Fehlende Sozialwohnungen L-Bank: Mehr Förderung schafft nicht mehr Wohnraum

Von Sabine Marquard 

Mit Geld allein lässt sich der Mangel an Wohnungen in Ballungszentren nicht beheben. Die Mittel für das Programm zur sozialen Wohnraumförderung reichten aus, sagt Ulrich Theileis, stellvertretender L-Bank-Chef. Die Engpässe liegen seiner Ansicht nach woanders.

Die L-Bank ist der Wohnungsförderer des Landes. Foto: dpa
Die L-Bank ist der Wohnungsförderer des Landes. Foto: dpa

Stuttgart - Zusätzliche Mittel für die soziale Wohnraumförderung würden nach Ansicht der L-Bank momentan nicht zum Bau von mehr Sozialwohnungen führen. „Die beiden begrenzenden Faktoren sind die öffentliche Hand und das Handwerk“, sagt Ulrich Theileis, stellvertretender L-Bank-Chef, im Interview mit dieser Zeitung. Eine Ausweitung des Programms würde deshalb nicht den gewünschten Effekt haben. Der Engpass im öffentlichen Bereich reiche von der Verwaltung, die teilweise bei Bauanträgen und Genehmigungen nicht hinterher komme, bis hin zur Flächenbeschaffung, „die sicherlich nicht überall im Vordergrund steht“, so Theileis. Im Handwerk seien jetzt die Folgen der „fragwürdigen Niedrigzinspolitik“ zu spüren. „Der dadurch ausgelöste Bauboom führt dazu, dass es teilweise bei größeren Projekten auf Ausschreibungen gar keine Bewerbungen mehr gibt oder der Auftrag teuer wird“, sagt der L-Bank-Manager.

Die Geschäfte im Handwerk liefen seit Wochen glänzend, sagt Eva Hauser, Sprecherin des Baden-Württembergischen Handwerkstags. Viele Betriebe seien zu weit über 100 Prozent ausgelastet. „Während wir im Gesamthandwerk von einem durchschnittlichen Auftragsbestand von 8,6 Wochen ausgehen, liegt die Auftragsreichweite im Bauhauptgewerbe inzwischen bei 14,3 Wochen, im Ausbaugewerbe bei 10,6 Wochen“, sagt Hauser. Weil der Privatmarkt boome, würden sich die Unternehmen eher zurückhaltend um öffentliche Aufträge bewerben.

Wohnungsmangel erschwert Suche nach Fachkräften

Auch die Bauwirtschaft Baden-Württemberg spricht von einer „sehr guten Auftragslage“. Inzwischen müsse mancher Bauherr auf die Umsetzung seines Bauvorhabens länger als üblich warten, teilweise bis zu einigen Monaten, sagt Sprecherin Eleni Auer. Neben der guten Auftragslage erschwere der große Fachkräftemangel die Situation. Laut einer aktuellen Umfrage stelle der Fachkräftebedarf für 86 % der Bauunternehmen derzeit das größte Problem in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung dar.

Der Wohnungsmangel in den Ballungszentren ist bereits ein Hemmnis bei der Suche nach Fachkräften. Es gibt in der Region Stuttgart „viele Mittelständler, die an ihre Wachstumsgrenzen stoßen werden, weil Fachkräfte fehlen“, sagt Theileis. Die Qualität des Wohnraums sei aus Sicht von Fachkräften einer der entscheidenden Faktoren für eine Arbeitsplatzwahl.

Wohnungsförderer des Landes

Das Land hat im Frühjahr das neue Landeswohnraumförderungsprogrammim Volumen von 250 Millionen Euro auf den Weg gebracht. Ziel sei nicht nur jene Wohnungen zu kompensieren, die durch das Auslaufen der Mietpreisbindung wegfallen, sondern auch darüber hinaus neue Wohnungen zu schaffen, betonte Theileis. Die L-Bank ist der Wohnungsförderer des Landes.