Feldrundfahrt in Möhringen Die Ernte kommt, doch die Wege sind versperrt
Neben der aktuellen Trockenheit machen den Möhringer Bauern zahlreiche Verkehrshindernisse das Leben schwer. Besonders eine Baustelle erregt den Unmut der Landwirte.
Neben der aktuellen Trockenheit machen den Möhringer Bauern zahlreiche Verkehrshindernisse das Leben schwer. Besonders eine Baustelle erregt den Unmut der Landwirte.
Trockenheit und Hitze machen den Möhringer Bauern derzeit wie allen anderen Landwirten in der Region mächtig zu schaffen. Doch im hochverdichteten Stadtraum stehen die Landwirte noch vor ganz anderen Herausforderungen – insbesondere während der Erntezeit.
Ein Traktor, zwei Anhänger – gelb ist er nicht, aber hoch auf dem Wagen sitzen am Mittwoch die mehr als 30 Teilnehmer der Felderrundfahrt, die der Landwirtschaftliche Ortsverein Möhringen in diesem Jahr kurz vor Erntebeginn anberaumt hat, gleichwohl. Der lange Trecker-Zug und seine menschliche Ladung ziehen im dichten Möhringer Stadtverkehr die Aufmerksamkeit auf sich. Die meisten Autofahrer reagieren auf das ungewöhnliche Verkehrshindernis mit Humor. Einige winken freundlich.
Am Lautlinger Weg kommt der Tross zum ersten Mal auf der Tour ungeplant zum Stehen. Nichts geht mehr. Ein Lastwagen versperrt an der Baustelle für das „Hochwasserrückhaltebecken Möhringen/Sindelbach“ die Durchfahrt über den landwirtschaftlichen Weg.
Matthias Brodbeck hat die Stelle als aktuelle eines der größten von vielen Hindernisse ausgemacht, die den Möhringer Landwirten ihre Arbeit massiv erschweren. In Bezug auf die Bauarbeiten am Becken betont er, dass die Stadt zugesagt habe, dass die Durchfahrtsmöglichkeit für die Landwirtschaft mit Ausnahme von wenigen Tagen stets erhalten bliebe.
„Derzeit ist der Weg aber komplett gesperrt, weil durch die Baumaßnahme die Verkehrssicherheit nicht gewährleistet sei“, erklärt der Erste Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Möhringen. Der Lautlinger Weg und seine Fortführung sei für die elf in Möhringen existierenden landwirtschaftlichen Betriebe eine Hauptverkehrsachse. Auf ihr könnten die weit verstreut liegenden Felder diesseits und jenseits der Vaihinger Straße auf kürzestem Weg erreicht werden. Umwege über verkehrsreiche oder verstaute Hauptstraßen würden demgegenüber zu viel Zeit in Anspruch nehmen, erklärt Brodbeck. Gerade während der Ernte spielt der Faktor Zeit aber für die Landwirte eine große Rolle.
Die Felderrundfahrt vor der Ernte findet in Möhringen das erste Mal seit vielen Jahren wieder statt. Auf den beiden Anhängern sitzen Vertreter der Bauernschaft, der Stadtverwaltung, der Polizeibehörde, des zuständigen Landwirtschaftsamtes in Ludwigsburg sowie Mitglieder des Bezirksbeirats.
Am Lautlinger Weg erklärt Matthias Brodbeck weiter, dass die Landwirte zwar die beiden Zahlenschlösser an den Bauzäunen öffnen können, die die Baustelle von beiden Seiten sichern. Aber: „Vom Traktor absteigen, Schloss öffnen, Bauzaun öffnen, Durchfahren, Bauzaun schließen, Schloss schließen, Weiterfahren, auf der anderen Seite dann alles noch einmal machen – das dauert aber viel zu lange“, sagt Brodbeck, der seinen Betrieb in der Handwerkstraße hat.
Baustellen und andere Hindernisse gebe es im Möhringer Straßenraum viele. Junior-Bauer Till Brodbeck vom Ökobetrieb „Bauer Klaus“ in der Lohäckerstraße macht zudem auf die zahlreichen Konflikte zwischen landwirtschaftlichem Verkehr und Radfahrern aufmerksam. „Da erlebt man üble Sachen“, sagt der 27-Jährige, der demnächst den Hof der Familie übernehmen wird. „Rücksichtslose Radfahrer mit Kopfhörern, die den Traktor schneiden“ gebe es immer wieder. Viel befahrene Feldwege, wie am Hangrand nach Kaltental, befährt Till Brodbeck deshalb nach Möglichkeit nicht mehr.
Genau dort ist auf dem Rundkurs auch gut zu erkennen, dass Hecken und Bäume, die von privaten Gärten in die Feldwege ragen, meist nicht ausreichend zurückgeschnitten werden. Damit der Traktor ungehindert darunter durchfahren kann, müsse „das Lichtraumprofil eigentlich eine Höhe von 4,50 Meter erreichen“, so Matthias Brodbeck. Das aber gebe es aber fast nirgends.
Zum Schluss kommen die beiden Landwirte dann noch auf die aktuelle Hitzeperiode zu sprechen: Der Regen jüngst, erklärt Matthias Brodbeck, sei nicht ergiebig genug gewesen. Je nach Kultur müsse weiterhin bewässert werden. Ein Problem dabei: Die Stuttgarter Bauern bezahlten, sagt Till Brodbeck, für das Wasser denselben Preis wie gewöhnliche Haushalte. „Das ist anderen Landkreisen anders“, betont der Zweite Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbands. Dort erhielten Landwirte zum Teil „erhebliche Vergünstigungen“.