Fellbach Schwere Zeiten für Schnittrosen: Heizen und Düngen sind Kostentreiber
Die durch den Iran-Krieg hohen Öl- und Gaspreise belasten die Wirtschaft. Wie sehr trifft das Betriebe vor Ort? Ein Beispiel: die Fellbacher Rosengärtnerei Schwarzkopf.
Die durch den Iran-Krieg hohen Öl- und Gaspreise belasten die Wirtschaft. Wie sehr trifft das Betriebe vor Ort? Ein Beispiel: die Fellbacher Rosengärtnerei Schwarzkopf.
„Die doppelten Heizkosten belasten natürlich stark“, sagt Peter Schwarzkopf von der gleichnamigen Rosengärtnerei in Fellbach (Rems-Murr-Kreis). „Es ist schon ein Unterschied, ob man 60 Cent oder 1,20 Euro pro Liter Heizöl zahlt. Wenn im März niedrige Temperaturen vorhergesagt sind, dann müssen wir beispielsweise in einzelnen Nächten heizen“, sagt Peter Schwarzkopf, „denn sonst erfrieren die Triebspitzen der Rosen“. Auch im Herbst müsse in zwei, drei Nächten entsprechend geheizt werden.
Selbst wenn man viel weniger als früher heize und die Temperatur in den Gewächshäusern bereits abgesenkt sei, würden die hohen Heizkosten deutlich zu Buche schlagen. Außerdem sei das Heizen im Frühjahr Voraussetzung, um die Rosenblütenflore hintereinander zum Blühen zu bringen. „Sonst würden alle Rosen zusammen blühen“, macht der Gärtnermeister deutlich. Etwa zehn Einheiten würden gezielt nacheinander zur Blüte gebracht werden.
Wenn man später anfange und früher aufhöre im Herbst, dann stelle sich auch die Frage, was das für die Mitarbeiter bedeute. „Die Gewächshäuser haben auch an sich Kosten, die sich leichter auf zwölf Monate als auf acht Monate verteilen lassen“, sagt Schwarzkopf.
Ein weiterer Preistreiber sei der Dünger, der bereits in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden sei. Weniger belastend dagegen seien die Transportkosten. „Da wir nur hier zu lokalen Wochenmärkten fahren und die Kunden zu uns kommen, sind die Spritkosten nicht so hoch“, sagt er. Das Prinzip der Direktvermarktung und der lokalen Wertschöpfung verfolge er schon immer mit seinem Betrieb. „Manche Kunden können es kaum glauben, dass unsere Rosen alle aus Fellbach kommen“, sagt Schwarzkopf. Die blumen würden eben nicht über lange Transportwege aus Afrika importiert. Daher sei das Motto beim nächsten Tag der offenen Tür auch: Wachsen Rosen wirklich in Fellbach?
Es sei schwierig, die höheren Produktionskosten weiterzugeben
Die höheren Produktionskosten an die Kunden weiterzugeben, sei schwierig. „Das Grundwissen der Betriebswirtschaftslehre lautet: Wenn man den Preis erhöht, wird die Nachfrage geringer“, sagt der Gärtnermeister. Daher habe man die Preise nicht erhöht. Die Rosen kosten je nach Länge unterschiedlich. So kostet eine 30 Zentimeter große Rose 1,20 Euro, eine mit 40 Zentimetern 1,50 Euro. Einen Bund gibt es für sieben Euro. Seinen Betrieb hat er inzwischen an die nächste Generation übergeben. „In einer Phase, in der es leider keinen Spaß macht, selbstständig zu sein“, bedauert der Kreisgärtnermeister.
In der Rosengärtnerei wird auf einer Gesamtbetriebsfläche von rund fünf Hektar ein großes Sortiment an Schnittrosen im Glasgewächshaus, im Folienhaus und im Freiland sowie noch ein paar wenige Gemüsekulturen kultiviert. Und wie wird geheizt? „Wir haben über zehn Jahre mit einem Biogas-Blockheizwerk (BHKW) unsere Gärtnerei beheizt. Der Strom ging in das Netz der Stadtwerke Fellbach, die Wärme nutzten wir zum Heizen“, teilt Peter Schwarzkopf mit. Nachdem die Förderung durch den Bund ausgelaufen sei, habe sich das BHKW für die Stadtwerke Fellbach (SWF) nicht mehr gerechnet. „Zwischenzeitlich heizen wir wieder mit Erdgas und Erdöl“, so Schwarzkopf.
Schwarzkopf vertritt die Interessen seiner Berufskollegen schon seit vielen Jahren als Kreisgärtnermeister im Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen. Die Fellbacher Gärtnerei Schwarzkopf gilt als ein führender Anbieter von Schnittrosen in der Region. Inzwischen ist die nächste Generation im Betrieb am Ruder mit Patrick Schwarzkopf (staatlich geprüfter Gartenbautechniker) und Kim-Aline Schwarzkopf (staatlich geprüfte Gestalterin für Blumenkunst aus Weihenstephan). Das Unternehmen hat Tradition: Der Fellbacher Familienbetrieb feierte 2025 sein 100-Jahr-Jubiläum.
Information: Am Sonntag, 14. Juni, ist von 11 bis 19 Uhr Tag der offenen Tür bei den Fellbacher Schnittrosen mit Rosenhocketse, Führungen durch die Rosenfelder und einem bunten Kinderprogramm. Für Musik und das leibliche Wohl ist gesorgt. Der Betrieb ist in der Stuttgarter Straße 115 in Fellbach. Informationen auch unter www.fellbacher-schnittrosen.de