FDP-Mann Dirk Niebel Ein Ex-Minister schießt einen Bock

Markenzeichen Käppi: Dirk Niebel als Minister Foto: dpa/Marcel Mettelsiefen

Politiker, die jagen, reden gerne um den Akt des Tötens herum. Der Ex-Minister Dirk Niebel (FDP) hingegen präsentiert im Netz stolz seine Beute – und erntet eine Wutwelle.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Wenn Politiker über ihre Leidenschaft für die Jagd berichten, geht es meist um das Drumherum. Das Naturerlebnis beim morgendlichen Ansitzen, die Hege und Pflege, der Respekt vor dem Wild – davon schwärmte neulich auch der Chef der Landtags-CDU, Manuel Hagel. Der Akt des Tötens wird dagegen oft nur gestreift.

 

Nun hat ein Ex-Politiker erfahren, was passiert, wenn man das anders macht. „Ich gestehe, ich hab’ einen Bock geschossen“, postete der frühere Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) auf Facebook. Bebildert war das mit dem abgetrennten Kopf des Tieres, ein Zweiglein im Maul. Binnen eines Tages erntete der einstige Heidelberger gut 150, überwiegend fassungslose Kommentare. „Du hast WAS?“, fragte gleich der Erste, „was bist du nur für ein Mensch?“ Damit war der Ton gesetzt. Wie könne man stolz sein, mit einem „feigen Schuss“ ein Leben ausgelöscht zu haben? Müsse sich Niebel alias „Krid Lebein“ mit seiner „Lust am Töten“ auch noch brüsten? Einfach nur abstoßend sei es, wie er seine Beute präsentiere. Ekelhaft, widerlich, gestört– es hagelte böse Attribute.

Schöneres Leben als „Vieles in der Fleischtheke“

Der Ex-Minister hielt wacker dagegen. Es gehe auch darum, Überpopulationen zu dezimieren. Zudem habe der Bock doch ein schönes Leben gehabt, „anders als Vieles in der Fleischtheke“. Das stachelte viele Kritiker erst recht an, die Wutwelle rollte weiter. Zwischendurch wünschte immer wieder jemand „Waidmannsheil“, was Niebel stets mit „Waidmannsdank“ erwiderte. Es ist wohl keine gute Idee, das erlegte Tier zu zeigen – das können aktive Politiker aus dem Fall lernen. Ein solcher „Bock“ kostet fraglos Stimmen. Die CDU-Spitzenkandidatin von 2021, Susanne Eisenmann, stellte ihren Jagdschein lieber nicht in den Vordergrund. Sonst wären ihre Ergebnisse bei der Landtagswahl womöglich noch schlechter gewesen.

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