Fehlende Kita-Plätze in Obertürkheim Ideen gibt es genug, aber das Personal fehlt

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In Obertürkheim haben sich Eltern getroffen, um selbst Lösungen für die schlechte Kita-Situation zu finden.

Über fehlende Kita-Plätze diskutieren Eltern, Mitglieder und Pfarrer Kögler. Foto: dapd
Über fehlende Kita-Plätze diskutieren Eltern, Mitglieder und Pfarrer Kögler. Foto: dapd

Obertürkheim - Von Mitte 2013 an haben Kinder unter drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. In der Realität ist die Landeshauptstadt aber weit davon entfernt, dieses Ziel auch zu erreichen. Nicht nur im Stadtbezirk Obertürkheim besteht ein großer Bedarf an Kitaplätzen. Er ist so groß, dass sich Eltern sogar schon gezwungen sehen, gemeinsam selbst nach Lösungen zu suchen .

Unter der Federführung des CVJM haben sich deshalb jetzt in Obertürkheim Eltern, Pfarrer Christian Kögler und Mitglieder unterschiedlicher Einrichtungen getroffen, um die Situation vor Ort zu diskutieren. Das Fazit am Ende des Abends war allerdings bei allem guten Willen ernüchternd. Denn alles, was über ganz einfache Modelle hinaus geht, ist mit einem großen Aufwand verbunden. Eine Lösung ist daher vor 2014 nicht in Sicht. „Bis dahin sind unsere Kinder ja in der Schule“, stellte eine Mutter daher enttäuscht fest.

Elf Teilnehmer nahmen an dem ersten Runden Tisch zur Verbesserung der Betreuungssituation in Obertürkheim teil. Pfarrer Christian Kögler bedauerte, dass nicht noch mehr interessierte Eltern zum Diskussionsabend gekommen waren. Eine Alternative zur normalen Kindertagesstätte präsentierte die Sozialpädagogin Gabi Lutz von der Caritas Stuttgart der Runde. Eine Qualifizierung als Tagesmutter biete beispielsweise die Stadt Stuttgart an, erklärte Lutz zu dem Modell. Die Tagespflege beinhalte alles, was über eine Betreuung von mehr als 15 Wochenstunden hinausgehe sowie länger als drei Monate andauere. Tagesmütter arbeiten im Haushalt der Eltern oder betreuen die Kinder in ihrem eigenen Haus. Ein besseres Modell sieht Lutz in der sogenannten Großtagespflegestelle. Dabei schließen sich zwei Tagesmütter zusammen, erwerben die gewünschte Qualifikation und dürfen dann mehrere Kinder auf einmal betreuen. „Eine Tagesmutter darf maximal fünf Kinder betreuen, in der Großtagespflege sind es bis zu neun“, erklärte die Sozialpädagogin den Unterschied.

Nur eine kleine Lösung

Die Tagesmütterbörse der Caritas berät, informiert und vermittelt interessierte Mütter, die sich dieses Modell vorstellen können. Ebenso unterstützt sie Eltern dabei, eine geeignete Tagesmutter für ihr Kind zu finden. Wie bereiten sich Eltern auf das erste Gespräch mit der zukünftigen Tagesmutter vor? Welche Kosten kommen auf sie zu? Bei diesen und weiteren Fragen helfen Gabi Lutz und die Mitarbeiter der Tagesmutterbörse weiter.

Neben der Caritas hatten aber auch andere Einrichtungen Ideen und Vorschläge für die Kinderbetreuung. Klaus Böhner aus Rotenberg schilderte von seinen eigenen Erfahrungen bei der Entstehung des dortigen Waldkindergartens. Als Vorstand hatte er den Kindergarten initiiert und in der Gründungsphase begleitet. Allerdings musste er die anderen Eltern gleich zu Beginn des Abends bremsen: „Einen eigenen Kindergarten zu gründen, ist sehr komplex“, gab er zu bedenken. Viele Richtlinien seien dabei einzuhalten, mit ein bis zwei Jahren Vorlauf müsse man rechnen . „Es gibt eigentlich kein Amt in Stuttgart, das bei einer Kindergarten-Gründung nicht beteiligt ist“, warnte Böhner. Die Obertürkheimer Krabbelgruppe, auf deren Anregung der Abend stattfand, hatte sich ein ganz eigenes Modell ausgedacht: eine Betreuung auf Gegenseitigkeit. Für ihr Projekt könnten sie die Räume im CVJM-Haus nutzen. In einer Art rollierendem System sollen die Mütter dort gegenseitig an etwa zwei Tagen in der Woche Kinder betreuen. „Wenn Sie kein Geld dafür verlangen, ist das alles kein Problem“, sagte Gabi Lutz zu diesem Modell. Allerdings gab die Mutter Juliane Groß zu bedenken, dass es eben nur eine kleine Lösung sei. „Für eine berufstätige Mutter wird das definitiv nicht ausreichen“, betonte sie. Am Ende des Abends waren sich die Beteiligten jedenfalls alle in einem Punkt einig: Nicht an den Räumen und nicht am Angebot scheitern die vorhandenen Ideen, sondern am fehlenden Personal.

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