Kulturgemeinschaft Fellbach erinnert an die Bücherverbrennung vor 93 Jahren.
Lebhaften Zuspruch fand die traditionelle „Lesung aus verbrannten Büchern“ im vergangenen Jahr. Nun lädt die Kulturgemeinschaft Fellbach erneut alle Interessierten dazu ein, sich aktiv mit eigenen Beiträgen zu beteiligen oder einfach zum Zuhören vorbeizukommen. Die Lesung findet am Jahrestag der Bücherverbrennung, diesmal Sonntag, 10. Mai 2025, um 17 Uhr auf dem Kirchplatz bei der Lutherkirche statt, bei Regen wird sie in die Lutherkirche verlegt. Dass rund herum der Kultursommer mit Ausstellungseröffnungen und Angeboten aufwartet, sollte historisch und gesellschaftspolitisch Informierte nicht davon abhalten, sich in die Aktion einzubringen.
Zeitgeschichtlicher Hintergrund für die Fellbacher Initiative ist die Bücherverbrennung, die in verschiedenen Städten Deutschlands von März bis Oktober 1933 stattfand. Sie wurde von der NSDAP, der Hitlerjugend, Körperschaften der SA und der Deutschen Studentenschaft geplant und umgesetzt. Bei diesen Gelegenheiten warfen Studenten, Professoren und Mitglieder von NS-Parteiorganen Werke von jüdischen, pazifistischen, oppositionellen und politisch unliebsamen Autoren in die Flammen. Die zentrale Kundgebung wurde am 10. Mai 1933 auf dem ehemaligen Berliner Opernplatz inszeniert, der 1947 in Bebelplatz umbenannt wurde.
Zeitgleich wurden in 18 weiteren Universitätsstädten ähnliche Aktionen „wider den undeutschen Geist“ durchgeführt. Den Flammen übergeben wurden Werke von Schriftstellern jüdischer Herkunft und oppositioneller Intellektueller wie Kurt Tucholsky, Joseph Roth, Heinrich Heine, Anna Seghers, Rosa Luxemburg, Erich Kästner, Bertolt Brecht, Joachim Ringelnatz oder Carl von Ossietzky.
Wie in anderen eher großen Städten wird in Fellbach an die beschämenden Ereignisse in Deutschland erinnert. Die Lesung setzt zugleich ein Zeichen gegen Rassismus und Krieg und für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit. Diese ist durch das Erstarken autoritärer Regime in verschiedenen Teilen der Welt zunehmend bedroht. Zugleich besteht die Gefahr, abzustumpfen - angesichts schlimmer Nachrichten und Bilder, die die Medien täglich frei Haus liefern oder die teils in verzerrter Form über digitale Kanäle zu uns gelangen. Angesichts der aktuellen Entwicklungen trägt die „Lesung aus verbrannten Büchern“ auch zu einer politischen Sensibilisierung bei.
Wer selbst mitlesen möchte, findet Anregungen entweder im Internet auf eigens angelegten Webseiten zu den betreffenden Autoren und Werken oder kann bei der Kulturgemeinschaft nachfragen. Die Auswahl ist groß. Gedichte sind ebenso willkommen wie kleinere Prosastücke. Die Lesung sollte eine Länge von 5 Minuten, wenn möglich, nicht überschreiten.
Musikalisch begleitet wird die Lesestaffel von Florian Vogt auf der Violine.
Einfach vorbeischauen. Eine Anmeldung ist hier nicht erforderlich.
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