Fellbach Sechsstellige Beute bei Einbruch in Arztpraxis

Allein in der Praxis von Zahnarzt Georg Vintzileos haben die Täter dentalchirurgische Spezialgeräte im Wert von knapp 200 000 Euro erbeutet. Foto: Sascha Schmierer
Allein in der Praxis von Zahnarzt Georg Vintzileos haben die Täter dentalchirurgische Spezialgeräte im Wert von knapp 200 000 Euro erbeutet. Foto: Sascha Schmierer

Unbekannte Täter räumen Geschäftshaus „Centrum 30“ in der Stuttgarter Straße aus.

Rems-Murr: Sascha Schmierer (sas)
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Fellbach - Ein nächtlicher Einbruch im Fellbacher Wohn- und Geschäftshaus „Centrum 30“ hat unbekannten Tätern eine spektakuläre Beute beschert. Allein in einer in dem Objekt in der Stuttgarter Straße untergebrachten Zahnarztpraxis entwendeten die arbeitsteilig vor-gehenden Diebe medizinisches Spezial-gerät im Wert von knapp 200 000 Euro – von der Dentallegierung bis zum Diamantbohrer. „Die wussten genau, was wertvoll ist, und haben gezielt gesucht“, erklärte Zahnarzt Georg Vintzileos am Freitag.

Er vermutet, dass es sich um einen gezielten Einbruch einer gewerbsmäßig organisierten Bande handelt. In der Branche sind Diebstähle auf Bestellung ein Begriff, die Rede ist von vor allem aus Osteuropa anreisenden Tätern. „Wenn ich heute abend ins Internet gehe, stehen die Geräte wahrscheinlich schon drin“, sagt der 45-Jährige lakonisch.

Bereits vor drei Jahren setzten Diebe das Stemmeisen an

Auf die im Zwei-Schicht-Betrieb mit 26 Mitarbeitern arbeitende Praxis von Georg Vintzileos hatten es Einbrecher bereits vor drei Jahren abgesehen. Wenige Monate nach dem Umzug von der Cannstatter Straße ins „Centrum 30“ hatten Diebe das Stemmeisen an der Eingangstüre angesetzt. Allerdings blieb es seinerzeit bei einem Einbruchsversuch, das Schloss war für die Täter damals nicht zu knacken.

Am Freitag hingegen stellte der Praxiszugang kein unüberwindliches Hindernis dar. Allein der gestohlene Diodenlaser hat einen Wert von rund 12 000 Euro, ein 70 000 Euro teures Gerät ließen die offenbar mit Fachwissen ausgestatteten Täter hingegen stehen – bei einem eiligen Abtransport wären irreparable Schäden kaum zu vermeiden gewesen. Dafür bedienten sich die Einbrecher bei den so genannten Winkelstücken: Von den rotierenden Präzisionsinstrumenten – von dentalen Laien oft als Bohrer bezeichnet – gab es in der Fellbacher Praxis gut 50 Stück. Was mühelos in einen Rucksack passt, schlägt pro Exemplar mit etwa 900 Euro zu Buche.

Chirurgische Spezialgeräte wurden fachgerecht ausgebaut

Die Antriebsmotoren bauten die Täter laut Vintzileos fachgerecht aus, um die wertvolle Ware funktionsfähig zu halten. „Einfach rausgerissen wurde nichts“, stellt der Zahnarzt fest. Gestohlen wurden auch teure Implantate und die in der Praxis verwendeten Tablet-Computer, Fernseher und Standrechner hingegen ließen die Einbrecher offenbar bewusst stehen. Merkwürdig findet der seit 14 Jahren unterm Kappelberg arbeitende Dentist nur, dass die Täter es auch auf benutzte Praxiswäsche abgesehen hatten. Bei der Bestandsaufnahme am Freitag stellten Vintzileos und seine an den Tatort geeilten Mitarbeiter fest, dass auch drei gefüllte Wäscheboxen fehlten.

Gegen den Verdacht, von einer auf Zahnarztbedarf spezialisierten Bande heimgesucht worden zu sein, sprechen die Einbrüche in mehrere weitere Büros und Geschäfte. Wie die ersten Ermittlungen der Polizei ergaben, waren die Täter in der Nacht zum Freitag auf der Rückseite des Gebäudes auf eine Terrasse geklettert und hatten das Fenster einer Steuerberatungskanzlei aufgehebelt. In dem Büro fiel ihnen Bargeld in die Hände, vom Treppenhaus aus brachen sie neben der Zahnarztpraxis auch die Türen eines Sanitätsfachgeschäfts und eines Brautmodehändlers auf.

Der Einbruch wurde gegen 4.30 Uhr von Beschäftigten entdeckt. Schon der reine Sachschaden an Türen, Fenstern und Inventar wird von der Polizei nach einer groben Schätzung auf mehrere tausend Euro beziffert. In dem Modegeschäft wurden Brautkleider, Hochzeitsanzüge und Kinderkleidung im Wert von gut 10 000 Euro entwendet, in ähnlicher Höhe dürfte sich der Verlust von Bandagen und Stützstrümpfen aus dem Sanitätshaus bewegen.

Aus Sicht der Polizei wurde das Gebäude „ausbaldowert“

Um wie viele Täter es sich gehandelt hat und welches Fahrzeug zum Abtransport der Beute verwendet wurde, ist bisher unklar. Aus Sicht der Polizei liegt der Verdacht nahe, dass das Geschäftshaus gezielt ausgesucht und in den Tagen vor dem Einbruch ausbaldowert wurde. In der Tiefgarage und einem heimgesuchten Geschäft hatten Zeugen an zwei verschiedenen Tagen verdächtige Personen gesehen. Wer Hinweise zu den Dieben oder benutzten Fahrzeugen geben kann, soll sich unter Telefon 07 11 / 577 20 beim Polizeirevier Fellbach melden.

In der ausgeräumten Zahnarztpraxis soll der Betrieb schon am Montag weiter-gehen. Nachdem am Freitag die Termine von gut 40 Patienten abgesagt werden mussten, mühten sich die Angestellten bei Dentallabors und Fachhändlern um Ersatz fürs fehlende Inventar. „Ich kann mich ja jetzt nicht aufhängen – und außerdem sind wir versichert“, sagt Zahnarzt Vintzileos.




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