Vera Rentschler, fast 20 Jahre Rektorin der Schillerschule in Fellbach-Oeffingen, geht in den Ruhestand: „Nach wie vor sind Kinder wissbegierig und für alles zu motivieren.“

Mehr als 30 Jahre hat Vera Rentschler Kinder unterrichtet. Am 30. Juli ist ihr letzter Schultag. Danach ist sie nicht mehr Schulleiterin für 260 Mädchen und Jungen, sondern nur noch Oma für vier Enkelkinder. 19 Jahre war sie Rektorin der Schillerschule in Fellbach-Oeffingen. Vera Rentschler, die aus Schwaikheim kommt, hat sich im ländlichsten Fellbacher Stadtteil immer wohlgefühlt, trotz vieler neuer Herausforderungen in den vergangenen Jahren.

 

Die dreizügige Schillerschule ist keine Ganztagsschule, aber dank vieler Kooperationen mit Vereinen, darunter dem Turnverein und dem Musikverein Oeffingen, bietet sie ein breites Angebot an AGs und Nachmittagsbetreuung. Die Lage – direkt am Schmidener Feld und mit einem Bolzplatz gleich nebenan – und das Betreuungsangebot sind gut.

Was sagt sie zu den 1440 unbesetzten Lehrerstellen?

„Unsere Schule steht nach einer Grundsanierung vor rund 15 Jahren auch tipptopp da. Bei uns gibt es keinen Sanierungsstau“, sagt Vera Rentschler und lobt die Zusammenarbeit mit der Fellbacher Verwaltung, die für ihre Schulen viel tue. Dass der Landesregierung ein grober Fehler unterlaufen ist, der dazu führte, dass 1440 Lehrerstellen unbesetzt blieben, hat sie indes nicht verwundert. „Wenn man so lange wie ich in dem Betrieb ist, überrascht einen nichts mehr.“ Eine Konsequenz sei gewesen, dass für die Grundschulförderklasse der Schillerschule Quereinsteiger geholt wurden. „Die musste ich den ganzen Tag coachen.“

Wie war Rentschlers beruflicher Werdegang?

Vera Rentschler hat Kunsterziehung und Mathematik studiert, aber bis auf Sport und Religion jedes Fach unterrichtet. Zunächst neun Jahre in der Hungerberg-Grundschule in Winnenden, dann drei Jahre als Konrektorin in der Werkrealschule in Kirchberg/Murr, bevor sie 2006 nach Oeffingen kam. „Ich kannte damals niemanden hier, aber ich habe mich schnell eingelebt.“ „Unsere Schule ist relativ klein, im Lehrerkollegium herrscht ein gutes Zusammenspiel und jeder fühlt sich verantwortlich“, sagt Vera Rentschler.

Das gute Miteinander hat ihr auch durch ihre schwierigste Schulzeit geholfen, die Schulschließungen während der Coronapandemie. Auf digitalen Unterricht habe man in der Schillerschule bewusst verzichtet, obschon es eine Schul-Cloud gebe und man mit Hardware gut ausgestattet sei, sagt die Rektorin. „Aber wir können nicht maximal eine Stunde Medienkonsum pro Tag empfehlen und dann Online-Unterricht anbieten.“ Also hätten sie „analoge Pakete“ geschnürt, die von den Lehrerinnen zu den Kindern nach Hause gebracht wurden.

Wegen Handy und KI fehlt esden Kindern an Bewegung

„Wir haben hier schon noch so was wie heile Welt“, sagt Vera Rentschler. Das gelte auch für das Umfeld. Die Mehrzahl der Eltern gucke nach ihren Kindern. „Oeffingen ist alles andere als ein sozialer Brennpunkt, aber auch bei uns gibt es Mädchen und Jungen, die nicht in die Schule kommen, und auch wir müssen mit den Auswirkungen und Folgen der sozialen Medien und Verhaltensveränderungen seit der Coronapandemie umgehen.“

Handy und KI nähmen immer mehr von der Freizeit der Kinder ein, sagt Vera Rentschler. „Das beginnt schon in der ersten Klasse.“ Und auch in der Schillerschule habe es schon einen Schüler gegeben, der 700 Follower auf TikTok hatte. Durch den Medienkonsum fehle es den Kindern an Bewegung, und er habe auch Auswirkungen auf die Konzentration. „Es gehen ganz viele Grundfertigkeiten verloren, denn Alexa hilft beim Rechnen.“ Dem Nachwuchs gibt sie für die Entwicklungen allerdings keine Schuld. „Sie erzählen ja in der Schule davon, dass die Eltern daheim am PC und Handy sitzen.“

Dass viele Kinder bis zum Alter von sechs Jahren alles selbst entscheiden dürften, fördere Individualisten und mache es für die Grundschulen nicht leichter, sagt Vera Rentschler. „Im Kindergarten steht es ihnen frei, ob sie nach draußen oder in die Bauecke gehen. Und in der Schule müssen sie dann machen, was man ihnen sagt.“ Manche Kinder hätten bei der Einschulung noch nie einen Stift in der Hand gehabt und gemalt, was das Schreibenlernen erschwere.

Komplexe Eltern-Kind-Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Eltern und Kinder seien zudem auch nicht immer einfach, sagt die Rektorin. „Es gibt Mütter, die können nicht loslassen.“ Generell mischten sich Eltern heutzutage mehr ein und versuchten ihren Kindern alle Steine aus dem Weg zu räumen. Auch, dass in den Familien viel zu wenig gesprochen wird, beklagt die Pädagogin.

„Eine Lehrerin hat in einer Klasse mal gefragt, wie viele der Kinder noch vorgelesen bekommen, das waren von 26 Mädchen und Jungen gerade mal drei.“ Trotz alledem ist Vera Rentschler optimistisch. „Denn nach wie vor sind Kinder wissbegierig und für alles zu begeistern und zu motivieren.“