verschiedene Waldstücke. Dazu gehört neben dem Favoritepark unter anderem auch der Salonwald in Ludwigsburg, der Bietigheimer Forst und der Hardtwald bei Remseck.

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