Fellbach von oben In Schmiden geht es von jeher etwas eng zu

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Drei Urgesteine mit dem Nachnamen Kauffmann haben die Entwicklung im Ortskern miterlebt. Im Jahr 1955 war Schmiden noch umgeben von Wiesen und Äckern.

Hinter der markanten bäuerlichen Anlage sind auf dem alten Luftbild große Ackerflächen und Streuobstwiesen zu sehen. Heute stehen dort   Schulgebäude und  die Festhalle. Foto: Stadtmessungsamt Stuttgart 14 Bilder
Hinter der markanten bäuerlichen Anlage sind auf dem alten Luftbild große Ackerflächen und Streuobstwiesen zu sehen. Heute stehen dort Schulgebäude und die Festhalle. Foto: Stadtmessungsamt Stuttgart

Schmiden - Wer könnte sich in Schmiden besser auskennen als Mitglieder der Familie Bürkle oder der Familie Kauffmann. Die drei Kauffmänner, die mit ihren Augen über historische und aktuelle Luftbilder fliegen, kennen nicht nur den Ort, sondern auch sich seit Kindesbeinen. Ihre alteingesessenen Familien sind von jeher Nachbarn gewesen. Erich Kauffmann ist in der Jakobstraße 7 aufgewachsen, Kurt Kauffmann wohnt direkt daneben in der Nummer 9. Fritz Kauffmann kommt aus der Butterstraße 6 ums Eck.

Von den Dreien sind, trotz gleichen Nachnamens mit den für Schmiden typischen zwei „f“, nur zwei, nämlich Fritz und Erich Kauffmann, entfernt verwandt. „Unsere Väter waren Vettern“, sagt Erich Kauffmann. Die Verwandtschaft von Kurt Kauffmann geht derweil „noch ein bisschen weiter zurück“, aber sie alle haben die Entwicklung im Ortskern von Schmiden miterlebt. „Dort war es schon immer eng bebaut, wir hatten nie viel Platz um uns herum, aber es gab früher halt keinen Verkehr“, berichtet Fritz Kauffmann, 87 Jahre. Seine Vorfahren sind seit Generationen Landwirte und wohnen ebenso lang schon auf dem Bauernhof am Ende der Buttergass, wie sie bei den Schmidenern heißt.

In den 40er-Jahren gab es noch 65 Landwirte im Ort, heute gibt es nur noch ein paar wenige

In den 1940er-Jahren gab es noch 65 Landwirte im Ort. Heute gibt es nur noch ein paar, darunter Harald Kauffmann, den Sohn von Fritz Kauffmann. „Damals lebten allein im Großen Haus drei Bauern“, sagt der ebenfalls 87-jährige Kurt Kauffmann. Er erinnert sich daran, dass zum stattlichen Hof noch ein kleines Häusle gehörte. „Das stand direkt vorne, wo heute die Mauer ist, und es diente den Landwirten als gemeinsamer Heuschober.“

Hinter der markanten bäuerlichen Anlage sind auf dem alten Luftbild große Ackerflächen und Streuobstwiesen zu sehen. Heute stehen dort viele Schulgebäude, Sporthallen und die Festhalle. Anfang der 50er-Jahre sei als erstes die Grundschule an der Haldenstraße gebaut worden, wenig später die Turnhalle mit Lehrschwimm­becken, sagt Erich Kauffmann, der mit 76 Jahren der jüngste im Bund ist. Bald wurde entlang der Haldenstraße auch mit dem Bau von neuen Häusern begonnen. „Davor stand gegenüber der Schule das letzte Haus von Schmiden, in dem der Fuhrunter­nehmer Zaiser wohnte, sonst waren da nur Obstbaumwiesen und Äcker“, erzählt Kurt Kauffmann.

Einige Besonderheiten gibt es in Schmiden – dazu zählt der Wiesengraben

Einige Besonderheiten gab es in Schmiden außerdem. Dazu zählt der Wiesengraben. Der Name Kanalstraße erinnert an die einstige Funktion des Grabens. In ihn flossen nämlich die Abwässer Schmidens, das erst in den 1950er-Jahre an die Kanalisation angeschlossen wurde. In der Kanalstraße gab es außerdem ein Kino mit einem Saal, in den rund 100 Menschen passten. Erich Kauffmann erinnert sich noch gut, wie er als Bub die Welt der Filme entdeckte. „Wenn wir 20 Leute zusammen hatten und es lief gerade ein für Kinder geeigneter Film im Programm, haben wir mittwochnachmittags eine Sondervorführung bekommen.“

Beschaulich war Schmiden zu jener Zeit, aber recht früh entstanden auch erste moderne Gebäude in der Ortsmitte. Anstelle des Lamms, das ein stattliches, schönes Gebäude war, wurde 1970 ein Flachdachbau errichtet. „Ebenso als die Krone und der Pflug abgerissen wurden“, berichtet Erich Kauffmann. Die Zehntscheuer musste dem Aronda-Haus weichen. Die drei Ur-Schmidener freut es umso mehr, dass das Jakobshaus in der Fellbacher Straße ­saniert wird. Wie hoffentlich irgendwann auch der, wie sie sagen, „ortsbildprägende“ Butterhof in der Jakobstraße.




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