FDP-Mann Frank Schäffler Aggressive Stimmung als Treibmittel

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Will Schäffler das? Oder toleriert er die Auswüchse als legitime Waffe im ungleichen Kampf gegen den Apparat der Partei? Er sagt, er könne nicht dafür haftbar gemacht werden, wenn ihm die Falschen auf die Schulter klopfen. Die Unterstützer "planen Aktionen, ohne dass sie diese mit mir absprechen". Er müsse sich ja nicht alles zu eigen machen.

So einfach ist das nicht. Und das nicht nur, weil Schäffler die Entgleisungen im Netz unkommentiert lässt. Er selbst liefert den Hinweis, dass er die aggressive Stimmung als Treibmittel nutzt. Im Interviewblog "30 years" sagt Schäffler, das Internet ermögliche ihm "so eine Guerillamethode. Es sei eine tolle Sache", dass man auf diese Weise "die Machtfülle der herkömmlichen Medien, des Establishments, der Partei einfach umgehen kann".

Nicht nur dieses Interview nährt den Verdacht, dass Schäffler sich als gemäßigter, politischer Arm dieser Szene freier Radikaler versteht. Denn einer der Netzhardliner heißt Daniel Fallenstein. Er ist ein enger Mitarbeiter Schäfflers, in dessen Bundestagsbüro verantwortlich für den Newsletter und die Homepage. Fallenstein verkauft die Marke Schäffler im weltweiten Netz - und nicht nur das.

Diesmal geht es um Billionen

Er gibt "blink", ein "Magazin für freies Denken", im Internet heraus. Gemeinsam mit Aaron Koenig, einem Mann mit beachtlicher Vita. Erst hatte Koenig bei den Piraten angeheuert. Die verließ er und gründete 2010 gemeinsam mit anderen eine neue Partei: "Die Freiheit". Angeführt von dem Islamkritiker und Ex-CDU-Mitglied René Stadtkewitz, der den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders verehrt. Mit Koenig hat Schäfflers Mitarbeiter auch ein Video gedreht, das auf Youtube zu besichtigen ist. Es heißt "Euroshima". Textzeile: "Panik in der Hauptstadt der EUdSSR..." Es ist eine Art Untergrundhymne für Schäfflers Guerillabewegung.

"Das tolerier' ich", sagt Schäffler. Koenig und Fallenstein seien nun mal befreundet. Fallenstein habe bei ihm einen Halbtagsjob, "den anderen halben Tag darf er machen, was er will". Der Koenig, der sei ja auch "kein Unmensch und kein Rechtsradikaler". Mit den "Sektierern" der Partei "Die Freiheit" habe er aber nichts zu tun, versichert Schäffler, erst recht nicht mit deren islamkritischen Positionen.

Vielleicht will Schäffler ja nur nicht wahrhaben, dass ausgerechnet er zum Spekulationsobjekt von Zockern geworden ist. Politspielern, die ein Risiko eingehen, für das sie niemals haften können. Diesmal geht es nicht um eine Briefmarke für drei Mark fünfzig. Diesmal geht es um Billionen, eine Währung, eine Regierung, eine Partei. "Nicht zu hoch hängen", sagt Schäffler. Als wolle er sich mit solchen Sprüchen betäuben. Damit er das irrwitzige Risiko nicht spürt, das er, der Freund einer überschaubaren Welt, eingegangen ist.