FC Liverpool ist Meister Jürgen Klopp im Gefühlschaos nach Titelgewinn

Von red/dpa 

Jürgen Klopp kann einfach nichts falsch machen. Nach dem Gewinn der Meisterschaft mit dem FC Liverpool wird der beliebte Trainer von seinen Gefühlen übermannt und bricht in einem Interview in Tränen aus. Das Video wird im Internet zum Hit und rührt die Fans.

Jürgen Klopp zeigte sich nach dem Titelgewinn sehr emotional. (Symbolbild) Foto: dpa/Martin Rickett 8 Bilder
Jürgen Klopp zeigte sich nach dem Titelgewinn sehr emotional. (Symbolbild) Foto: dpa/Martin Rickett

Liverpool - Die Augen von Jürgen Klopp waren sichtbar gerötet. Nach dem Triumph sprach der Liverpool-Trainer mit zittriger Stimme. „Ich bin völlig überwältigt. Ich hätte nie gedacht, dass sich das so anfühlt“, stammelte er beim Sender Sky Sports. „Das ist ein großer Moment, ich hab wirklich keine Worte.“ Kurz darauf musste der 53-Jährige das Interview abbrechen, weil er in Tränen ausbrach.

„Ich hab gestern Abend zu viel geweint“, scherzte Klopp am Freitag, „ich war zu emotional. Ich habe Glück, in diesem Verein zu sein, wenn sowas passiert. Ich bin so glücklich, dass ich ein Teil davon bin.“

Das emotionale Tränen-Video wurde nach dem Gewinn der Meisterschaft in England ein Internet-Hit und rührte die Fans. „Großartig zu sehen“, kommentierte ein Nutzer namens Lewis bei Youtube. „Nachdem ich das gesehen habe, muss ich selbst weinen“, schrieb Userin Vicky. Später tauchte ein weiterer Clip auf, in dem der Meistermacher ausgelassen tanzt und dabei von den Spielern angefeuert wird.

In der Heimatstadt der Beatles wird der Kult um Klopp durch solche Ereignisse nur noch größer. Zu sagen, der Stuttgarter ist der beliebteste Fußballtrainer auf der Insel, ist keine gewagte Behauptung. Und seit Donnerstagabend hat der Trainer wohl endgültig Legendenstatus in der 128-jährigen Vereinsgeschichte des ruhmreichen FC Liverpool. Der 19. Meistertitel, der erste seit 30 Jahren, ist und bleibt untrennbar mit dem Namen Jürgen Klopp verbunden.

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„Vor 30 Jahren ... da war ich 23!“, amüsierte sich der Coach. „Ich hab also nicht allzu viel darüber nachgedacht, die Meisterschaft mit Liverpool zu gewinnen, wenn ich ehrlich bin. Ich hatte doch überhaupt nicht die Fähigkeiten dafür. 30 Jahre später bin ich hier, und zwar wegen der großartigen Mitarbeiter, die ich habe, es ist unglaublich.“

Dass der Meister Liverpool heißt, steht seit der Niederlage von Manchester City beim FC Chelsea am Donnerstag fest. Eigentlich war es aber schon seit Wochen klar. „Wir wussten, dass es passieren könnte, es konnte nicht nicht passieren“, gab Klopp zu.

Guardiola gratuliert

Pep Guardiola vom entthronten Meister Manchester City, der im letzten Jahr nur einen Punkt vor der Klopp-Truppe landete, gratulierte den neuen Champions. Der Titel sei „wohlverdient“. Auf die 23 Punkte Rückstand seiner Mannschaft angesprochen, reagierte der Starcoach leicht zerknirscht. „Wir liegen weit zurück, aber die anderen 18 Teams liegen noch weiter zurück.“

City habe die Kontrolle über die Premier League abgegeben, schrieb der „Daily Mirror“ und befand: „Pep Guardiolas zweijährige Herrschaft ist vorbei.“ Der „Telegraph“ lobte, es sei „einer der größten Erfolge aller Zeiten, dass Liverpool diese Mannschaft von Man City mit so einem Vorsprung geschlagen hat“. Sieben Spieltage vor Saisonende - so früh ist in der Premier League noch kein Club Meister geworden. Und es sind noch weitere Rekorde möglich.

Den Fans, die in der Nacht - trotz der Conoravirus-Krise und trotz der Warnungen der Stadt und des Trainers - zu Tausenden mit Feuerwerk und Fahnen am Stadion Anfield gefeiert hatten, ist allerdings noch wichtiger, dass Liverpool den Titel im kommenden Jahr verteidigt. Denn mit dem 20. Titel würde man endlich wieder mit dem verhassten Rekordmeister Manchester United gleichziehen.

„Es ist klar, dass sich die Mannschaft in einer guten Phase befindet, wir sind jung genug, um noch mehr zu holen“, äußerte sich Klopp am Freitag optimistisch. „Es ist so ein Moment wie letztes Jahr nach dem Champions-League-Finale - man macht weiter.“ Er könne zwar nicht versprechen, dass er den Rest seines Lebens in Anfield bleibe, meinte Klopp, „aber ich werde noch eine Weile hier sein.“

Folgen weitere Titel?

Der langjährige Liverpool-Profi Jamie Carragher rechnet mit weiteren Trophäen. „Ich glaube nicht, dass ein Titel für Jürgen Klopp und seine Mannschaft genug ist, so viel Energie, wie die haben“, sagte er und lobte den Trainer. „Er schafft es, etwas Besonderes zu zaubern, und Liverpool-Fans lieben ihn. Man kann sehen, wie sehr sie hinter all dem stehen, was er getan hat.“

Schon bevor Liverpool im letzten Jahr die Champions League gewann, galt Klopp in Anfield als Identifikationsfigur. Seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 ging es zunächst langsam, aber dann doch sicher bergauf. In weniger als fünf Jahren formte er die Reds zu einem Weltklasse-Team - eine „spektakuläre Wiederbelebung“, wie es der britische Fernsehsender BBC nannte.

Klopp sei „fantastisch“ und verkörpere „alles, wofür der FC Liverpool steht“, schwärmte die Vereinsikone Sir Kenny Dalglish. „King“ Kenny, der als Spieler und Trainer so ziemlich alles mit dem Club gewann, war 1990 der letzte Meistercoach der Reds. Als einer der ersten gratulierte er seinem sichtlich gerührten Nachfolger per Liveschalte im Fernsehen - und hatte dabei selbst feuchte Augen.

„Dieser Titel ist für dich“, sagte Klopp. „Er (Kenny) hat 30 Jahre darauf gewartet. Und er ist auch für Stevie.“ Der frühere Kapitän Steven Gerrard trug das rote Trikot von 1998 bis 2015 und galt als absolute Identifikationsfigur. Er gewann die Champions League mit den Reds, die Meisterschaft aber nicht. 2014 verspielte sein Team den sicher geglaubten Titel zwei Spieltage vor dem Saisonende.

Klopp gibt Lob zurück

„Die Jungs bewundern euch“, sagte Klopp in Richtung von Dalglish, Gerrard, Graeme Souness und anderer Liverpool-Ikonen. „Es ist leicht, die Mannschaft zu motivieren, wegen eurer großartigen Geschichte.“

Klopp hat jetzt ein weiteres erfolgreiches Kapitel hinzugefügt. Ein Denkmal des Trainers, wie es Gerrard ins Gespräch gebracht hatte, wäre dem deutschen Erfolgscoach allerdings unangenehm: „Ich will keine Statue, das ist nicht meine Motivation.“




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