Die Gefahr durch gesundheitsschädlichen Feinstaub am Neckartor ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. An 91 Tagen sind die Grenzwerte überschritten worden – zum Teil um mehr als das Doppelte.

Stuttgart - Feinstaub ohne Ende: 2013 ist am Neckartor in Stuttgart die Gefahr durch gesundheitsschädliche Partikelkonzentrationen wieder erheblich gestiegen. An Deutschlands schmutzigster Kreuzung waren die Werte im vergangenen Jahr mit 91 Tagen über dem Grenzwert weit öfter überschritten als in den Vorjahren 2012 (78) und 2011 (89). Erlaubt sind nur 35 Tage im Jahr über dem Limit von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Auch im Umland herrscht dicke Luft: In der Hohenstraße in Fellbach, der Friedrichstraße in Ludwigsburg und der Grabenstraße im Markgröningen lagen die Partikelkonzentrationen an 39, 37 und 52 Tagen über dem gesetzlichen Limit.

Bereits im Herbst deutete sich an, dass die Werte am Neckartor über denen des Vorjahres liegen würden. Das bestätigte sich im Dezember, als die Landesanstalt für  Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) bekanntgab, dass die Luft bis zum 10. Dezember schon an 82 Tagen zu schadstoffhaltig war. Das Endergebnis für das Jahr 2013 zeigt, dass es wegen des dichten Verkehrs vor Weihnachten noch einmal ganz dick gekommen ist: Zwischen dem 9. und 20. Dezember lagen die Feinstaubwerte an elf von zwölf Tagen über dem Limit. An drei Tagen wurden mit 101, 119 und 111 Mikrogramm Konzentrationen registriert, die um mehr als das Doppelte zu hoch lagen.

Mehr als 80 000 Fahrzeuge täglich fahren am Neckartor vorbei

„Das Jahresergebnis für 2013 ist sehr hoch“, sagt Ulrich Reuter, der Leiter der Abteilung Klimatologie im Umweltamt, die Entwicklung. Als Hauptverursacher gilt für den Fachmann die hohe Verkehrsdichte. Die Messstation am Neckartor wird täglich von mehr als 80 000 Fahrzeugen passiert. Um den Feinstaubwert in die Nähe des verbindlichen Grenzwertes zu bringen, müsste das Verkehrsaufkommen laut LUBW halbiert werden.

Aber obwohl in der Umweltzone Stuttgart seit zwei Jahren nur noch Wagen mit grüner Plakette verkehren dürfen, sind immer noch viele mit gelbem Aufkleber unterwegs. Von April bis Ende 2013 haben die städtischen Kontrolleure wie berichtet mehr als 10 000 Gelbsünder mit jeweils 40 Euro und einem Punkt in Flensburg verwarnt. Die Dunkelziffer liegt laut Stadt höher, da viele Gelbsünder ihre Autos auf Firmenparkplätzen, Hinterhöfen und in Tiefgaragen verstecken dürften. „Wir beanstanden weiterhin alle Fahrzeuge mit falscher Plakette konsequent und unnach­giebig“, betont Hermann Karpf, der persönliche Referent des Ordnungsbürgermeisters Martin Schairer.

Luftreinhalteplan soll fortgeschrieben werden

Bei dem seit 2010 geltenden Durchfahrverbot für Lastwagen ist die Zahl der Verstöße gar nicht bekannt. Die Polizei hat 2013 im Stadtgebiet 1504 Lastwagen kontrolliert. Ob unter den 1200 an die Stadt übermittelten Anzeigen auch solche wegen unerlaubter Durchfahrten sind, ist nicht festzustellen. „Es gibt keine Anzeige wegen des Durchfahrverbots“, sagt Karpf. In den Anzeigen stehe nur das schwerwiegendste Delikt, etwa eine defekte Bremse.

„Die Kontrolle des Durchfahrverbots für Lastwagen und der Plaketten obliegt der Polizei und der Kommune“, heißt es im Regierungspräsidium (RP). „Um die Luftverhältnisse am Neckartor zu verbessern, sprechen wir bereits mit der Stadt über die Fortschreibung des Luftreinhalteplans“, erklärt RP-Sprecher Robert Hamm.

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