Stuttgart - Jedes Jahr kommt die liberale Familie zum Dreikönigstreffen in Stuttgart zusammen, um sich auf das politische Jahr einzustimmen. Diesmal verlief die traditionelle Kundgebung in der Staatsoper ganz anders, nämlich digital. Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:
Die FDP übt sich in Sachlichkeit
Keine bissigen Formulierungen, keine Ironie, keine überzogen scharfen Attacken. In Corona-Zeiten wollen die Liberalen zeigen, dass sie den Ernst der Lage erkannt haben. Da die Partei wieder eine neue Lust am Regieren verspürt, hat man auch kein Interesse daran, potenzielle Partner durch aggressive Zuspitzungen zu provozieren.
Zurück zum Wesenskern
Die neue Nüchternheit hilft dabei, den traditionellen Markenkern der Partei neu herauszuarbeiten: die Verteidigung der Freiheits- und Grundrechte der Bürger. Ohne populistische Übertreibungen macht die FDP zu Dreikönig darauf aufmerksam, dass eine lang anhaltende Suspendierung von Freiheitsrechten jede offene Gesellschaft deformieren kann.
Die FDP kann digital
Die Liberalen haben aus der Not eine Tugend gemacht. Das Szenario im leeren Saal der Staatsoper war keine schlechte Kulisse, um die außergewöhnliche Lage auch optisch umzusetzen. Die drei Redner Michael Theurer, Hans-Ulrich Rülke und Christian Lindner haben das Format ziemlich gut beherrscht und ohne Applaus und Publikumsreaktionen dennoch ordentliche Reden abgeliefert.
Kein inhaltlicher Aufbruch
Neu erfunden hat sich die FDP in Stuttgart ganz gewiss nicht. Wirtschaft, Wachstum, Eigenverantwortung – die Melodien, die auf diesem Dreiklang aufbauen, kennt man schon. Das kann man prinzipientreu finden - oder ein bisschen langweilig.
Alles offen bei Koalitionen
Es gab in Stuttgart nicht das leiseste Signal, in welcher Regierungskonstellation sich die FDP am wohlsten fühlte. Hauptsache regieren – so lässt sich das deuten. Das kann man als Mut zur Eigenständigkeit loben. Aber der Vorwurf der Beliebigkeit wird der Partei dennoch kaum erspart bleiben.