Feinkost in Grafenau-Döffingen „Es wird immer Menschen geben, die sich gerne mal etwas gönnen“
Das Thema Feinkost in Grafenau-Döffingen trotzt Inflation: Die Knapp Gourmetinsel zieht Jung und Alt an. Was steckt hinter dem kleinen Laden?
Das Thema Feinkost in Grafenau-Döffingen trotzt Inflation: Die Knapp Gourmetinsel zieht Jung und Alt an. Was steckt hinter dem kleinen Laden?
Ein wenig versteckt im unscheinbaren Industriegebiet von Grafenau-Döffingen, fast wie ein gut gehütetes Geheimnis, liegt die Gourmetinsel Knapp. Nur ein Schriftzug an dem Gebäude verrät, dass sich darin feinste Lebensmittel verbergen. Es ist eher ein Ort für Stammkunden – und keiner für die breite Masse. Das liegt allein schon an den Produkten, die hier angeboten werden.
Feinkost ist schließlich eher ein Nischengeschäft – schon allein aufgrund der Preisklasse, in der sich viele der Produkte bewegen. Dessen ist sich auch Geschäftsleiterin Finka Knapp-Wähner bewusst. „Natürlich haben wir auch Kunden, bei denen Geld keine Rolle spielt – aber das ist nur ein Teil“, sagt die 55-Jährige. Möge es auch ein Nischengeschäft sein – auch in der Gourmetinsel spüre man im Kleinen die Auswirkungen steigender Lebenshaltungskosten und Inflation.
Manche Kunden würden mittlerweile nur noch einmal pro Woche, statt wie früher mehrmals, vorbeikommen, andere statt 500 Gramm Hackfleisch nur noch 300 Gramm kaufen. Sorgen um die Zukunft des Ladens macht sich Knapp-Wähner aber trotzdem nicht. „Es wird immer Menschen geben, die sich gerne mal etwas gönnen.“
Das Sortiment reicht von regionalem Fleisch und Fisch bis zu internationalen Spezialitäten, darunter japanisches Wagyu, das oft als „Kaviar unter den Steaks“ bezeichnet wird, neuseeländisches Lammfleisch oder Papageifisch aus dem Indischen Ozean. Dazu kommen Feinkostprodukte wie Wurst, Käse, Brot, Essig, Öl, Pestos, Soßen und handgefertigte Süßigkeiten.
Ein echter Kunden-Favorit bei der Gourmetinsel sind und bleiben jedoch die Qualitätsmaultaschen. „Die sind immer sehr schnell weg“, sagt Knapp-Wähner und lacht. Das regionale Produkt wird nach einer bestimmten Rezeptur hergestellt, das anscheinend den Geschmack vieler Menschen trifft.
Ihre Zielgruppe, die lasse sich gar nicht so leicht eingrenzen, sagt die 55-Jährige. „Früher waren das hauptsächlich Menschen im höheren Alter“, springt Genni Postiglione, der stellvertretende Store Manager der Gourmetinsel ein. „Aber in den letzten Jahren hat sich das verändert. Es kommen auch immer mehr junge Leute zu uns. Man merkt deutlich, dass der Trend hin zu bewusster Ernährung geht.“ Häufig werde der Einkauf in der Gourmetinsel dabei regelrecht als Erlebnis zelebriert – genauso wie das darauffolgende Zubereiten der Zutaten. „Manchmal schicken uns Kunden Bilder von ihren Gerichten, die sie mit unseren Produkten gezaubert haben. Das sieht dann aus wie im Restaurant.“
Allzu lange gibt es die Gourmetinsel noch nicht. Erst 2019 hat sie eröffnet. Schon damals, als die Firma Knapp noch ein reiner Großhändler war, sei von verschiedenen Stellen immer wieder die Frage aufgekommen: „Kann ich hier auch privat einkaufen?“ 2015 wagte man schließlich ein Experiment und öffnete am Samstag für wenige Stunden die Lagerhalle, um Privatkunden zu bedienen. „Schon bald bildete sich da regelmäßig eine Schlange vor den Hallentüren“, erinnert sich Knapp-Wähner und schüttelt erstaunt den Kopf. Doch es sollte noch einige Jahre dauern, bis man sich entschloss: Wir bauen einen eigenen Laden.
„Viele Kunden sind überrascht, wenn sie unser Geschäft betreten, sagen, dass sie so was gar nicht erwartet hätten, hier, mitten im Industriegebiet“, erzählt Knapp-Wähner. Claudia Haupt nickt. Die 50-Jährige ist seit ein paar Jahren für das Marketing der Firma zuständig. „Die Gourmetinsel hat im Kreis noch gar nicht so eine breite Bekanntheit erreicht, wie wir gerne hätten, wir sind immer noch eher ein Geheimtipp“, sagt sie. Man wolle in Zukunft darüber nachdenken, eine größere Kampagne zu starten, um neue Zielgruppen zu erschließen.
Aber auch so, allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda, kann man sich in Döffingen nicht über zu wenig Besucher beschweren. Mittlerweile habe sich freitagabends sogar schon ein inoffizielles After-Work-Event etabliert, verrät Knapp-Wähner. „Dann finden sich Kunden hier an unserer Bar ein und tauschen sich über Weine und Essen aus. Das hat sich hier zum echten Treffpunkt gemausert.“
Anders als der Einkauf bei einer Supermarktkette lege man bei der Gourmetinsel vor allem viel Wert auf persönliche Beratung und ein einzigartiges Einkaufserlebnis. Beim Einkauf selbst könne man sich zum Beispiel jederzeit ein Gläschen Champagner oder einen Espresso gönnen.
Und das Angebot zur persönlichen Beratung wird in der Gourmetinsel von vielen Kunden angenommen. „Ich werde häufig um Rat gefragt, wie man bestimmte Fleischsorten am besten zubereitet. Da gibt es ja inzwischen so viele moderne Methoden“, sagt Postiglione. Der neueste Trend: das sogenannte „Rückwärtsbraten“. Bei dieser Methode geht das Fleisch zunächst in den Ofen und wird erst danach angebraten, statt wie üblich zuerst scharf angebraten zu werden.