Fechten: PSV Stuttgart Im Doppelpack zur EM und WM

Gemeinsam beim PSV Stuttgart und demnächst auch gemeinsam bei den U-17-Europa- und Weltmeisterschaften: Benjamin Schrott (links) und Kirill Schimann. Foto: Günter Bergmann

Kirill Schimann und Benjamin Schrott vom PSV Stuttgart sind die Nummer eins und zwei in der deutschen Rangliste der U-17-Florettfechter. Bei den Highlights der Saison peilen die beiden jeweils einen Platz unter den besten 16 an.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Benjamin Schrott und Kirill Schimann sitzen gerne am Computer, zocken das Strategiespiel Fortnite – auch gegeneinander. Ebenso teilen sie die Leidenschaft zum Fechten, gehen für den PSV Stuttgart erfolgreich auf die Planche und haben sich deutschlandweit bei den Kadetten einen Namen gemacht. Deshalb treten der 15-jährige Schimann und der 16-jährige Schrott Ende Februar für Deutschland bei den U-17-Europameisterschaften im türkischen Antalya und vier Wochen später bei den Weltmeisterschaften im chinesischen Wixu an.

 

„Mal gewinnt er, mal gewinne ich“, sagt Benjamin Schrott über den Ausgang der Duelle mit dem Florett. Zu zögerlich dürfe man gegen Kirill nicht agieren, sonst nutze er das eiskalt aus, beschreibt er Schimanns Vorgehen. Im Gegenzug warnt dieser vor der Angriffslust Schrotts. „Benjamin geht voll drauflos, da muss man auf der Hut sein.“ Und wie sieht’s aus, nach Niederlagen stinkig auf den anderen? „Keine Spur“, sagen sie unisono, gewinnen wolle zwar jeder, doch werde der Ausgang nie persönlich genommen.

Wie gesagt, beide sind auf ihre Art erfolgreich. So erfolgreich, dass sie hierzulande die Szenerie in der Altersklasse U17 beherrschen. Schimann, deutscher U-15-Meister und Vizemeister bei der U17, rangiert in der deutschen Rangliste schon länger ganz oben, dahinter folgt sein Mannschaftskamerad. Als einen echten, emotionalen Zweikämpfer, der stark im letzten Treffer beziehungsweise in entscheidenden Phasen sei, beschreibt der PSV-Trainer Michael Kühner seinen Schützling. Wobei es noch Luft nach oben gebe.

„An seiner Athletik muss Kirill noch arbeiten, dann wird er noch besser“, konstatiert Kühner. Als einen „technisch starken und strategisch vorgehenden Fechter“, charakterisiert der PSV-Coach indes Benjamin Schrott, der nach einem Tief nun wieder voll da sei und sich nervenstark das Ticket für die Nationalmanschaft und damit für die großen internationalen Wettkämpfe gesichert habe. Denn der ehemalige deutsche U-15-Vizemeister schien die Qualifikation zur EM und WM aus den Augen zu verlieren, reihte sich lange Zeit national „nur“ auf Platz acht ein. Doch dann setzte er zum Endspurt an, sammelt wichtige Punkte – auch gegen direkte Kontrahenten um die internationalen Tickets. Zuletzt beim alles entscheidenden Qualifikationsturnier im lettischen Riga bewies er Nerven aus Stahl. Gegen Conrad Kolb vom SC Berlin siegte er haarscharf mit 15:14 Punkten und katapultierte sich dadurch ins Nationalteam – sogar auf Rang zwei, noch vor Kolb und Felix Schäfer vom KTF Luitpold München. Eben mit den beiden Letztgenannten geht es demnächst zu den großen Wettkämpfen, bei denen die Konkurrenz vor allem aus Frankreich und Italien „sehr stark“ sei, ist sich Schimann sicher.

Dementsprechend sind die Zielsetzungen der beiden vorsichtig optimistisch. Eine Medaille wäre natürlich eine super Sache, sagt Schrott, jedoch peilen die beiden PSV-Athleten vorrangig das Überstehen der Hauptrunde und das Erreichen der letzten 16 Fechter an. „Gelingt uns das, dann sehen wir weiter“, sind sie sich einig. Größere Chancen auf einen Top-Platz sehen sie indes mit der Mannschaft. „Mal schauen, vielleicht gelingt uns da ein Coup“, sagt Schrott.

Den Weg zum Fechten fanden die beiden auf unterschiedliche Weise. Während der Zehntklässler Schimann (König-Katharinen-Stift-Gymnasium) über das Projekt Schule-Verein in der dritten Klasse der Pragschule erstmals mit dem Fechten in Kontakt kam, war für Schrott ein Video auf YouTube der Grund, sich näher über den Sport zu informieren. „Erst war ich beim MTV Stuttgart, bin dann aber wegen der besseren Perspektiven zum PSV gewechselt“, sagt der Elftklässler der Swiss International School in Fellbach.

Bis es zu den hochwertigen Kämpfen geht, steht diese Woche noch ein Lehrgang mit der Nationalmannschaft an. Trotz des eng getakteten Terminkalenders bleibt aber sicherlich noch Zeit für das ein oder andere Fortnite-Duell.

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