Vor der Champions-League-Partie gegen den FC Barcelona am Dienstagabend wollen sich der Bayern-Trainer Jupp Heynckes und sein Team nicht durch den Wirbel um Uli Hoeneß ablenken lassen.
München - Sehr lange stand der Pressesprecher des FC Bayern, Markus Hörwick, in seinem Dienstwagen vor der Allianz-Arena und tippte in verschiedene Tastaturen. Dann sah er einfach aus dem Fenster - und auf graue Mauern. Hörwick hat mit den Münchnern Stürme aller Arten erlebt, aber der derzeitige Wirbel um Uli Hoeneß ist, obwohl als Privatsache deklariert und doch zugleich ein fulminantes Tief der Clubgeschichte, auch für ihn ungewohnt.
Eine halbe Stunde später hat sich Hörwick zur Vorwärtsverteidigung entschlossen und droht, „die Pressekonferenz abzubrechen“, sollten Fragen zum Thema Steuerhinterziehung durch den Präsidenten gestellt werden. Kurz zuvor ist der heutige Halbfinalgegner der Bayern gelandet. Der FC Barcelona würde erst am Abend zu einem Training nach Fröttmaning kommen. Die Bühne gehört also Philipp Lahm, Javier Martínez und Jupp Heynckes.
Aufs europäische Fußballganze betrachtet wirkt es fast so, als wären sich die beiden Vereine in den letzten 17 Jahren höchst erfolgreich vor allem aus dem Weg gegangen. Unvergessen zwar ist die 0:4-Pleite der Münchner in Camp Nou vom April 2009, nachdem sich der vorzeitige Abschied des Trainers Jürgen Klinsmann ankündigte. Für frühere Aufeinandertreffen muss man allerdings schon in die Gruppenphase der Champions League von 1998 zurückschauen, als zwei Bayern-Siege heraussprangen, respektive ins Halbfinale 1996. Auch da setzten sich die Münchner (mit Spielern wie Scholl, Babbel und Witeczek gegen Hagi und Co.) durch.
Nein, der FC Bayern kümmert sich immer zuerst um sich selbst
Außer dem Trainer Jupp Heynckes jedoch, der Tausende von Fußballspielen fast enzyklopädisch gespeichert hat, erinnert sich kaum jemand an die Partien, ja, Philipp Lahm kann sich noch nicht mal mehr an das Halbfinale gegen Real Madrid aus der vergangenen Saison erinnern: „Man nimmt da, ehrlich gesagt, kaum was mit“, bekennt er. Eher schon bauten die Bayern seiner Meinung nach „auf das Fundament der letzten Spiele gegen Juventus Turin“. Nun gelte es, „eine weitere Topmannschaft zu schlagen, die einen ähnlichen Fußball spielt wie wir“. Lahm antwortet auf die immergleichen Fragen immer gleich freundlich mit der ihm eigenen natürlichen Unverbindlichkeit. Nein, der FC Bayern kümmert sich immer zuerst um sich selbst. Nein, es ist ihm – also Lahm – egal, ob er gegen David Villa oder Andres Iniesta spielen muss. Und, nein, es ist nicht die Abwehr allein, die das Spiel bestimmen wird.
Derweil kaut Martínez, wie immer, wenn es bald relativ ernst wird, mit Hingabe auf seinen Nägeln herum. Einig sind sich die Bayern-Profis in einem: Es kommt Lionel Messi, der „beste Fußballer der Welt“ (Lahm), den man schon deswegen „aus dem Spiel nehmen muss“ (Martínez), weil er eben „der beste Fußballer der Welt“ sei.
Exkusion in die Fußball-Geschichte
Messi wird trotz leichter muskulärer Probleme spielen, da ist sich auch Heynckes sicher. Er antwortet, mit sichtlichem Vergnügen, den spanischen Journalisten in ihrer Landessprache und überschüttet den Gegner (inklusive Pep Guardiola) erst einmal mit Komplimenten. Aus Heynckes’ Worten in eigener Sache spricht der Stolz darauf, dass es ihm in den Jahren seiner Arbeit gelungen ist, mit Bayern den Anschluss herzustellen an Europas derzeit führenden Verein, bei dem nicht nur „außerordentlicher Fußball“ trainiert werde, sondern vor allem Wert gelegt auf den „zwischenmenschlichen Bereich“. Und zwar im Spiel wie davor und danach.
Da hat Heynckes mit den Bayern hinwollen, und das hat er, meint er, geschafft: Finale hin, Finale her. Schon im Januar, also vor der Verpflichtung von Pep Guardiola als neuem Coach – Heynckes sagt das mit wohl bedachter Spitze –, habe er mit Fug und Recht behaupten können, dass sein Team „den fortschrittlichsten Fußball in der Historie des FC Bayern“ spiele.
In respektabler Tonlage über Matthäus
Und Messi? „Barça no es solamente Messi“, antwortet Heynckes. „Barça besteht nicht nur aus Messi.“ Aber schließlich müsse das Spiel, so Heynckes altersweise, „erst mal gespielt werden“. Wen er statt des gesperrten Mario Madzukic im Sturm aufbieten wird, hat er noch nicht entschieden. Sowohl Claudio Pizarro als auch Mario Gomez kämen infrage. Für Letzteren spricht, dass er nach seinen beiden Toren in Hannover ausgewechselt wurde, während Pizarro, zunächst im offensiven Mittelfeld aufgeboten und später ebenfalls doppelt erfolgreich, bis zum Schluss spielte.
Anders als seine Spieler unternimmt Heynckes gegen Ende seiner Ausführungen einen Versuch, doch noch einmal die Fußballgeschichte mit einzubeziehen. Ausgehend von seinem Linksverteidiger David Alaba, dem er für seine jungen Jahre „fußballerisch und menschlich“ ein „extrem hohes Niveau“ bescheinigt, kommt er auf seine Favoriten unter den Spielern vergangener Tage zu sprechen. Und so wird neben dem Argentinier Fernando Redondo (ehemals Real Madrid und AC Mailand) auch noch einmal der Name Lothar Matthäus im Bauch der Münchner Arena erwähnt – und zwar in höchst respektvoller Tonlage.
Doch ganz gut dann, dass von Uli Hoeneß gar nicht erst die Rede sein darf.