Die Einbahnstraßenregelung beim Rembrandtweg vor dem Fellbacher Maicklerschulentrum ruft insbesondere unter Radlern weitere kritische Diskussionen hervor.

Das bisherige offenkundige Chaos vor allem am frühen Morgen vor der Maickler-Grundschule in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) hat die Stadtverwaltung zu einer konsequenten Regelung veranlasst. Zur Eindämmung sogenannter Elterntaxis gilt seit ein paar Wochen im Rembrandtweg und im Hermann-Löns-Weg die Regelung per Einbahnstraße. Einige Radfahrende sind ob dieser Vorgabe allerdings weiterhin verstimmt.

 

Zunächst hatte die Stadt das Schild „Einfahrt verboten“ an der Maicklerstraße angebracht – weshalb eine radelnde Leserin, die morgens dort unterwegs war, von einem Polizeibeamten gestoppt wurde, der dort mit Schülern eine Verkehrsübung abhielt. Er wies die Frau an, vom Rad abzusteigen. Denn das Schild gelte nicht nur für Autos, sondern auch für Radler, so seine Erläuterung. Die Anwohnerin ärgerte sich über die rigorose Haltung des Polizeibeamten und auch darüber, dass sie künftig – anders als zuvor – mit ihrem Fahrrad weite Umwege machen müsse.

Sinnvolles Schild für Radfahrer

Wenig später kam durch die Stadt Fellbach der Hinweis, dass mittlerweile ein Schild angebracht wurde, wonach Radelnde dort doch fahren dürfen. Die Berichterstattung unserer Zeitung hat darauf einige Reaktionen erfahren. So offenbart eine Leserin eine gewisse zwiespältige Haltung und erklärt: „Mittlerweile ist die Einschränkung für Radfahrer durch ein zusätzliches Schild wieder aufgehoben, was ich als Radfahrerin für gut und sinnvoll erachte. Denn auch viele Schüler der Auberlen-Realschule kommen mit dem Fahrrad und hätten sicherlich nicht die letzten Meter ihr Fahrrad auf dem Gehweg schieben wollen.“

Was sie jedoch nicht verstehe, sei die im Artikel anklingende Kritik am Ordnungshüter, der bei der Verkehrsübung für Schüler der Anwohnerin erklärt hatte, dass die Einbahnstraßenregelung auch für Radfahrende gilt. „Zum damaligen Zeitpunkt war das korrekt. Man kann doch nicht Kindern die Verkehrsregeln beibringen und dann das Fehlverhalten von Erwachsenen tolerieren. Und ist ein 100 Meter langer ,Umweg’ fürs Fahrrad ein deutlich längerer Weg? Hier wird die radfahrende Anwohnerin als armes Opfer dargestellt, und das ist aus meiner Sicht übertrieben.“

Radfahren in Fellbach? Nervenaufreibend

„In Fellbach Fahrrad zu fahren, ist oft nervenaufreibend und es könnte manches verbessert werden“, erklärt sie, aber dafür sei ein objektiverer Artikel der bessere Weg.

Ausführlich zum Thema gemeldet hat sich auch der frühere Fellbacher Stadtrat Michael Vonau. Er erinnert an die schon etwas angegraute Redewendung „Mit der Kirche ums Dorf“. Diese beschreibe besonders umständliche Umstände, zum Beispiel in Fellbach: „Da muss man seit neuestem ums Dorf in die Kirche fahren, die denkmalgeschützte Maria-Regina-Kirche im Rembrandtweg.“ Ein entsprechendes Schild mit durchgestrichenem Wort „Kath. Gemeindezentrum Maria Regina“ an der Einmündung des Hermann-Löns-Wegs in die Maicklerstraße verheiße von daher schon mal nichts Gutes.

Vonau: „Fahrradfahrer, insbesondere unter den Anwohnern des Rembrandtwegs – zu denen ich zähle – schauen mal wieder in die Röhre, wenn sie aus Alt-Fellbach nach Hause fahren wollen: Weitere Umwege, Überwindung von Treppen et cetera. Beschwerden von Betroffenen werden leider von der Stadt weder beantwortet noch beachtet.“

Das Argument, die Einbahnregelung begrenze den Schülertaxiverkehr, glaube die Stadt ja selbst nicht, urteilt Vonau. „Die Schülertaxis fahren lediglich weitere Strecken und verschlechtern die Ökobilanz Fellbachs so zusätzlich.“

Zusammenhang mit dem Schwabenlandtower?

Der wahre Grund für die neue Regelung dürfte nach seiner Einschätzung eher tiefer liegen. Als der Baubeginn des heutigen Schwabenlandtowers 2014 anstand, habe die Stadt die bis dahin an der Kreuzung zur Maicklerstraße gesperrte Zufahrt in die Friedrich-List-Straße in südlicher Richtung mit dem Argument geöffnet, dass die Baustellenfahrzeuge so leichter ihr Ziel erreichten. Eine Wiederschließung der Straße nach Beendigung der Bauarbeiten sei zugesagt gewesen.

Vonau: „Nun ruht Deutschlands höchste Bauruine aber schon seit neun Jahren im schönsten Dornröschenschlaf, ohne dass dieses Versprechen eingelöst worden wäre.“ Die neue Einbahnstraße wiederum sei ein gutes Argument gegen die Wiederschließung, weil die Zuwegung zu Kirche und Schulzentrum dann wirklich extrem erschwert würde.

„Fahrradstadt wird man nicht durch noch mehr Farbe auf der Straße“

Vonau: „Ich befahre den Rembrandtweg täglich zum Teil mehrfach in west-östlicher Richtung und habe keine Probleme bemerkt. Die Straße ist so eng, dass man aufeinander Rücksicht nehmen muss. Natürlich war es absehbar, dass der städtische Neubau der Maicklerschule mit seiner Tiefgarage auch Verkehr anziehen wird“

Sein Fazit: „Fahrradstadt wird man nicht durch eine Fahrradstraße, viele Planstellen und noch mehr Farbe auf der Straße, sondern durch konsequente Verkehrspolitik aus Sicht von Fahrradfahrenden.“