Fellbach Bodyguard gibt Tipps fürs Leben

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Michael Stahl hat als Bodyguard auf Prominente wie Dieter Bohlen und Muhammad Ali aufgepasst. An der Auberlen-Realschule gibt er den Jugendlichen Tipps fürs Leben.

Michael Stahl hat einen Draht zu den Jugendlichen. Foto: Sascha Sauer
Michael Stahl hat einen Draht zu den Jugendlichen. Foto: Sascha Sauer

Fellbach - Michael Stahl ist ein Mann der klaren Worte: „Wer morgen nach Frieden sucht, lebt heute im Krieg.“ Kapuzenpulli, raspelkurze Haare, laute Stimme – Stahl spricht vor Schülern der Auberlen-Realschule. Und die hören ihm so gespannt zu, als würde Dieter Bohlen vor ihnen stehen. Auf den Entertainer Bohlen hat Stahl übrigens mal aufgepasst. Auch Muhammad Ali und Fürstin Gloria von Thurn und Taxis beschützte er früher als Bodyguard.

Der CVJM hat den Selbstverteidigungskurs spendiert

Der CVJM Fellbach hat anlässlich seines 150-Jahr-Jubiläums der Auberlen-Realschule den Selbstverteidigungskurs spendiert. „Michael Stahl soll die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit stärken und ihnen mitgeben, dass sie wertvoll sind“, sagt CVJM-Jugendreferent Patrick Schmidt. Schulleiter Wolfgang Stindl freut sich nicht nur über das Geschenk, sondern er ist auch von dem Gast beeindruckt: „In der Aula hat Stahl 400 Schüler in seinen Bann gezogen, es war mucksmäuschenstill.“

Am Mittwochvormittag steht der Trainer für Selbstverteidigung vor rund 75 Sechstklässlern. In der Gäuäckerturnhalle gibt es Lebenstipps wie am Fließband. Dabei hält sich Stahl nicht mit umständlichem Schnickschnack auf, sondern kommt gleich zum Punkt. „Ein Lächeln ist ein Geschenk“, sagt er etwa. Deshalb dürfe das bei einer Begrüßung auch nie fehlen.

Mobbing an der Schule hat Stahl selbst erlebt

Der 44-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund. Er erzählt den Schülern, dass er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. „Mein Vater hat viel Alkohol getrunken und war gewalttätig.“ Mobbing in der Schule hat er am eigenen Leib erlebt. Dennoch hat er sich durchgebissen. Der Glaube an Jesus Christus hätte ihm dabei geholfen, erzählt er.

Selbstverteidigung hat laut Stahl nichts mit Gewaltanwendung zu tun. „Sie ist die Abwehr von Gewalt.“ Immer wieder betont er, dass er ein Gegner von Computer- und Videospielen ist. Und das klingt dann bei Stahl so: „Playstation, Xbox, Drecksbox – werft das weg.“ Das ist vielleicht nicht die feine Art sich auszudrücken, aber dafür sehr effektiv. Die Sechstklässler bleiben bei seinem Vortrag am Ball.

Der Trainer weiß, wie man Jugendliche motiviert

Immer wieder gibt es auch Spiele zwischendurch. Mal muss ein Ball schnell gefangen werden, mal dürfen die Schüler auf ein Schlagpolster eindreschen. Stahl weiß, wie man die Jugendlichen richtig motiviert. „Bei der Übung hat Boxer Vitali Klitschko nur vier von zehn Versuchen geschafft“, sagt er beispielsweise.

Der Trainer für Selbstverteidigung ist in Sachen Gewaltprävention in Schulen, Altersheimen und Gefängnissen unterwegs. Seine Botschaften wie „Gib dein Bestes!“ sind einfach und geschickt auf die Zuhörer zugeschnitten. Und wenn die Realschüler in der Gäuäckerturnhalle dann doch mal anfangen unerlaubt zu reden, überrascht sie Stahl mit einer weiteren Episode aus seinem Leben. „Ich war in 150 bis 200 Auseinandersetzungen verwickelt und wurde noch nie verletzt“, sagt er dann etwa.

Eines wird an dem Tag rasch klar: Michael Stahl hat einen Draht zu Jugendlichen. Auch bei der 13-jährigen Pemela Beganovic haben seine Worte gewirkt. „Es war so berührend, ich werde in Zukunft netter zu meinen Klassenkameraden sein.“