Fellbach „Raus aus dem Hinterzimmer“: Neue Generation bei Fellbacher Grünen

Zumindest ein wenig grüner Hintergrund ist zu sehen: Das Führungsduo des Fellbacher Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen, Nadine Gothe und Sebastian Rothfuß (im extra angefertigten grünen Hoodie), vor der Redaktion unserer Zeitung. Foto: Dirk Herrmann

Nadine Gothe und Sebastian Rothfuß sehen sich als „junge Doppelspitze“ und „neue Generation“ im Vorstand des Fellbacher Ortsverbands. Nach dem Wahlkampf Konzentration auf Sachthemen.

Die Erleichterung ist gleich doppelt zu spüren. Zum einen unmittelbar nach der Landtagswahl, wobei der zunächst satte Vorsprung im Laufe des späteren Abends zu einem hauchzarten Abstand dahinschmolz.

 

Doch auch unter längerfristigen Gesichtspunkten sind Nadine Gothe und Sebastian Rothfuß, die beiden Vorsitzenden des Fellbacher Ortsverbands Bündnis 90/Die Grünen, in den Tagen danach froh – weil es statt des dauerhaften Wählerfangs nun wieder um Grundsätzliches, um Nachhaltigkeit und grüne Ideen für die Zukunftsgestaltung geht.

Seit November 2024 permanent im Wahlkampf

Im November 2024 wurde der neue Vorstand gewählt, „seitdem waren wir permanent im Wahlkampf“, berichtet Rothfuß: Plakate selber kleistern, an den Standorten aufstellen, willkürlich beschädigte oder vom Regen durchnässte ersetzen, nach der Wahl umgehend wieder einsammeln. Dazu ein der Haustürwahlkampf: „Wir haben Fellbach in 30 Gebiete aufgeteilt und mit einem engagierten Team Haustür für Haustür abgeklappert.“

Mit der Landtagsabgeordneten Swantje Sperling haben sie morgens Brezeln verteilt, „damit nicht nur jemand vom Plakat runter guckt, sondern damit man mit jedem redet“. Oder sie haben sich mit Infoständen auf den Marktplätzen präsentiert und viele positive Reaktionen erfahren – wobei auch das Verhältnis zur „Konkurrenz“ der anderen Parteien dort in der Regel gut gewesen sei.

Den voraussichtlichen neuen Ministerpräsidenten Cem Özdemir kennt Gothe schon länger: Vor rund fünf Jahren saß sie bei einer Regionalkonferenz in Stuttgart direkt neben ihm und habe ihn als „grundsympathisch und authentisch“ erlebt.

Den CDU-Vorwurf einer grünen „Schmutzkampagne“ wegen der Äußerungen des CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel (er schwärmte in einem Video von den „rehbraunen Augen“ einer Schülerin), wirkt nach Rothfuß’ Einschätzung „unglaubwürdig“. Gothe meint, es sei „legitim, dass man bei einem Ministerpräsidenten-Kandidaten auch mal guckt, was er vor zehn oder 20 Jahren so gemacht hat“. Und Hagels Interview sei ja schließlich auch „nicht erfunden“.

Özdemir habe das Ganze ohnehin „gut abmoderiert“. Grundsätzlich hofft das grüne Vorstandsduo bei einem Redaktionsbesuch unserer Zeitung, dass sich die möglichen Koalitionspartner nun „zusammenraufen“ und dass „Sachpolitik“ in den Vordergrund tritt.

Ihren Besuch in der Redaktion angekündigt hatte das Duo mit gewisser Selbstironie als „junge Doppelspitze des Ortsverbands“. Es gehe darum, als „neue Generation die Fellbacher Lokalpolitik neu zu interpretieren – weg vom Hinterzimmer, hin zu offenen Formaten“, erläutern der 46-jährige Rothfuß und die 39-jährige Gothe. Man wolle versuchen, den „Spagat zwischen den ,alten Hasen‘ und den jungen Klima-Engagierten hier in Fellbach zu moderieren“.

Gothe arbeitet in Untertürkheim bei der Autobahn GmbH, Rothfuß hat mit Jahresbeginn von Gudrun Lack die Buchhandlung in der Cannstatter Straße im Fellbacher Oberdorf übernommen, wo er zuvor schon drei Jahre gearbeitet hatte. Einen zufriedenstellenden Trend können die beiden bekanntgeben: 80 Mitglieder hat der Ortsverband derzeit, vor eineinhalb Jahren seien es noch 50 gewesen. Aktuell wird an einer Vortragsreihe zu grünen Themen gebastelt, genaue Termine sollen demnächst festgelegt werden.

Grünes Lob für „OB Zull und Co.“

Für die konkreten Projekte und Entwicklungen in Fellbach vertraut man auch auf die fünfköpfige Fraktion im Gemeinderat. „Die Zusammenarbeit läuft gut, wir haben einen guten Austausch.“ In Fellbach gebe es sicher noch manchen Verbesserungsbedarf, etwa beim Radschnellweg durchs Remstal nach Stuttgart oder bei der Wohnungsnot.

Doch man könne konstatieren, dass die Zusammenarbeit im Gemeinderat „über alle Fraktionen“ gut funktioniere und „die Stadt viel richtig macht“ sagt Gothe und spricht „ein Lob für OB Zull und Co.“ aus. Meist werde in Fellbach erfolgreich angestrebt, dass man auch mal „Zugeständnisse macht“ und sich „auf der Sachebene einigt“. 

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