Felderrundfahrt in Weilimdorf Landwirte ernten Anerkennung für ihre Arbeit

Die Karawane macht Station an Christian Hörnles Obstplantagen. Ortsobmann Konrad Ritz (vorne) berichtet, wie sein Weizen dasteht. Foto: Leonie Hemminger
Die Karawane macht Station an Christian Hörnles Obstplantagen. Ortsobmann Konrad Ritz (vorne) berichtet, wie sein Weizen dasteht. Foto: Leonie Hemminger

Bauern der örtlichen Höfe haben bei der Felderrundfahrt über Weilimdorfs Wiesen und Äcker darüber berichtet, wie es um die diesjährige Ernte bestellt ist.

Nordrundschau: Leonie Hemminger (lem)

Stuttgart-Weilimdorf - Bei der Felderrundfahrt über Weilimdorfs Wiesen und Äcker kommt jedes Jahr ein wenig Klassenfahrt-Stimmung auf. Dann treffen viele jener Menschen aufeinander, die sich im Stadtbezirk beruflich oder ehrenamtlich engagieren, sie verbringen ein paar Stunden zusammen auf Heuballen sitzend in ruckelnden Traktoranhängern und haben mal ganz unbürokratisch eine gute Zeit miteinander draußen im Grünen und an der frischen Luft. Nebenbei erfahren sie von den Weil­imdorfer Landwirten, wie es um die diesjährige Ernte bestellt ist. So auch wieder am vergangenen Montag, als sich die Karawane bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg machte.

„Wir haben ein besonderes Jahr mit einem November-Mai“, sagte der Obstbauer Christian Hörnle mit Blick auf den verregneten und wenig sonnenreichen Wonnemonat. Die Erdbeerernte sei zwei bis drei Wochen später dran als normalerweise; erst im Juni habe mit dem Pflücken begonnen werden können. „Aber zum Glück hatten wir keinen Bodenfrost. Wir sind also mit einem blauen Auge davongekommen“, so Hörnle. Der Ertrag sei in Ordnung. Die späten Sorten könnten nun noch zwei bis drei Wochen lang geerntet werden.

„Vom Wasserhaushalt her steht es Spitz auf Knopf“

Mit seinen Äpfeln ist Hörnle sehr zufrieden. „Denen hat’s gut gefallen, dass es während der Blüte nicht so heiß war.“ Anders sieht es bei den Kirschen aus: Viele Früchte fallen dieses Jahr frühzeitig vom Baum. Das sei auf die sogenannte Röteln-Krankheit zurückzuführen, die bei nass-kaltem Frühjahrswetter häufig auftrete. Von dem feuchten Jahresbeginn sei mittlerweile jedoch nichts mehr zu spüren: „Vom Wasserhaushalt her steht es Spitz auf Knopf“, sagte der Obstbauer. Er müsse stets aufpassen, dass die Bäume ausreichend versorgt seien. Vergangene Woche zum Beispiel habe es bis Samstagmittag nur drei Liter geregnet. „Da kommt fast nichts an bei den Wurzeln.“

Konrad Ritz, der Ortsobmann der Weil­imdorfer Bauern, erklärte, dass in diesem Jahr die Winterkulturen gut dastehen würden, während die Frühjahrssaat Sorgen bereite. „Das ist genau umgekehrt wie im vergangenen Jahr“, sagte Ritz. Weizen und Raps würden gut aussehen, seien allerdings drei bis vier Wochen später dran. „Das Gefährlichste, was jetzt kommen könnte, wäre eine große Hitze vor der Ernte.“ Denn wegen des feuchten Frühjahrs seien die Wurzeln nicht besonders stark ausgebildet.

Beim Weizen sind die Bauern auf einem guten Weg

Beim Stopp an einem Maisfeld erklärte Martin Walter, der beim Landratsamt Ludwigsburg für den Fachbereich Landwirtschaft zuständig ist, dass die etwa zwanzig Zentimeter hohen Pflänzchen eigentlich schon doppelt so groß sein müssten. Teilweise hätten sie erst Mitte Juni gepflanzt werden können. „Mais braucht sehr viel Wärme, die hat bis Ende Mai völlig gefehlt“, erklärte Walter. Wie der Mais gedeihe, bleibe abzuwarten, „aber wir bekommen sicher nicht so einen guten Ertrag wie letztes und vorletztes Jahr“.

Beim Weizen hingegen seien die Bauern auf einem guten Weg: „Noch ist zwar nichts in der Scheune, aber wenn es gut läuft, könnte es ein Rekordjahr geben“, sagte Walter. Die drei heißen Tage im Juni hätten Ährenpilzen den Garaus gemacht. Aktuell liege der Weizenpreis an der Börse bei etwa 18,70 Euro pro 100 Kilogramm mit Tendenz zu 17 Euro. „Das sind etwa 25 Prozent weniger als im Vorjahr. Eine Zwei sollte schon vorne stehen“, sagte Walter.

Der Bauer Joachim Ludmann nutzte die Felderrundfahrt, um ein ganz anderes Problem anzusprechen: „Wenn wir mit der Feldspritze unterwegs sind, zeigen uns viele Leute den Vogel.“ Ludmann betonte jedoch, dass er nur dann spritzen würde, wenn es unumgänglich sei, schließlich koste dies „einen Haufen Geld“. „Uns wär’s lieber, wir müssten nicht spritzen. Aber laut EU-Vorschriften müssen wir einen Weizen liefern, der pilzfrei ist.“

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