Felderrundfahrt in Filderstadt Bauern heizen Verwaltung und Gemeinderat ein

Bei der Felderrundfahrt in Sielmingen brachte Obmann Markus Bauer (hinten in der Mitte) vor allem den drohenden Flächenverbrauch zur Sprache. Foto: Otto-H. Häusser
Bei der Felderrundfahrt in Sielmingen brachte Obmann Markus Bauer (hinten in der Mitte) vor allem den drohenden Flächenverbrauch zur Sprache. Foto: Otto-H. Häusser

Bei der Felderrundfahrt in Sielmingen brannte nicht nur die Sonne. Obmann Markus Bauer heizte mit seiner Kritik an einer Umfahrung Sielmingen und am Räumlichen Leitbild zusätzlich ein.

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Sielmingen - Das schöne Wetter kam den Sielminger Landwirten am Montag gerade recht. Schließlich stand die alljährliche Fahrt zu den Feldern an, bei der der Zustand der Frucht begutachtet wird.

Außerdem werden aber auch politische Themen angesprochen, die den Landwirten unter den Nägeln brennen. Obmann Markus Bauer nahm dabei kein Blatt vor den Mund und machte deutlich, dass die jüngsten Entscheidungen des Gemeinderats zur Umfahrung Sielmingen und zum Räumlichen Leitbild Filderstadt den Bauern gar nicht geschmeckt haben.

Durch eine Ost-Umfahrung würden die Felder zerschnitten und die Äcker wären schlechter erreichbar, sagte der Obmann, der betonte, dass er im Namen des Landwirtschaftlichen Ortsvereins spreche. „Landwirtschaft hat auch etwas mit Wirtschaft zu tun“, sagte er. Man müsse mit anderen Betrieben in anderen Regionen konkurrieren. Falls die Umfahrung gebaut würde, „wäre dies fast ein Genickschuss für die Landwirtschaft“.

„Fläche so groß wie Sielmingen“

Auch das vom Gemeinderat verabschiedete Räumliche Leitbild wurde von Bauer scharf kritisiert. Durch die mögliche Bebauung seien 138 Hektar Land in Gefahr. „Das ist eine Fläche so groß wie Sielmingen“, sagte der Obmann der Landwirte. Der Gemeinderat hätte nach seiner Ansicht einen maximalen Landverbrauch vorgeben müssen. „Selbst hundert Hektar sind noch zuviel.“

Wie viel Fläche gebraucht werde, konkretisiere sich bei den Beratungen zum Flächennutzungsplan, antwortete Bürgermeister Reinhard Molt. Das Thema werde bei fünf Stadtteilversammlungen ausführlich besprochen. Bezüglich der Umfahrung Sielmingen habe der Gemeinderat nur einen Prüfungsauftrag erteilt. Wenn, dann könne sie nur im Tunnel gebaut werden. Im Übrigen stehe diese Option nur dann zur Debatte, wenn der Ausbau der B 27 mit einem anschließenden Tunnel von Degerloch nach Gablenberg trotz des hohen Nutzen-Kosten-Faktors von 4,9 nicht realisiert werde.

Obmann Markus Bauer bezweifelte, dass eine Umfahrung Sielmingen im Tunnel finanziert werde. „Das kommt nie“, sagte er. Schließlich werde nicht einmal die S-Bahn-Trasse beim Sielminger Wohngebiet Alemannenstraße in den Tunnel gelegt. Schützenhilfe in Sachen Umfahrung erhielt Bauer von Stadtrat Matthias Weinmann (FW). Er befürchtet, dass durch den Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats die Ausbauchancen für die B 27 verschlechtert wurden.

OB setzt auf Untersuchung

Oberbürgermeister Christoph Traub, der nach der Felderrundfahrt die anschließende Versammlung im Gasthaus Hahnen besuchte, betonte erneut, dass das Räumliche Leitbild nur Leitplanken vorgebe. In Sachen Umfahrung müsse eine Entscheidung auf Grundlage der neuen Untersuchung herbeigeführt werden. Dabei sei zu bedenken, dass den betroffenen Sielminger Bürgern erklärt werden müsse, auf welchen Straßen die künftigen Fahrgäste zum geplanten S-Bahnhof kommen. „Es gibt bisher noch keinen Baubeschluss für eine Umfahrung“, beruhigte der Oberbürgermeister die Landwirte. Schließlich bestätigte er ihnen ihre Bedeutung für die Stadt. „Die Landwirte sind aus Filderstadt nicht wegzudenken“, sagte Traub.




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