Fehlalarm an der A81 in Böblingen Keine Fliegerbombe, sondern Rosteinschlüsse

Wie Maulwurfshügel sehen die Sondierungen aus, die den Bau der A 81 flankieren. Foto: /Ulrich Stolte

Nach dem Bombenfehlalarm an der Autobahn: Rosteinschlüsse im Boden der A81-Baustelle in Böblingen haben die Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes in die Irre geführt.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

„Als extrem selten“ bezeichnet das Regierungspräsidium Stuttgart das Phänomen, das den Kampfmittelbeseitigungsdienst am Dienstag getäuscht hat. Die Spezialisten hatten im Untergrund an A81-Anschlussstelle Böblingen/Sindelfingen eine Weltkriegsbombe vermutet, doch kurz vor der geplanten Entschärfung stellte sich heraus: In der Erde ist gar nichts.

 

Einige Zeit zuvor waren die Kampfmittelbeseitiger bei standardmäßigen Sondierungen an der Baustelle der A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen auf Eisen im Boden gestoßen. Weil das Gelände direkt am Daimler-Werk und dem ehemaligen Flughafen Böblingen liegt, kam der Verdacht auf, es könnte ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vergraben sein. Weil aber unklar war, was sich unter Tage verbarg, hatten die Verantwortlichen in den vergangenen Tagen stets von einer „Bodenanomalie“ gesprochen.

Ein Sperrkreis von 500 Metern wurde eingerichtet

Der Bereich wurde mit einem Radius von 500 Metern abgesperrt, 19 Menschen sowie ein Zirkus, der dort gastierte, sollte mitsamt seinen Tieren evakuiert werden. Doch am Dienstagabend kam die Entwarnung. Es gab keine Metallteile im Boden, sondern nur eine metallführende Bodenschicht. „Mit der metallführenden Erdschicht sind Schichten gemeint, die gebündelt Eisen- beziehungsweise Rosteinschlüsse vorweisen“, erklärt Lukas Walter von der Pressestelle des Regierungspräsidiums Stuttgart, „dadurch kann das Phänomen auftreten, dass solche Schichten ein ferromagnetisches Signal erzeugen.“

Das heißt im Klartext: Diese Schichten können ein Magnetfeld ausstrahlen, das die Instrumente täuscht. „Im Fall der gestrigen Anomalie-Öffnung wird diese Möglichkeit in Erwägung gezogen, da ansonsten keine weiteren metallischen Objekte im Erdreich gefunden wurden“, so Lukas Walker, „solch ein Fall kommt extrem selten vor. Was hingegen gelegentlich vorkommen kann, sind Funde von Munitionsresten und altem Eisenschrott von Baustellen.“

Die Bauarbeiten können jetzt weitergehen

Doch das war eben nicht der Fall, und die Bauarbeiten können nun zügig weitergehen. Nichtsdestotrotz hat die Aktion den Zeitplan des Projektleiters Johannes Kuhn von der Deges um eine knappe Woche zurückgeworfen. Die Deges baut im Auftrag des Bundes an dieser Stelle die Autobahn A 81 dreispurig aus. Dafür muss sie sieben Unterführungen und vier Brücken neu machen, dazu kommt ein mächtiger Betondeckel, der die angrenzenden Wohngebiete vor Abgasen und Staub schützt. Die Sondierungen des Baugrunds hatten die Planer von vorneherein einkalkuliert.

Das Sindelfinger Daimler-Werk und der ehemalige Böblinger Flughafen waren im Zweiten Weltkrieg oft Ziel von alliierten Luftangriffen. Nach solchen Angriffen wurden Blindgänger in die Bombentrichter geworfen und zugeschaufelt.

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