Sani Pauly aus Stuttgart hat in der Bahnhofstraße 13 in Fellbach eine Töpferwerkstatt eröffnet. In dem ehemaligen Friseurgeschäft bietet sie Kurse und Events rund ums Thema Keramik an.
Es hätte nicht besser kommen können, schwärmt Sani Pauly aus Stuttgart. Dabei sah Anfang des Jahres die Zukunft der jungen, töpferbegeisterten Mutter einer zweijährigen Tochter eher düster aus. Sie verlor aufgrund einer langwierigen Augenbehandlung noch in der Probezeit ihren Job im Social-Media-Bereich. Wie gut, dass sie das in der Freizeit gepflegte Töpfern nie zu den Akten gelegt und es als Hobby weiter praktiziert hatte. Seit ein paar Jahren ist ihr das kreative Arbeiten mit Ton nämlich zu einer Energiequelle geworden, „ich vergesse die Welt um mich herum, schalte ab.“ Sie arbeitet und spürt mit den Händen dem Ton nach, gibt ihm Form, zieht ihn und gibt der Töpferscheibe just so viel Schwung, wie ihre Finger und das Material es zulassen. Faszinierend sei das, erzählt die junge Mutter, mit leuchtenden Augen.
Vor ein paar Monaten hätte sich Sani Pauly nicht träumen lassen, dass sie dieses Jahr noch ihr eigenes Töpferstudio eröffnen würde. Dann hörte sie über eine Freundin vom Laden in der Bahnhofstraße 13 in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) und suchte den Kontakt zu der „unheimlich netten Vermieterin.“ In den Räumen war bis vor zehn Jahren frisiert, gefärbt und gestylt worden. Dann kam der Leerstand, die Schaufenster waren als Ausstellungsfläche für Kunst auf Leinwand genutzt worden. „Besser als ein weiteres Nail-Studio oder noch ein Handy-Laden“, kommentierten Menschen, die vor den Schaufenstern standen.
Stand beim Kunstmarkt im Kulturzentrum Merlin in Stuttgart
Jetzt leuchtet dort wieder Licht und an Kurstagen drehen sich die Töpferscheiben – die Teilnehmer und auch Sani Pauly genießen die zentrale Lage, die Nähe zur Endhaltestelle der Stadtbahn und den Blick auf Fußgänger und Eis schleckende Kinder. In den Regalen stehen jetzt keine Shampoo-Flaschen oder Stylingprodukte mehr und im Schaufenster keine Kunstwerke, sondern Keramik-Arbeiten. Jedes ein Unikat. Sie werden, wenn sie nicht von Kursteilnehmern sondern von Sani Pauly selbst hergestellt wurden, auch verkauft. Diese Einnahmen sind wichtig für die Kalkulation von Sani Pauly, damit sich die Geschäftsidee am Ende trägt. Am Sonntag, 23. November, steht sie deshalb auch mit einem Stand beim Kunstmarkt im Kulturzentrum Merlin in der Augustenstraße 72 in Stuttgart und verkauft dort ihre Schätze.
Es sei eine ideale Konstellation aus eigenem Töpfern und Anleiten zum Töpfern freut sich Sani Pauly über die eher zufällig Realität gewordene Selbstständigkeit. Die materiellen Anforderungen – Töpferscheiben und Brennofen – hat sie beschafft. Und somit steht den vielen kreativen Angeboten nichts mehr im Wege. Alles ging recht schnell, beim verkaufsoffenen Sonntag beim Fellbacher Herbst war sie mit einem pre-opening dabei, das auf großes Interesse stieß. Im Nu seien die 100 frisch gedruckten Visitenkarten, die sie ausgelegt hatte, vergriffen gewesen. Mittlerweile haben die ersten Kurse stattgefunden – drei Stunden lang leitet Sani Pauly dann die Teilnehmer – „gerne auch Männer“ – an, begleitet und ermutigt beim Umgang mit dem sensiblen und doch auch eigensinnigen Material.
Kinder- und Erwachsenengeburtstage in der Töpferei
Danach trocknen die Stücke bei ihr im Geschäft, werden gebrannt und auf Wunsch auch von ihr glasiert. All das gehört zum Töpfer-Prozess. Sani Pauly bietet Töpfern auch als Event an – demnächst feiert eine Familie, als Überraschung für die Jubilare, den 80. Geburtstag der Großeltern mit einem Workshop bei ihr. Auch Kindergeburtstage stehen schon im Terminkalender, die regulären Kurse bis Weihnachten sind ihr zufolge nahezu ausgebucht.
Aktuell saß Sani Pauly selbst lange und viel an der Töpferscheibe, um den Kunstmarkt in Stuttgart vorzubereiten. Ihr Mann hat dann die Betreuung der kleinen Tochter übernommen, denn in gewisser Weise ist die Töpferwerkstatt auch ein Familienprojekt und Sani Pauly hofft, dass der angedachte Abriss des Gebäudes Bahnhofstraße 13, das einem Neubau weichen soll, noch lange nicht umgesetzt wird.
Lehmerei beendet Leerstand
Töpferwerkstatt in Waiblingen
Auch in Waiblingen wird ein Ladengeschäft zur Töpferwerkstatt. Wo bis vor einigen Monaten noch Wolle verkauft wurde, zieht im Dezember „die Lehmerei“ ein. Das „Töpferatelier“ wird von Clara Kraus (31) und Sebastian Henke (42) betrieben. Sie eröffnen im Dezember in der Kurze Straße 6 und wollen Töpferkurse, Events und eine offene Werkstatt anbieten. ZUdem gibt es dort auch fertige Keramik zu kaufen.