Feinstaub in der Waiblinger Straße Weniger Wind, schlechtere Luft

Die Blechlawine rollt durch die Waiblinger Straße. Foto: Achim Zweygarth
Die Blechlawine rollt durch die Waiblinger Straße. Foto: Achim Zweygarth

Die Schadstoffbelastung ist gestiegen: Im vergangenen Jahr sind an der Messstation nahe des Uff-Kirchhofs an 54 Tagen zu hohe Feinstaubwerte gemessen worden.

Bad Cannstatt: Annina Baur (ani)
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Bad Cannstatt - In Sachen Schadstoffbelastung hat das Neckartor längst bundesweit unerfreuliche Berühmtheit erlangt: An 104 Tagen – zulässig sind maximal 35 pro Jahr – ist im vergangenen Jahr dort der zulässige Tageshöchstwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten worden. Damit sei die Landeshauptstadt die am meisten mit Feinstaub belastete Stadt Deutschlands, berichtete der Autoclub ACE unter Berufung auf das Umweltbundesamt (UBA) kürzlich. Insgesamt gingen die Werte zurück, ließ daraufhin die Pressestelle der Stadt verlauten. Außerdem solle die Feinstaubbelastung mithilfe einer Pförtnerampel in stadteinwärtiger Richtung gesenkt werden.

Dieser gute Vorsatz mag für manch einen Cannstatter indes wie Hohn klingen: „Es ist erfreulich für die Menschen in Stuttgart, dass die Stadt die Menschen schützen möchte und Verkehrssicherheit, weniger Lärm und Abgase im Vordergrund stehen. Jedoch habe ich den Eindruck, dass der Schutz kurz vor Bad Cannstatt aufhört. Während an der Cannstatter Straße noch mehr Blitzer aufgefahren werden darf in der Verlängerung, der Waiblinger Straße weiter gerast werden“, schrieb Ralf Zink im Oktober 2011 in einem Leserbrief an die Stuttgarter Zeitung.

Grenzwerte wurden an 54 Tagen überschritten

Mit 54 Tagen, an denen die zulässigen Tageswerte in 2011 überschritten worden sind, nimmt die Waiblinger Straße tatsächlich einen traurigen zweiten Platz nach dem Neckartor ein und schneidet in Sachen Luftqualität schlechter ab als etwa die Hohenheimer Straße und der Arnulf-Klett-Platz. Und die Waiblinger Straße sei nicht der einzig kritische Punkt im Stadtbezirk, sagt der Grünen-Bezirksbeirat Peter Mielert. „Meiner Meinung nach ist die Situation an der Schmidener Straße beinahe noch schlimmer.“ Dort seien es weniger die Feinstaub- als vielmehr die Stickoxid-Werte, die den Cannstatter Grünen Sorgen bereiteten. Die Straße sei nicht nur stark befahren, sondern überdies auch sehr eng und schlecht durchlüftet.

Um den Stadtbezirk von Verkehr und damit auch von Schadstoffen zu entlasten, fordere der Cannstatter Bezirksbeirat bereits seit Jahren fraktionsübergreifend eine Pförtnerampel am kleinen Ostring, um den Verkehr außerhalb der Stadt zu stauen und zu regulieren. Bisher hatte das Gremium jedoch keinen Erfolg. Entmutigen lassen will sich Mielert dennoch nicht: „Wir bringen das Thema Schadstoffbelastung schon seit vielen Jahren immer wieder aufs Tapet. Da muss etwas passieren.“ In der Waiblinger Straße wolle man allerdings eine anstehende politische Entscheidung abwarten: „Eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 40 könnte eine geeignete Maßnahme sein“, sagt Mielert. Es bleibe abzuwarten, wie in Sachen Radweg und dem damit einhergehenden Rückbau der Waiblinger Straße auf eine Spur entschieden werde (wir berichteten).

Die Wetterlage beeinflusst die Ergebnisse

Abwarten will auch die Abteilung Stadtklimatologie im städtischen Amt für Umweltschutz: „Gewisse Schwankungen sind normal“, sagt Rainer Kapp. Nach schlechten Werten in den Jahren 2004 bis 2006 sei die Waiblinger Straße eigentlich auf einem guten Weg gewesen: „Die Werte haben sich deutlich verbessert.“ 2009 habe die Messstation, die stadtauswärts kurz vor dem Uff-Kirchhof zwischen Daimler und Kreuznacher Straße angebracht ist, an 38, 2010 an 39 Tagen Grenzwertüberschreitungen registriert. „Das sind zwar zu viele, aber es ist kein Brennpunkt“, so Kapp.

54 Überschreitungstage wie im vergangenen Jahr gäben allerdings zu denken, räumt der Experte ein. Unmittelbaren Handlungsbedarf sieht er aber nicht. „Auch das Wetter beeinflusst die Ergebnisse.“ Wenig Regen, wenig Wind und stabile Hochdruckwetterlagen, wie es sie 2011 häufig gegeben habe, wirkten sich auf die Messungen ungünstig aus: „Umso weniger die Luft ausgetauscht wird, umso schlechter sind die Werte.“ Sowohl Wetterdaten als auch Verkehrszahlen müssten in den kommenden Wochen ausgewertet werden, um ihren jeweiligen Einfluss auf die Schadstoffbelastung zu untersuchen. Im kommenden Jahr müsse der Standort Waiblinger Straße dann genau beobachtet werden.




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