Feiern an Heiligabend Bischöfe schränken Gottesdienste ein
Singverbot, Abstandsgebote, Absagen: wie sich die Kirchen in der Corona-Zeit um ein sicheres Weihnachtsfest bemühen. Und was ist eigentlich mit den Sternsingern?
Singverbot, Abstandsgebote, Absagen: wie sich die Kirchen in der Corona-Zeit um ein sicheres Weihnachtsfest bemühen. Und was ist eigentlich mit den Sternsingern?
Stuttgart - Weihnachten findet statt. Allerdings werden auch in Württemberg in Orten mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von mehr als 300 Neuinfizierten keine evangelischen Gottesdienste an Heiligabend stattfinden. Damit folgt die württembergische Landeskirche weitgehend der Linie der badischen Protestanten. Anders als der Oberkirchenrat in Karlsruhe will die württembergische Landeskirche aber Ausnahmen zulassen. Einzelne Gottesdienste könnten auch bei höheren Inzidenzwerten vom jeweiligen Dekanat genehmigt werden.
Dagegen entschied das Bistum Rottenburg-Stuttgart, dass katholische Messen auch in Hotspot-Gebieten stattfinden können. Die Bistumsleitung empfahl den betroffenen Gemeinden lediglich, verstärkt auf Onlineangebote hinzuweisen. Die Zahl der Präsenzveranstaltungen solle reduziert werden. „Wir sind dennoch froh, gerade an den Weihnachtstagen öffentliche Eucharistiefeiern und andere Gottesdienste feiern zu können“, sagte der katholische Bischof Gebhard Fürst.
Auch das Erzbistum in Freiburg sprach kein Verbot öffentlicher Gottesdienste in Hotspot-Gebieten aus. Alle vier großen Kirchen im Land kündigten aber eine Verschärfung der ohnehin strengen Hygienevorgaben an. Viele Gemeinden beschlossen bereits, ihre Andachten am Weihnachtsabend ins Freie zu verlegen. Überall herrscht Maskenpflicht und ein Abstandsgebot von zwei Metern.
Die Besucherhöchstzahl wurde auf 200 begrenzt. Bisher hatte eine Grenze von 500 Besuchern gegolten. Bei katholischen Gottesdiensten darf auch im Freien nicht gesungen werden. In dieses Verbot ausdrücklich eingeschlossen sei das Singen von Kehrversen, Antiphonen oder Gebetsteilen durch die Gemeinde. Kommunionhelfer müssten bei der Ausgabe der Hostien FFP2-Masken tragen, hieß es.
Der evangelische Landesbischof von Württemberg, Frank Otfried July, unterstrich die Bedeutung der Weihnachtsgottesdienste: „Unsere Solidarität mit den vom Lockdown Getroffenen zeigt sich gerade in unserem Angebot, für sie da zu sein. Dabei tun wir alles, um das Infektionsgeschehen einzudämmen, Menschenleben zu retten und Leid zu verhindern.“ Die Gottesdienste seien ein öffentliches Angebot für alle – gerade in besonders schwierigen Zeiten. „Sie werden sich deutlich von denen der vergangenen Weihnachtsfeste unterscheiden, aber dennoch die Weihnachtsbotschaft vom Kommen Gottes in die Welt und das ‚Fürchtet euch nicht‘ verkündigen“, sagte July.
Erstmals seit mehr als 50 Jahren werden zum Jahresanfang aber keine Jungen und Mädchen als Sternsinger zu den Menschen nach Hause kommen. Auch der zentrale Aussendungsgottesdienst am 30. Dezember in Öhringen (Hohenlohekreis) werde nicht stattfinden, teilte die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit. Stattdessen sollen die Kinder am Dreikönigstag (6. Januar) in den Gemeinde-Gottesdiensten auftreten. Zudem habe die Diözese mit der Domsingschule Rottenburg ein Sternsinger-Video produziert.
Traditionell gehen Sternsinger von Tür zu Tür, um Segenswünsche zu bringen. Sie hinterlassen den Segensspruch C+M+B an den Haustüren. Das steht für den lateinischen Satz „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus). Dabei sammeln sie Geld für einen guten Zweck. Dieses Mal steht die Ukraine im Mittelpunkt. Im vergangenen Jahr waren allein in Baden-Württemberg zehn Millionen Euro zusammengekommen. Die Sternsinger gelten als größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder weltweit.