FDP gegen Waschbären Liberale wollen Waschbären an den Pelz

Waschbären machen sich in vielen Städten breit – auch in Stuttgart sind schon Tiere entdeckt worden. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/

Die Liberalen fordern mehr Entschädigungen und ein geändertes Jagdgesetz. Der zuständige Minister Hauk verspricht zumindest in einem Punkt Abhilfe.

Entscheider/Institutionen: Annika Grah (ang)

Sie sind pelzig, putzig und werden in Märchen und Comics meist als klug und geschickt dargestellt. Doch Waschbären wachsen sich hierzulande in manchen Gegenden zur echten Plage aus. „Waschbären dringen in Schuppen, Häuser und Dachböden ein, hinterlassen Urin und Kot, verursachen Lärm und richten teils massive Gebäudeschäden an“, beschrieb der Stadtjäger Ulrich Pfeffer jüngst bei einer Veranstaltung der FDP das Problem. In Stuttgart sorgte zuletzt ein Fall für Aufsehen, in dem ein Waschbär in Verdacht steht, einer Frau im Schlaf ein Fingerglied abgebissen zu haben. Selbst auf dem Neuen Schloss in Stuttgart wurde eines der Tiere schon gesichtet.

 

FDP fordert Entschädigungen

Die FDP im Landtag fordert einen härteren Umgang und bessere Entschädigungen. „Es kann auch nicht sein, dass betroffene Bürger auf den Kosten für die Schadensbeseitigung oder den Einsatz eines Stadtjägers sitzen bleiben“, sagte der land- und forstwirtschaftliche Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Klaus Hoher. Die Liberalen wollen diese Woche auf ihrer Fraktionsklausur in Karlsruhe ein entsprechendes Positionspapier beschließen.

Belastbare Zahlen über die Waschbärpopulation im Land gibt es nicht. Hinweise auf die Entwicklung geben aber die erlegten Tiere, sagte Christian Fiderer, stellvertretender Leiter der Wildforschungsstelle des Landes. Wurden 2022/23 noch 6322 Waschbären erlegt, waren es im Jagdjahr 2024/25 schon 9174. Fast zwei Drittel davon seien im Ostalbkreis, im Rems-Murr-Kreis und im Landkreis Schwäbisch Hall erlegt worden.

Vergrämung allein hilft nicht

Nach Einschätzung von Dorian Dröge vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität an der Uni Frankfurt, wurde zu lange gewartet. Der Bestand müsse deutlich reduziert werden, damit Vergrämungsmittel Nutzen bringen. Denn natürliche Feinde hat der Waschbär hierzulande kaum.  

Genau das ist aber nach den Worten von Stadtjäger Pfeffer, der gleichzeitig Präsident des Verbands für urbanes Wildtiermanagement ist, das Problem: „Wir müssen den Waschbären im Siedlungsraum managen, aber das können wir unter der aktuellen Jagdgesetzgebung nicht. Diese ist ausgelegt auf die Jagd im Revier“, sagt er. So müssen Stadtjäger beispielsweise nachweisen, dass Präventivmaßnahmen nicht greifen, bevor sie Fallen aufstellen dürfen. „Wir brauchen mehr Freiheiten, weniger Bürokratie, eine angepasste Gesetzgebung der Jagd und weniger Kosten.“

Peter Hauk will Schonzeit aufheben

In Baden-Württemberg plant Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) bereits ein härteres Durchgreifen gegen Waschbären. Große Vorkommen könnten heimische Arten wie Amphibien in ihrem Bestand gefährden, sagt er. „Daher wollen wir die Schonzeit ganzjährig unter Berücksichtigung des Elterntierschutzes aufheben und die Tiere intensiver bejagen.“

Die Änderung der entsprechenden Verordnung sei in Arbeit, heißt es aus seinem Ministerium. Die Maßnahme solle vor allem in Städten helfen. „Nach Beratung und Prävention können schwere Mensch-Wildtierkonflikte durch Entnahme ganzjährig gelöst werden.“ Auf der Liste der Tiere, für die die Schonzeit ganzjährig aufgehoben werden soll, stehen neben Waschbär und Nilgans auch Nutria, Mink und Marderhund.

CDU-Frau Schweizer plädiert für Fellverwertung

Für die jagdpolitische Sprecherin der CDU, Sarah Schweizer, ist die geplante Aufhebung der Schonzeit ein wichtiges Signal „und zugleich ein Auftrag an die Jägerschaft, ohne die diese Plage nicht einzudämmen ist“, sagt sie. Sie hat vor zwei Jahren ein landesweites Pilotprojekt auf den Weg gebracht, das Fallenfang und Fellverwertung unterstützt. „Dieser Weg sollte konsequent weiter gegangen werden“, fordert sie.

Dem FDP-Abgeordneten Hoher geht das nicht weit genug: Es brauche eine zeitgemäße Jagdgesetzgebung, Rechtssicherheit für Stadtjäger und einen angemessenen strukturellen und finanziellen Rahmen, der dem Aufwand der Jäger in Stadt und Land gerecht werde, sagte er. Die Landesregierung schiebe das seit Jahren auf die lange Bank.

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