Fellbach Das System von innen verändern

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Thomas Krell und Markus Koch wollen gewählt werden, um die Zwangsmitgliedschaft in der IHK abzuschaffen.

Thomas Krell (links) und Markus Koch Foto: Herschmann
Thomas Krell (links) und Markus Koch Foto: Herschmann

Fellbach - Neuen Schwung, neue Ideen und „mehr Volk“ wollen Thomas Krell, Markus Koch und eine Gruppe Gleichgesinnter in die Industrie- und Handelskammer (IHK) bringen. Die beiden Fellbacher, der eine Transport- und Logistikberater, der andere in der Reisedienstbranche tätig, gehören einer Art Wahlbündnis an, das mehr Mitbestimmung und Transparenz in die Kammern bringen will.

Auf der Agenda steht die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft

57 Unternehmer und Selbstständige treten bei den Wahlen zur Vollversammlung und zu den Bezirksversammlungen der IHK als Einzelbewerber mit zehn gemeinsamen Forderungen an. Ganz oben auf der Agenda der kritischen Kandidaten stehen die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft und mehr Beitragsgerechtigkeit. Das Thema Zwangsmitgliedschaft brodelt gerade überall, sagt Thomas Krell, der mit seinen Kollegen für freie Kammerwahl eintritt. „Die Politik muss hier etwas ändern.“

Ihr Erkennungszeichen, einen stacheligen Kaktus, haben sie mit Bedacht gewählt. Sie wollen pieksen und unangenehm sein, damit die ihrer Meinung nach dringend notwendigen Veränderungen innerhalb der Institution geschehen können. Die Bewerber wollen die Industrie- und Handelskammer von innen reformieren, sie soll sich vom „Jasager-Verein und Abnick-Gremium“ in eine echte Interessenvertretung des Mittelstandes verwandeln. Bisher fühle er sich vom Verband nicht repräsentiert, sagt Thomas Krell und erzählt vom Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer in der Fellbacher Schwabenlandhalle. „Die IHK hat sich ganz klar für den Nord-Ost-Ring ausgesprochen, und mir wurde wieder mal deutlich, die Kammer arbeitet für die Großen.“

Markus Koch ist zuversichtlich, dass die Initiative Wirkung zeigt

Andere in dem Wahlbündnis, darunter Markus Koch, stießen über den Widerstand gegen das Milliardenprojekt Stuttgart 21 dazu. So steht auch Clemens Morlok auf ihrer Liste, der einst dafür gesorgt hatte, dass die IHK in Stuttgart ein Plakat pro S21 wieder abhängen musste. Allen gemein ist, dass sie den Eindruck haben, dass innerhalb der IHK „Transparenz ein Fremdwort“ ist, zu viel hinter verschlossenen Türen von einigen wenigen Mächtigen entschieden werde. „Dabei stellt der Mittelstand die Mehrheit der Mitglieder“, sagt Thomas Krell.

Markus Koch ist zuversichtlich, dass ihre Initiative Wirkung zeigt. Bei seinem „Straßenwahlkampf“ seien vor allem die Pflichtmitglieder auf ihre Themen angesprungen. „Sie haben alle das Gefühl, dass sie für ihren Mitgliedsbeitrag keine Leistungen bekommen.“

Er hat noch ein weiteres Indiz dafür. Die IHK sei in den vergangenen Tagen mächtig aktiv geworden und habe sogar ein Callcenter beauftragt, der Mitglieder zur Teilnahme an der Wahl auffordere, sagt Markus Koch, der solch einen Anruf erhielt. Offensichtlich hätten sie sich nicht die Mühe gemacht, die abtrünnigen Kandidaten aus den Anruflisten herauszustreichen. „Sie fürchten wohl, dass bei einer geringen Wahlbeteiligung, unsere Chancen besser stehen.“

Noch bis zum 25. September dauern die Wahlen

Der Esslinger Unternehmensberater Thomas Albrecht ist bisher der einzige aus den Reihen der Kritiker, der bereits in der Vollversammlung der IHK einen Sitz hat. Das soll sich nach den Wahlen jedoch ändern, die noch bis zum 25. September dauern. „Wenn wir zwischen 20 und 30 aus unserer Gruppe in den Versammlungen unterbringen, haben wir Grund zu feiern“, sagt Markus Koch. Thomas Krell sieht es realistischer und rechnet „mit einer Handvoll Leuten von uns, die es schaffen werden“. Aber es sei der erste Schritt in die richtige Richtung. „Denn, wo wir drin sind, ist mehr Volk drin“, sagt Thomas Krell.