Fellbach Kehrtwende beim Oeffinger Kinderhaus

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Nach herber Kritik aus der Bürgerschaft am geplanten Standort an der engen Hindenburgstraße hat die Stadt eine Rolle rückwärts vollzogen – und schlägt für die sechsgruppige Einrichtung nun ein Baugrundstück beim Feuerwehrgerätehaus vor.

Kinderbetreuung statt Grünfläche: Der neue Standort für die sechsgruppige Einrichtung am  Oeffinger Ortsrand Foto: Patricia Sigerist
Kinderbetreuung statt Grünfläche: Der neue Standort für die sechsgruppige Einrichtung am Oeffinger Ortsrand Foto: Patricia Sigerist

Oeffingen - Das deutlichste Signal hat die katholische Kirche gesetzt: Einen Betrag von immerhin 5000 Euro lobte die Christus-König-Gemeinde aus, um bei der von den Rathaus-Planern vorgesehenen Zufahrt zum neuen Oeffinger Kinderhaus vielleicht doch noch zu einer besseren Lösung zu kommen. Gewünscht war bei der Verkehrsplanung mit der Opferbüchse eine Idee, wie der durch Parkbuchten und Baumquartiere künstlich ohnehin verengten Hindenburgstraße eine Flut von Elterntaxis erspart bleibt.

Die Zahl ist schon deshalb bemerkenswert hoch, weil eine im März geplante Infoveranstaltung Corona-bedingt ins Wasser fiel

Mit der Sorge, dass der noch dörfliche Charakter durch die Erschließung leidet, stand die Kirche beileibe nicht allein. Reihenweise griffen Bürger zu Tastatur und Telefonhörer, um ihre Bedenken gegen die geplante Zufahrt zu bekunden. In den wenigen Wochen bis zum Ende der Beteiligungsfrist gingen exakt 69 zumeist negative Stellungnahmen ein. Die Zahl ist schon deshalb bemerkenswert hoch, weil eine im März geplante Infoveranstaltung Corona-bedingt ins Wasser fiel. Außerdem hatte das Rathaus nur die Anwohner im direkten Umfeld der Schillerschule mit der Bitte um Stellungnahme kontaktiert – wer einen Straßenzug weiter wohnt, bekam von der Diskussion ums Kinderhaus womöglich gar nichts mit.

Dennoch schlugen die Wogen hoch in Oeffingen, Nachbarn rechneten mit mehr als 200 Fahrten täglich, wenn auch nur die Hälfte der Sprösslinge mit dem Auto in die Kindertagesstätte kutschiert wird. Mitte Mai lenkte die Stadtpolitik ein, die Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull versprach den Bürgern, dass der Standort noch einmal überprüft werden soll. Das hat die städtische Baubehörde nun offensichtlich getan – und hat in einem beachtlichen Tempo eine regelrechte Kehrtwende vollzogen. Statt nur die umstrittene Zufahrt über die Hindenburgstraße unter die Lupe zu nehmen, zauberten die Rathausplaner einen ganz neuen Alternativvorschlag aus dem Hut.

Nutzbar wäre die Abstellfläche auch für Veranstaltungen

Gebaut werden soll die neue Kindertagesstätte nicht länger im Bereich hinter Schillerschule und Festhalle. Als neuer Standort ist jetzt ein Grundstück hinter dem Oeffinger Feuerwehrgerätehaus ins Auge gefasst. Und: Als abstimmungsreif auf dem Tisch der Stadträte liegt in der Sitzung an diesem Dienstag auch der Vorschlag, ein Grundstück unmittelbar östlich des Brandschutz-Domizils als Parkplatz zu nutzen. 21 Stellplätze sind in der von einer Architektengruppe ausgearbeiteten Untersuchung eingezeichnet – ein öffentlicher Parkraum, der nicht nur der Kindertagesstätte zur Verfügung stehen würde. Nutzbar wäre die Abstellfläche auch für Veranstaltungen, bei denen oft genug die Stellfläche vor dem Feuerwehrgerätehaus mit reichlich Blech belegt ist. Den Brandschützern ist das bekanntermaßen schon lange ein Dorn im Auge – für das ungehinderte Ausrücken der Oeffinger Wehrleute stellt die Parksituation letztlich ein Sicherheitsrisiko dar. Im Besitz der Stadt sind beide Areale – sowohl die für die Kindertagesstätte vorgesehene Fläche als auch der zusätzliche Parkplatz finden sich bereits im Grundstücks-Portfolio.

Auch deshalb hatten sich nach den überwiegend negativen Stellungnahmen die FW/FD-Fraktion und die CDU gemeinsam für den neuen Standort stark gemacht. Die Stadtverwaltung selbst hatte sich mit der Idee, die Kindertagesstätte noch ein Stück weiter an den Ortsrand zu schieben, ebenso schwergetan wie mit dem Gedanken, eine weitere Grünfläche als Parkplatz zu nutzen.

Selbst über eine Verbreiterung der Geschwister-Scholl-Straße ab dem Albert-Eise-Weg wird im Rathaus nachgedacht

Denn erstens sieht sich die Behörde in einer Vorbildfunktion in Sachen Landschaftsschutz. Und zweitens ist mit dem neuen Standort absehbar, dass noch weitaus mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto bringen und abholen dürften als bei der Variante in der Hindenburgstraße. „Die Planung widerspricht der gesellschaftlichen Zielsetzung, Kindergartenkindern möglichst rasch einen eigenständig zu bewältigenden Fußweg zu ermöglichen“, ist als Negativpunkt in der Vorlage notiert, über die an diesem Dienstag im Gemeinderat abgestimmt wird. Sicher ist deshalb, dass der neue Standort in den Verkehrszahlen auf der Geschwister-Scholl-Straße einen Niederschlag finden wird. Schon jetzt ist geplant, die Ausweichbuchten zu vergrößern, damit die Feuerwehr bei der Alarm-Anfahrt besser durchkommt. Dadurch fallen ohnehin 14 Stellflächen entlang der Straße weg – immerhin zwei Drittel des Angebots auf dem geplanten Zusatz-Parkplatz.

Selbst über eine Verbreiterung der Geschwister-Scholl-Straße ab dem Albert-Eise-Weg wird im Rathaus nachgedacht. Falls das keine Mehrheiten findet, empfiehlt der städtische Ordnungsamtsleiter Peter Bigalk wenigstens ein ortseinwärts geltendes Halteverbot zwischen Albert-Eise-Weg und Hegnacher Straße. Außerdem hat die Stadtverwaltung vor, den bestehenden Parkplatz zwischen Feuerwehrhaus und 1-2-3-Sporthalle für Autos zu reservieren. Busse, Anhänger und Wohnmobile müssten sich andere Abstellflächen suchen, auch eine Belegung durch Schausteller wäre nicht mehr möglich.

Die Kindertagesstätte selbst soll auch am neuen Standort von der Arbeiterwohlfahrt betrieben werden. Vorgesehen sind sechs Gruppen für bis zu 120 Kinder. Als Übergangslösung für die Bauzeit wird es offenbar in Baustellennähe auch ein Provisorium mit zwei Containern geben. Der bestehende Bolzplatz bleibt von der Interims-Kindertagesstätte unberührt, nach Auskunft der Stadtverwaltung muss lediglich die Tischtennisplatte vorübergehend abgebaut werden.




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