Urlauber wollen mehr Beratung und warten länger, bis sie eine Reise buchen, aber verreist wird immer noch gern.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Fellbach/Kernen - Bianca Bleher muss sich mehr Zeit für ihre Kunden nehmen. Wer seit den Anschlägen von Paris und Istanbul und der weltweiten instabilen Lage zu ihr ins Schmidener Reisebüro kommt, der möchte intensiv beraten werden, bevor er sich für ein Urlaubsziel entscheidet. „Das ist eine spürbare Veränderung. Wir nehmen uns immer viel Zeit, aber jetzt muss viel genauer abgewogen und durchgesprochen werden, wo der Kunde sich angesichts der Unruhen wohlfühlen könnte.“

Grundsätzlich sieht Bianca Bleher die Reiselust aber ungebrochen. „Viele entscheiden sich für Spanien, die Kanaren und Griechenland. Die Ziele waren schon immer beliebt und es ist bisher dort nichts vorgefallen.“ Aber auch Fernreisen – beispielsweise in die USA und in die Karibik – werden bei der Fachfrau aus Schmiden nach wie vor geplant. „Kritisch sieht es mit Zielen wie Tunesien oder Ägypten aus. Aber wir haben Stammkunden, die da völlig unbekümmert sind, weil sie das Hotel und die Region seit Jahren kennen und sich dort rundum wohlfühlen.“

Das Interesse an Städtereisen ist ungetrübt

Und wie sieht es mit Städtereisen aus? Bianca Bleher erklärt sich das ungetrübte Interesse ihrer Kundschaft damit, dass viele wohl nach der Devise leben, man wisse ja sowieso nicht, wo als nächstes etwas passiere.

Ähnliche Erfahrungen macht Melanie Günther bei ihrer Arbeit. „Die Zahlen für Städtetrips sind momentan noch nicht rückläufig, und auch generell laufen die Geschäfte gut.“ Eine Veränderung sieht die Reiseverkehrskauffrau im Reisebüro Dietzel GmbH in Rommelshausen darin, wann die Kunden sich für ihren Urlaub entscheiden. „Es ist sehr viel kurzfristiger geworden. Früher wurde die Traumreise lange im Voraus festgezurrt, mittlerweile wird länger abgewartet, ob die aktuelle Nachrichtenlage ein Umdenken beziehungsweise eine Kursänderung nötig macht“, sagt Melanie Günther, die nach wie vor auch noch Reisen in die Türkei abschließt. „Aber wenn, dann als Badeurlaub.“ Für den Fall, dass doch etwas passiere und die Kunden nicht in das ausgewählte Gebiet reisen wollen, werde nicht storniert, sondern umgebucht.

Statt später zu stornieren, verhält sich die Kundschaft von vornherein zurückhaltend

Statt später zu stornieren, verhält sich die Kundschaft von Michael Tuchel von vornherein zurückhaltend, was Buchungen für die Gebiete Ägypten, Tunesien und die Türkei betrifft. „Das verlagert sich bei uns gerade auf die Bestseller Spanien, Griechenland und auf Fernreisen“, sagt der Inhaber und Geschäftsführer des Fellbacher Reisebüros Tuchel. Trotz Verschiebung: Er ist zufrieden mit den Geschäften und sagt: „Unsere Buchungseingänge sind zum Glück allgemein recht konstant geblieben.“

Auch Sabrina Huhn kann sich trotz der weltweiten Vorfälle nicht über zu wenig Arbeit beschweren. Die Mitarbeiterin im Oeffinger Reisebüro sagt: „Wir haben auch nach dem Anschlag in Istanbul Türkeireisen gebucht, und auch Städtereisen in andere Metropolen sind gefragt trotz der schrecklichen Ereignisse in Paris.“

Wenn es sorgenvolle Nachfragen gebe, dann hauptsächlich bezüglich der Möglichkeit , ob man im Notfall stornieren könne.“ Da will die Kundschaft von uns eine Einschätzung der Lage, aber solange keine aktuelle Reisewarnung vom Auswärtigen Amt vorliegt, kann nicht kostenlos storniert werden“, sagt Sabrina Huhn.