FC Bayern gegen VfB Stuttgart Aleksandar Pavlovic gegen Angelo Stiller – das große Duell im Mittelfeld

Am Samstag wieder Gegner: Aleksandar Pavlovic vom FC Bayern (li.) und VfB-Profi Angelo Stiller Foto: imago//Ralf Poller

Bei der DFB-Elf bildeten Aleksandar Pavlovic (FC Bayern) und Angelo Stiller (VfB Stuttgart) jüngst ein formidables Mittelfeld-Duo in München – am Samstag sind sie an gleicher Stelle in der Bundesliga Gegner.

Sport: Marco Seliger (sem)

Ob er wieder schweißnasse Hände hat bei der Anfahrt zur Münchner Arena? Angelo Stiller hat kürzlich von der Feuchtigkeit seiner Hände und seiner Aufregung berichtet, als er im Mannschaftsbus der Nationalelf am Montagabend gesessen hatte und es in Richtung seines großen Traumes ging: Startelfdebüt für Deutschland gegen die Niederlande. In der Heimatstadt, vor den Augen der Familie. Mehr geht kaum.

 

So ist davon auszugehen, dass der Mittelfeldmann des VfB Stuttgart an diesem Samstag vor seiner nächsten Partie in Fröttmaning ein bisschen weniger aufgeregt ist – und dieses Mal bei der Anfahrt zur Arena mit trockenen Händen im Bus sitzen wird.

Dabei wäre so ein Duell beim FC Bayern für Stiller vor nicht allzu langer Zeit noch der Höhepunkt gewesen. Doch nun reiht es sich eher als unspektakuläre Marke ein auf dem steilen Weg des Münchners in Stuttgarter Diensten. So weit hat es der Aufsteiger Stiller gebracht mit all seinen riesigen Karriereschritten in den vergangenen Monaten, aus denen sich ein neues Selbstverständnis gespeist hat. Champions League bei Real Madrid, großes Länderspiel dahoam gegen die Niederlande: Das sind inzwischen Stillers Hausnummern.

Allerdings: So eine normale Bundesligapartie beim großen FC Bayern wird immer speziell bleiben für den Mittelfeldspieler des VfB – zum einen weil er von 2010 bis 2021 beim Rekordmeister aktiv war und dort gegen Ende unter einem gewissen Sebastian Hoeneß in der zweiten Mannschaft reifte. Und zum anderen gibt es am Samstag ja dieses spezielle Duell. Der VfB-Taktgeber wird dem Mann im Münchner Mittelfeld gegenüberstehen, mit dem er noch am Montagabend beim Nations-League-Spiel auf dem gleichen Rasen den Rhythmus bestimmte beim deutschen 1:0-Sieg. Und das ausgesprochen gut.

Die Jungstars drängen ins Team

Jetzt werden Aleksandar Pavlovic vom FC Bayern und Stiller wieder zu Gegnern im Liga-Alltag – und nehmen angesichts ihrer starken Leistungen im Länderspiel ein paar Tage zuvor beide Rückenwind mit. Denn der 20-jährige Pavlovic und der 23-jährige Stiller gelten spätestens nach ihrem Auftritt vom Montagabend als die Zukunft im Mittelfeld der DFB-Elf. Womöglich stehen die beiden schon bei der WM 2026 gemeinsam in der Startelf. Die beiden Jungstars drängen ins Team und fordern im Zentrum den Leverkusener Robert Andrich (30) und Pascal Groß (33) von Borussia Dortmund heraus.

Geht man nach den jüngsten Eindrücken, müssen sich der ebenfalls in München geborene Pavlovic und Stiller vor den älteren Kräften nicht verstecken. „Sie haben es gerade defensiv sehr gut gemacht“, sagte Antonio Rüdiger nach dem Sieg gegen Oranje, „beide mit einer gewissen Ruhe.“ Es sei einfach, so der Abwehrchef der DFB-Elf weiter, denn: „Die Jungs machen, was man ihnen sagt – und sie bringen ihre Qualitäten ein.“

Die beiden Münchner Kindl werden also groß und stark, sie sind auf dem Vormarsch: beim DFB und, klar, längst auch bei ihren Clubs, wo sie die Chefs im Mittelfeld sind. Pavlovic und Stiller bringen ihre Qualitäten inzwischen wie selbstverständlich ein, und so war das jetzt auch auf der großen Länderspielbühne gegen die Niederlande zu beobachten. Der Stuttgarter Stiller agierte so ruhig, umsichtig und clever wie beim VfB. Und der Münchner Pavlovic? Agierte so ruhig, umsichtig und clever wie beim FCB. Bis er in der zweiten Hälfte auf die Zehnerposition vorrücken musste und das Spiel damit nicht mehr so lenken konnte wie vorher, mit seinen durchdachten Pässen aus der tieferen, defensiveren Position.

Gegenseitiges Lob

Hinterher war Pavlovic auch mit dem Blick auf seinen Nebenmann Stiller trotzdem glücklich, denn: „Es macht viel Spaß, mit Angelo zusammenzuspielen – wir verstehen uns gut auf dem Platz.“ Das konnte und wollte Stiller im Münchner Kabinengang nur bestätigen: „In der ersten Halbzeit hatten Alex und ich viel Kontrolle über das Spiel“, sagte er, „nach der Pause war es dann insgesamt etwas schwieriger. Alex ging auf die Zehn, und mein Part wurde etwas defensiver.“

Genau damit aber hat Stiller im Kreise der DFB-Elf den nächsten Schritt nach vorne gemacht. Denn Julian Nagelsmann hatte ihm vor der Partie gesagt, er solle ein paar Dinge besser machen. Der Bundestrainer meinte damit den Fokus auf die Defensivaufgaben, um so der Mannschaft zu helfen. Und, was soll man sagen: Der Taktgeber Stiller legte den Fokus richtig und war dem Team mit seiner Umsichtigkeit im Spiel gegen den Ball eine große Stütze – was den Mann nicht überraschte, der Stiller einst schon beim FC Bayern und bei der TSG Hoffenheim angeleitet hatte und das nun auch beim VfB tut.

So betonte Trainer Sebastian Hoeneß am Donnerstag die Adaptionsfähigkeiten seines Schützlings: „Angelo kann sich auf das nächsthöhere Level spielen, das war schon immer so.“ Der Coach meint damit auch Stillers Jugendzeit beim FC Bayern und den damaligen Übergang in die zweite Mannschaft. „Angelo“, sagte Hoeneß, „ist sofort in der Lage, auf das nächsthöhere Level zu kommen und sich darauf einzustellen.“ So wie jetzt beim VfB in der Champions League und beim DFB-Team in der Startelf. Hoeneß betonte aber auch, wo sich Stiller noch verbessern könne: „Er kann noch den einen oder anderen tiefen Pass mehr spielen.“

Am besten schon an diesem Samstag, im Liga-Duell gegen den FC Bayern – wo Stiller einst ja unter dem damaligen Trainer Hansi Flick keine echte Chance bei den Profis bekommen hat. Tempi passati, denn: Genugtuung, so sagte das der VfB-Profi nun, verspüre er angesichts seines rasanten Aufstiegs woanders keine: „Aus dem Alter bin ich raus, man sollte das vergessen.“

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