Feine Sahne Fischfilet in der Porsche-Arena Ein gutes Statement

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Die Band Feine Sahne Fischfilet hat am Samstag in der Stuttgarter Porsche-Arena gespielt. Trotz wachsamer Sicherheitsbedingungen gab es in erster Linie ein feines Konzert.

Mächtige Performance: Jan „Monchi“ Gorkow beim Stuttgarter Konzert Foto: Lichtgut/Julian Rettig 8 Bilder
Mächtige Performance: Jan „Monchi“ Gorkow beim Stuttgarter Konzert Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Keine besonderen Vorkommnisse: ist das jetzt ein gutes oder ein schlechtes Zeichen für ein Konzert? Im Falle der mecklenburg-vorpommerschen Band Feine Sahne Fischfilet erst einmal ein gutes. Am Samstagabend in der Stuttgarter Porschearena gibt es an den Einlasskontrollen Dienst nach Vorschrift, keinerlei Beunruhigung und erst recht passieren nicht so schlimme Dinge wie jüngst die Bombendrohung beim Chemnitzer Konzert der Band.

Das ist in erster Linie und sehr berechtigt beruhigend. Denn dass ein Konzert von Andersdenkenden torpediert werden kann: das darf in Deutschland nicht sein. Auch so gesehen ist dieser Auftritt also gut und richtig. Das eigentlich in den Wagenhallen angesetzte Konzert ist in die Porschearena hochverlegt worden. Den Grund dafür haben die Veranstalter schon vor Wochen gegenüber unserer Zeitung benannt: die mangelnde Besucherkapazität sowie die unzureichenden Bedingungen im Backstagebereich des sanierten Veranstaltungsorts. Das hat sich definitiv als richtig erwiesen. Die Sitztribünen an den Seiten der Porschearena sind abgehängt, unten auf den Stehrängen ist die Halle aber proppenvoll.

Dass die Sitzplätze abgehängt bleiben, war von vornherein klar, hat dazu am Sonntag im Nachhinein Matthias Mettmann gesagt, der Geschäftsführer des Konzertveranstalters, der Stuttgarter Agentur Chimperator. 3300 Besucher sind gekommen, das ist eine stattliche Zahl. Auf die Frage, ob besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sind, reagiert er mit den Worten, dass er darum eigentlich kein größeres Bohei machen möchte. „Wir waren einfach gut vorbereitet“, sagt Mettmann, er erwähnt noch, dass sich der Veranstalter mehr Gedanken als üblich gemacht habe, es aber auch wirklich keinerlei besondere Vorkommnisse gegeben habe.

Ordentlich heruntergespielter Punkrock der alten Schule

Die Musik der Band ist zur Zeit schwer angesagt, der – unverschuldete – Hype um das abgesagte Konzert im Dessauer Bauhaus hat sein Übriges getan, auch daher ist der Zuschauerzustrom nachvollziehbar.

Das Konzert selbst gestaltet die Band sehr ordentlich und, wenn man das so sagen darf, auch ohne weitere Zwischenfälle. Der Sänger Jan „Monchi“ Gorkow würzt es mit jeder Menge politisch korrekte Ansagen, die Band serviert dazu ordentlich heruntergespielter Punkrock der ganz alten Schule.

„Feine Sahne Fischfilet klingt nach gut abgehangenem westdeutschem Punkrock aus den achtziger Jahren“, erwähnte unsere Zeitung jüngst bei einem Interview mit „Monchi“ Gorkow en passante. „Ich bin Jahrgang 1987 und aus Ostdeutschland“, antwortete Gorkow darauf selbstbewusst. Auch damit hat er selbstverständlich Recht, umso mehr verwundert, dass Feine Sahne Fischfilet so heftige Aggressionen entgegenschlagen. Deutsche Punkbands aus den Achtzigern, genannt seien nach Belieben Toxoplasma, Canalterror oder die bis heute fortexistierenden Slime, hatten weitaus drastischere Verse im Repertoire, sie wurden natürlich als linksextremistisch gebrandmarkt, aber dass es um sie näheres öffentliches Aufheben gegeben hätte? Nö.

Knapp zwei Stunden lang rackert sich die Band seelenruhig durch ihr Repertoire

Die Band rackert sich seelenruhig durch ihr Repertoire, knapp zwei Stunden lang, bei allen etwaigen Bedenken im Vorfeld kommt einem die Musik trotz – wir reden nun einmal von Punkrock – der ihr innewohnenden Härte wie ein langsamer, ruhiger Fluss vor. Die Stimmung im Saal ist prima, alles also bestens. Was bleibt, ist das Unbehagen darüber, dass ein ganz normales Konzert einer Band überhaupt ein Politikum darstellt.

Diese Frage muss man stellen. Allerdings weder an die Zuschauer noch an die deutsche Zivilgesellschaft. Die Band hat mit den Vorwürfen zu leben, sich vielleicht nicht immer mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt zu haben. Einige Andersdenkende sollten indes nachdenken, wo die Grenzen der Toleranz liegen. Neben einem guten und hörenswerten Konzert ist es auch deshalb gut, dass die Band Feine Sahne Fischfilet dieses Konzert gegeben hat.