Friederike Mayröcker und Ernst Jandl. Der Wortkünstler Timo Brunke entwirft ein Bild des Dichterpaares anhand ihrer Gedichte.

In der Reihe „Künstlerpaare – Beziehungskunst“ der Kulturgemeinschaft Fellbach dürfen die bedeutenden Wiener Dichter Friederike Mayröcker und Ernst Jandl nicht fehlen, deren Poetik grundverschieden und deren Liebe unkonventionell, aber bruchsicher war. Am Donnerstag, 26. März, um 19.30 Uhr, unternimmt der Stuttgarter Wortkünstler Timo Brunke in der Stadtbücherei Fellbach einen unterhaltsam-informativen Streifzug durch Leben und Werk der beiden Sprachkünstler, erzählt über das ungewöhnliche Paar und rezitiert reichlich Gedichte.

 

Im Jahr 1954 hatten die beiden zusammengefunden, zwei Englischlehrer mit literarischen Ambitionen: „die ehe zu vermeiden, dauerte einige jahre, dann hatten wir es geschafft. (…)“

„Hand- und Herzgefährten“ nannte Jandl das Bündnis und sagte in einer «rede an friederike mayröcker» zum 70. Geburtstag: „unser leben ist, seit vierzig jahren ein gemeinsames, ohne eine gemeinsame wohnung, und ohne kochtopf.“ Bis zuletzt, als seine Gesundheit schon stark angegriffen war, verlief ein Gutteil der täglichen Kommunikation zwischen den beiden übers Telefon. Zum Schreiben musste ein jeder allein sein, man traf sich danach, um einander das Entstandene zu zeigen, um Kritik auszutauschen.

So verschieden Mayröcker und Jandl als Dichter in Thematik und Ton anmuten: sie haben das ganz Andere am Anderen stets bewundert. Sie gehöre, so Jandl, zu den „vornehmen Geistern“ wie etwa Bach und Hölderlin. Er selbst deklarierte sich in kokettem Understatement als Vertreter einer «Aufgeklärten Massenkultur»: „F. M. schreibt große Literatur, und ich erhalte den deutschen Kleinkunstpreis.“

Von wegen: Nicht den deutschen Kleinkunstpreis, sondern den Georg-Büchner-Preis, Ritterschlag der deutschsprachigen Literatur, hat der 59-jährige berühmte Dichter 1984 erhalten. Seine Gefährtin Friedrike Mayröcker bekam ihn 2001 mit 76 Jahren. Da war er bereits ein Jahr tot, sie ist im hohen Alter von 96 verstorben und wurde wie Jandl im Wiener Ehrengrab bestattet.

Jandl war als Dichter gleichsam ein Popstar und füllte mit seinen Hits – wie „ottos mops hopst“ – große Säle, während sie, die scheue Poetin, in ihrer „Zettelhöhle in der Zentagasse“ eigenwillige, zarte lyrische Gebilde von großer Schönheit schuf.

Die Führungsrolle des „Hand- und Herzgefährten“ hat sie in einem „Vierzeiler für E. J.“ unmissverständlich, aber wohl auch ironisch bekannt: „du bist der Herr / ich bin der Knecht / ich bin ein Tragtier auch / (zurecht) (‹ein Plagetier›.“ Je älter und kränker er wurde, desto mehr wurde sie zur „Aufsichtsperson“, das Kräfteverhältnis schien sich verkehrt zu haben. Nach Jandls Tod hat sie in mehreren Texten ihrer beider Lebensverhältnis unpathetisch aber berührend reflektiert – sei es in ihrem „Requiem für Ernst Jandl“ 2001 oder in den Prosastücken „Und ich schüttelte einen Liebling“ 2005.

Als die Kulturgemeinschaft Timo Brunke einlud,, einen Abend über das Liebes- und Dichterpaar zu gestalten, hat er sehr gerne zugesagt, denn der bekannte Wortkünstler und leidenschaftliche Sprachartist sieht sein eigenes Schaffen in der Nachfolge Ernst Jandls. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

Karten für die Kooperationsveranstaltung mit der Stadtbücherei Fellbach gibt es beim i-Punkt, Telefon 0711/58 00 58. Sie kosten 12 €, für Mitglieder 10 €, für Schüler und Menschen mit Handicap 5 €.

www.kulturgemeinschaft-fellbach.de

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