FDP-Parteitag in Balingen Theurer als Landeschef wiedergewählt

Von Reiner Ruf 

Der Europaabgeordnete Michael Theurer bleibt FDP-Landeschef in Baden-Württemberg. Mit einem Angriff auf die Grünen und Kritik an der CDU hat er die Liberalen auf den Landtagswahlkampf eingestimmt. Am Samstag soll der Spitzenkandidat gekürt werden.

Der FDP-Landeschef Michael Theurer kritisierte beim Landesparteitag auch das Gesellschaftsbild konservativer Unionspolitiker. Foto: dpa
Der FDP-Landeschef Michael Theurer kritisierte beim Landesparteitag auch das Gesellschaftsbild konservativer Unionspolitiker. Foto: dpa

Balingen - Die Grünen bekamen ihr Fett weg, die CDU blieb auch nicht ohne Blessuren, und zum Dank für die kecken Sprüche erhielt Michael Theurer bei seiner Wiederwahl zum FDP-Landesvorsitzenden ein gutes Ergebnis. Mit 95 Prozent bestimmten die Delegierten den 48-jährigen Europaabgeordneten auf dem Parteitag in Balingen (Zollernalbkreis) erneut zu ihrem Vormann. Theurer hat sich behauptet.

Aber nicht nur er allein. „Wir haben uns nach der Zäsur 2013 behauptet“, schmetterte er selbstgewiss in die Stadthalle. „Zäsur 2013“ – hinter diesem etwas schönfärberischen Schlagwort verbirgt sich der Absturz der Liberalen bei der Bundestagswahl. Inzwischen hat sich die FDP wieder etwas berappelt. Im Land bei der Kommunal- und Europawahl, in Hamburg und Bremen mit dem Wiedereinzug in die Bürgerschaft. Der nächste Schritt soll bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg im Frühjahr folgen.

Nur ein Anhängsel der Schwarzen

Vor vier Jahren hatte die FDP ja sogar in ihrem Stammland nur noch knapp den Sprung in den Landtag geschafft. Danach dämmerte manchem in der Partei, dass man sich womöglich zu sehr an die CDU des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus gekettet hatte. Und dass die FDP vom liberalen Publikum für ihre Treue zu dem mit autoritärem Anspruch regierenden Mappus abgestraft worden war. Theurer zog daraus seine Lehren und versuchte, die FDP den Ruch des schwarzen Anhängsels zu nehmen.

Auch in seiner Rede zum Auftakt des Parteitags fand er Kritikwürdiges am alten Regierungspartner. Den CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf rügte Theurer für dessen konservative Familienpolitik. Zum Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare hatte der CDU-Mann gesagt: „Für mich ist die Schöpfung darauf ausgerichtet, dass Mann und Frau sich zusammentun, um Kinder auf die Welt zu bringen.“ Ein Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare könne er sich nicht vorstellen. Theurer hingegen sagte: „Wir Liberalen stehen zur vollständigen Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe mit deren Adoptionsrecht.“

Hauptgegner der Freidemokraten bleiben aber auch unter Theurer die Grünen. Scheinbar demütig bekannte er sich als „digitaler Lehrling“, um sodann den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann als Blender zu attackieren. Der stilisiere sich nämlich seit einiger Zeit zum digitalen Guru, was er aber erkennbar nicht sei. Die Grünen riefen sich zur neuen Wirtschaftspartei aus, tatsächlich aber seien sie „wirtschaftspolitische Gartenzwerge“. Theurer sagte, die Grünen lehnten „alles ab, was die Moderne ausmacht: Raumfahrt, Nanotechnik und Gentechnik.“ Am Samstag wählen die Delegierten Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke zum Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Bei der Wahl des Landesvorsitzenden hatte Rülke im November 2013 gegen Theurer den Kürzeren gezogen.

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