Feinstaub in Stuttgart Feinstaubwerte sind 2012 leicht gesunken

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Die Feinstaubwerte in Stuttgart sind 2012 ein wenig besser gewesen – vor allem, weil Fahrzeuge mit gelber Umweltplakette nicht mehr in die Stadt dürfen. Die Partikelkonzentration liegt an der Messstation am Neckartor aber immer noch weit über dem Grenzwert.

Die Luft am Neckartor ist besser geworden. Die Grenzwerte werden aber dennoch zu häufig überschritten. Foto: Martin Stollberg
Die Luft am Neckartor ist besser geworden. Die Grenzwerte werden aber dennoch zu häufig überschritten. Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Das feinstaubumwehte Neckartor ist im vergangenen Jahr etwas sauberer geworden. Die Messstation, die täglich von mehr als 80 000 Fahrzeugen passiert wird, registrierte im vergangenen Jahr 78 Tage mit zu hohen Feinstaubwerten – elf weniger als 2011.

„Das zum 1. Januar 2012 in Kraft getretene Fahrverbot für Fahrzeuge mit gelber Plakette hat sich ausgezahlt“, sagt Ulrich Reuter, Leiter der Klimatologie im städtischen Umweltamt. Auch die im Vergleich zu 2011 günstigeren Wetterverhältnisse und der technische Wandel bei den Fahrzeugen hätten zu dem Rückgang der Feinstaubpartikel beigetragen. Auch das Durchfahrverbot für Lastwagen habe sich positiv ausgewirkt. Inzwischen dürften in Stuttgart nur noch Wagen mit grüner Plakette fahren. Mit 38 Mikrogramm je Kubikmeter Luft liegt der Jahresmittelwert für Feinstaub am Neckartor deshalb zum ersten Mal knapp unter dem gesetzlichen Limit von 40 Mikrogramm.

Experten sehen noch keinen Grund für Entwarnung

Für Entwarnung gibt es aus Sicht des Experten allerdings keinen Grund. „Wir liegen aber immer noch um mehr als das Doppelte über dem Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft“, betont Reuter. Dieser Wert dürfe höchstens an 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Das Schadstoffniveau sei aber lange nicht mehr so hoch wie früher. Im Jahr 2005 sei die Luft am Neckartor noch an 187 Tagen zu feinstaubhaltig gewesen, zwischen 2007 und 2010 hätten sich die Werte im Schnitt stets leicht über oder unter der Hunderter-Marke eingependelt.

„Jetzt liegen wir da deutlich darunter“, betont der Klimatologe. In den Hauptverkehrsschneisen sei die Belastung mit den feinen Rußpartikeln allerdings immer noch viel zu hoch. „Weiter abseits ist die Luftqualität aber deutlich besser“, so Reuter. Bei der letzten Bürgerumfrage hätten 54 Prozent der Befragten die Luftqualität in ihrem Wohnumfeld für „gut“ und lediglich 12 Prozent für „schlecht“ befunden.

Tempolimit wird von vielen Autfahrern ignoriert

Beim Stickoxid gingen die Messwerte an der Hohenheimer Straße leicht zurück. In den vergangenen zwölf Monaten lagen dort 195 Ein-Stunden-Werte über dem Limit vom 200 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. „Im Jahr 2011 waren es 269 überhöhte Werte“, so Reuter. Aber trotz dieser Rückgang liege man noch weit über der vom Gesetzgeber gesetzten Grenze. „Der Stick­oxidwert darf seit 2010 nur noch 18-Mal im Jahr überschritten werden“, sagt Reuter. Um den Schadstoffausstoß zu senken, gilt seit Mitte Dezember in der Hohenheimer Straße zwischen Olgaeck und Ernst-Sieglin-Platz Tempo 40. Bis jetzt gibt es allerdings die Erkenntnis, dass zahlreiche Autofahrer den Fuß nicht vom Gaspedal nehmen. Deshalb wird es dort künftig regelmäßige Tempokontrollen geben.

OB Kuhn setzt auf Parkraummanagement

Ein stärkeres und wirkungsvolleres Maßnahmenpaket gegen die Feinstaub- und Stickoxidschwaden will der neue Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) im Sommer vorstellen. Darunter dürfte auch ein Konzept für ein auf die gesamte Innenstadt erweitertes Parkraummanagement mit Stellplätzen für Bewohner sein. Auf der B 14 zwischen Schwanentunnel und Neckartor sollen noch im Sommer dynamische Tempoanzeigen den Autofahrern eine Geschwindigkeit zwischen 40 und 50 Kilometer in der Stunde empfehlen, um in einer grünen Welle über die Kreuzung am Neckartor rollen zu können. Mit EU-Mitteln soll diese grüne Welle bis zum Österreichischen Platz verlängert werden.

„Der Schadstoffrückgang ist nur punktuell, es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, betont OB Fritz Kuhn. „Deshalb arbeiten wir an einem Gesamtkonzept.“

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