Mit der Großen Weinprobe startet traditionell der Fellbacher Herbst. Diesmal kamen rund 700 lokale Prominente und Bürger in die Schwabenlandhalle, um ausgewählte Tropfen zu kosten.

Man musste so einiges schlucken in den krisengeschüttelten vergangenen beiden Jahren. Und vieles davon ist einem im Nachklang wohl auch noch ziemlich sauer aufgestoßen. Das passierte den Besuchern am Donnerstagabend im Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle bei der Großen Weinprobe der Fellbacher Weingärtner eher nicht. Die Darbietung und der Genuss von elf Fellbacher Gewächsen – schließlich gab es ja auch noch einen Sekt – ließ viele Besucher schwärmen vom Wein, der am Kappelberg wächst.

Viel schöner als Online-Weinproben

Zwei Jahre lang musste die Traditionsveranstaltung ausfallen, nun hatten sich wieder mehr als 700 Gäste zum gemeinsamen Schwenken und Schnuppern, Schlotzen und Schlürfen zusammengefunden. „Das ist doch viel schöner als online“, sagte am Ende der Veranstaltung auch Oberbürgermeisterin Gabriele Zull. Sie spielte damit auf die aus der Not geborene Online-Weinprobe an, die die Fellbacher Wengerter als kleinen Ersatz während der Lockdowns für die Weinliebhaber angeboten hatten.

Mit einem Glas Chardonnay Sekt stießen die Weinproben-Gäste deshalb zu Beginn auf einen „echten“ 73. Fellbacher Herbst an, Kaiserwetter ist ja schon mal vorhergesagt, und dass die Veranstaltung heuer unter dem Motto „Frieden“ steht, ist da wohl nur folgerichtig. Als Moderatorin der Großen Weinprobe hatten die Weingärtner „die wunderbare“, so WG-Vorstandsmitglied Thomas Seibold, SWR-Aktuell-Moderatorin Stephanie Haiber gewonnen, die schon im Jahr 2018 durch die Weinprobe führte.

Jeweils im Duo präsentierten Vertreter der Fellbacher Weingärtner pro Proben-Durchgang zwei Weine, die im Vergleich miteinander genossen werden konnten. Die Paare waren spannungsreich ausgewählt – sowohl bei den menschlichen Repräsentanten als auch bei den flüssigen Proben im Glas. Marina Seibold und Philipp Laipple präsentierten beispielsweise eine 2021er Cuvée Pinot Weißwein C und einen trockenen Riesling der „Next Generation“ unter den Weinmachern in der Genossenschaft. Hier stehe wieder ein Wechsel in die nächst jüngere Generation an, verriet Laipple.

Der Vollerwerbswengerter Marcus Hofmeister besprach einen Lemberger Rosé trocken, ihm zur Seite stand Fabian Seibold, der im Hauptberuf Pilot ist, nebenher einen halben Hektar Reben pflegt und eine Spätburgunder Weißherbst Spätlese empfahl. Mit den Weinerlebnisführerinnen Andrea Heß und Sigrun Trinkle leitete schließlich ein weibliches Duo zu den roten Tropfen über. Den Trollinger S trocken habe sie während der heißen Sommermonate gekühlt serviert, verriet Sigrun Trinkle.

Schwere, samtige Tropfen kommen in die Gläser

Mit den 2019er trockenen Lämmler Merlot P und Amandus P kamen dann die schweren, samtigen, gehaltvollen Tropfen in die Gläser, mit denen Genießer festliche Winterabende adeln können. Zur Klassifizierung der C-, P- und S-Weine hatte Marcus Hofmeister die Moderatorin Stephanie Haiber übrigens zur Weinkategorie „Schwiegermutter“ inspiriert: Unter der Woche trinke er die Basis-Weine, die besten Weine öffne er sonntags, wenn die Schwiegermutter käme.

Wie schlagfertig die sympathische Moderatorin im cremefarbenen Dirndl war, zeigte sie nach einem kleinen Hustenanfall. Habe man bis vor Kurzem keinesfalls husten dürfen, um nicht als potenziell coronainfiziert zu gelten, gehöre Husten nun quasi zum guten Ton: „Damit zeigt man, dass man Energie spart und zu Hause nicht heizt“, sagte Haiber und nahm damit Bezug auf die aktuelle Energiekrise.

Die Große Weinprobe der Fellbacher Weingärtner am Donnerstagabend mit zehn Weinen – also mit zwei weniger als in den Vorjahren – wurde feierlich umrahmt von Toni Mogens, dem Fellbacher Stern unter den Singer-Songwritern, sowie der Artistin Marina Skulditskaya. Sie zeigte dem zahlreich gekommenen Publikum Handstandakrobatik und Hula-Hoop in geschmeidiger Vollendung.