Mehr Messstationen sollen den Feinstaub in Stuttgart deutlicher aufzeigen. Zum Jahreswechsel ist an der Hauptstätter Straße zwischen Paulinenstraße und Marienplatz eine neue Messstation offiziell in Betrieb gegangen. Das Land erwartet dort Werte wie am Neckartor.

Stuttgart - Bereits vor dem Feinstaubalarm in der vergangenen Woche hat das Land messtechnisch aufgerüstet: Zum Jahreswechsel ist an der Hauptstätter Straße zwischen Paulinenstraße und Marienplatz eine neue Messstation offiziell in Betrieb gegangen. Diese soll die Feinstaub- und Stickoxidbelastung an einem weiteren Punkt auf der stark befahrenen B 14-Achse zwischen Heslacher Tunnel und Schwanentunnel zu messen. „Wir erwarten dort ähnliche Werte wie am Neckartor“, betont Günter Mezger, Leiter der Abteilung Luftqualität im Verkehrsministerium.

Bei der Stadt wird dieser Schritt begrüßt. „Die Schadstoffwerte sind nicht nur am Neckartor zu hoch“, betont Ulrich Reuter, Leiter der Klimatologie im Umweltamt. Modellrechnungen hätten gezeigt, dass die Luftbelastung auf rund acht Kilometern stark befahrener Straßenabschnitte in der Landeshauptstadt auf einem vergleichbar hohen Niveau liege. Das könne nun überprüft werden.

Tagesaktuelle Werte nur vom Neckartor

Tagesaktuelle Feinstaubwerte aus der Hauptstätter Straße kann Reuter nicht bieten. Auch von den Messpunkten Hohenheimer Straße und Arnulf-Klett-Platz gebe es diese nicht. Deren Ergebnisse lägen wegen der genaueren gravimetrischen Auswertung erst drei bis vier Wochen später vor.

Wie bereits berichtet, wurde der Feinstaubalarm auf freiwilliger Basis in der vergangenen Woche nach der vorläufigen Einschätzung von Stadt und Land nur von „etwa drei Prozent“ der Autofahrer befolgt. Die aktuellen Messungen am Neckartor ergaben an den fünf Tagen Werte zwischen 89 und 141 Mikrogramm je Kubikmeter Luft. Sie lagen damit an jedem Tag weit über dem zulässigen Limit von 50 Mikrogramm. Im Schnitt lag der Feinstaubpegel in der vergangenen Woche von Montag bis zum Ende des Alarms am Freitag täglich bei knapp 110 Mikrogramm. Am vergangenen Wochenende mit „luftigerem“ Wetter und weniger Verkehr blieben die Tageswerte mit 43 (Samstag) und 30 Mikrogramm (Sonntag) unter dem Grenzwert.

Es gehe zwar vor allem um winzige Staubpartikel, betont Reuter. Mit dem Alarm solle aber auch der Schadstoff Stickstoffdioxid (NO2), der große Probleme bereite, gesenkt werden. „Der Alarm ist auch eine Maßnahme zum notwendigen Abbau von Stickoxid“, sagt Reuter.

Der städtische Fachmann verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass nicht nur der viel beachtete Feinstaub-Tageswert am Neckartor zu oft zu hoch sei. Auch die NO2-Jahreswerte lägen dort sowie an den Messpunkten Arnulf-Klett-Platz und Hohenheimer Straße seit 2004 mit 60 bis 90 Mikrogramm weit über dem zulässigen Jahreslimit von 40 Mikrogramm.

Stickoxidbelastung ist seit 2004 kaum zurückgegangen

„Nur an der für die Messung der städtischen Hintergrundbelastung vorgesehenen Station Gnesener Straße in Bad Cannstatt liegt die NO2-Jahreskonzentration knapp darunter“, so Reuter. Besonders problematisch sei, dass die Stickoxidbelastung seit 2004 kaum zurückgegangen sei, obwohl inzwischen praktisch alle Fahrzeuge in der Stadt mit einer grünen Umweltplakette unterwegs seien.

Die Stuttgarter SPD hat nach dem Ende des ersten Feinstaubalarms einen besseren Nahverkehr eingefordert. „Es hat sich gezeigt, dass der auf Freiwilligkeit beruhende Appell nur in sehr geringem Maße genutzt worden ist“, so der Kreisvorsitzende Dejan Perc. Um die Gesundheit der Bürger zu schützen, müsse der Verkehr in deutlicherem Umfang gesenkt werden. Offenbar gebe es bei vielen Berufspendlern noch Hemmungen, auf den Nahverkehr umzusteigen.

„Deshalb wären stärkerere Anreize sinnvoll“, so Perc. Während eines Feinstaubalarms sollten die Nachverkehrstickets zum Kinderpreis abgegeben werden. Die VVS-Stammkunden mit Monats- und Jahreskarten könnten eine entsprechende Gutschrift erhalten. „Auch ein Aktionstag mit kostenlosem Nahverkehrsangebot ist denkbar“, so der SPD-Kreisvorsitzende, der keine Vorschläge zur Finanzierung seiner Pläne unterbreitete.

Die SSB wollen auch beim nächsten Feinstaubalarm die Haltestelle Neckarpark zum Umstieg auf die Stadtbahnlinie U 11 anbieten. In der vergangenen Woche habe es eine allmähliche Zunahme der Fahrgäste gegeben. Das Umdenken dauere aber erfahrungsgemäß länger.