Die Sektkorken knallen regional
Die Premiere ist ausgefallen. Eigentlich sollte die Nachfolgeveranstaltung bereits in diesem Sommer über die Bühne gehen, doch Corona machte auch diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Damit die verschobene Premiere aber nicht durchfällt, hat die Stadt Esslingen viel Vorarbeit geleistet, wie Michael Metzler auf der Pressekonferenz deutlich machte. An 13 Tagen möchten die Veranstalter die erhofften 120 000 Besucher aus einem Umkreis von 50 Kilometern nachhaltig, regional,unterhaltsam und hochwertig verwöhnen. Schwäbische Kost und internationale Gerichte sowie ein täglich wechselnder Mittagstisch werden nicht auf Papptellern, sondern auf richtigem Geschirr serviert, und die Getränkekarte wird von und aus der Region für die Region zusammengestellt.
Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Der Festsommer droht baden zu gehen
50 Prozent der Weine müssen aus Esslingen stammen, die Korken sollen aus lokalen Sektflaschen knallen, und auch das Bier ist made in Esslingen. Nicht-Alkoholisches gibt es natürlich auch, denn mit ihrem Kulturprogramm möchten die Veranstalter ihre Gäste in einen ungefährlichen Rausch versetzen. Täglich wird es neue Angebote und kostenlose Stadtführungen geben, und bisher sind vier Thementage geplant. Der Lichtkünstler Daniel Liewald aus Tübingen wird Esslinger Gebäuden an zwei Tagen ein neues, leuchtendes Gesicht geben, Straßenkunst soll den Marktplatz in eine Kunstmeile verwandeln, ein mediterraner Sommertag soll südländisches Ambiente an den Neckarstrand holen, und besondere Events für Kinder und Familien stehen auf dem Programmzettel.
Eine Platzkonzeption mit vielen Runden
Da wird nach dem Willen der Organisatoren feste gefestet. Aber der Feiermarathon soll nicht in ein paar eilig zusammen gezimmerte Buden gepresst werden. Das Festzentrum auf dem Marktplatz werde nicht durch die Bäume, sondern durch die Gebäude begrenzt, führte der für die Platzkonzeption zuständige Jörg Schall aus. Die optisch wenig ansprechenden Versorgungsapparate für Strom, Wasser oder Abwasser werden beim „Estival Esslingen“ in der Mitte des Marktplatzes angesiedelt und von den sie umgebenden Lauben verdeckt werden. An den Ring aus Lauben schließt sich eine nicht bewirtschaftete Bestuhlung an, an den Bäumen werden Podeste für eine kulturelle Nutzung angebracht, ganz außen gibt es nochmals einen Ring aus kulinarischen Angeboten.
Gleiche Chancen für alle
Ein Fest-Festival wird angestrebt. Denn, so betonte der scheidende OB Jürgen Zieger, Feste hätten eine gesellschaftsbildende, stadtgestalterische Funktion und müssten das „Wir“-Gefühl stärken. Zu diesem neuen „Wir“ gehört auch, dass die „Zwiebelfest“-Querelen um den klar festgelegten, engen Zirkel an Veranstaltern und Teilnehmern der Vergangenheit angehören. Das neue Sommerfest, so Michael Metzler, wird unter Federführung der Stadt auf die Beine gestellt, und es gelten die klar definierten, klar vorgeschriebenen Vergaberichtlinien. Das Wettbewerbsverfahren garantiere faire Teilnahme-Chancen und gleiche Zugangsvoraussetzungen. Auch der immer noch bedrohliche Parameter Corona soll das „Estival Esslingen“ nicht infizieren. Im Januar oder Februar des kommenden Jahres werde eine Grundsatzentscheidung über die Durchführung getroffen. Schließlich sei das Event auch mit Kosten, Aufwand und der Bindung von Arbeitskraft verbunden. Die Ausgaben beziffert er mit etwa 200 000 Euro pro Jahr, die durch Sponsoren, die Standmieten während des Festes und einen Zuschuss der Stadt in Höhe von 50 000 Euro zusammenkommen sollen. Geld, das seiner Ansicht nach gut angelegt ist. Denn für die Veranstaltung gelte: „Wir sind in der Region verwurzelt und in der Welt zu Hause.“
Das „Estival Esslingen“ im Überblick
Die Termine
Das „Estvial Esslingen“ wird von Freitag, 29. Juli, bis Mittwoch, 10. August, täglich von 11.30 bis 23 Uhr, an den Wochenenden bis 24 Uhr rund um den Marktplatz erstmals und unter Regie der Stadt über die Bühne gehen. Der Name ist ein Kunstwort aus „Esslingen“ und „Festival“ und soll auch auf den kulinarischen Aspekt hinweisen.
Nachhaltigkeit
Neben der „Regionalität“ ist der ökologische Aspekt ein Stichwort in der Planung. Laut Michael Metzler orientieren sich die Veranstalter an den Kriterien des nachhaltigen Eventmanagements des Umweltbundesamtes. Es gibt kein Einweggeschirr oder Plastik, nur Öko-Strom kommt zum Einsatz, das Werbematerial wird CO2-neutral gedruckt.
Die Wirte
Die Esslinger Gastronomen sind laut Michael Metzler seit 2019 miteingebunden. Interessierte können sich ab Samstag, 13. August, mit ihrem Laubenkonzept um eine Teilnahme bei der städtischen Esslinger Markt und Event GmbH (EME) als Veranstalterin bewerben. Die ausgewählten Wirte werden im Februar 2022 bekannt gegeben.