Fellbacher Herbst Buntes Prosit auf die Anatomie der Schwaben

Von Harald Beck 

Wulf Wager hat – knallgelb und weinrot gedresst – mit herbem Humor den Fellbacher Herbst gestartet.

Im voll besetzten Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle  gab es eine wahrlich Große Weinprobe. Foto: Patricia Sigerist
Im voll besetzten Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle gab es eine wahrlich Große Weinprobe. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Nein, an die Weinfarben der anspruchsvollen 12er-Weinprobe, die zum Auftakt des 72. Fellbacher Herbstes im Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle kredenzt wurde, hat er sich nicht so ganz gehalten, der Mann, der als eine Art Vorzeigeschwabe gilt.

Wulf Wager Foto: Patricia Sigerist
Knallrot gedresst stand Wulf Wager am Donnerstagabend zunächst auf der Bühne, weniger im Trollingerton, eher in satter Spätburgunderfärbung. Schon die knallig-zitronengelbe Anzugskombination danach hob sich dann vom Farbton ab, den Fellbacher Weißweine in der Regel annehmen. Und spätestens mit dem bunt gepunkteten Umzugshäs zum Schluss sprengte der Probenmoderator das Farbenschema des vinologischen Aroma-Rads. Sehr zum Amüsement des rund 1000-köpfigen Publikums, das sich nebenbei allerdings einer recht anspruchsvollen Auseinandersetzung mit den Tropfen der Fellbacher Weingärtner gegenübersah.

Als Kontrast wurde der feinstrukturierte geradlinige Chardonnay S kredenzt

Nach fruchtig leichtem Vorspiel mit einem Apfel-Birnen-Secco – „hebat se mol dr Zenka nei“, forderte dazu der schwäbische Weinfreund von der Bühne auf – folgte die recht kräftige Grau-Weiß-Cuvée S, mit merklichem Holzton und leichtem Vanilleanflug. Als Kontrast wurde der feinstrukturierte geradlinige Chardonnay S kredenzt: Ein echtes Gegensatzpaar mit interessanten Differenzen. Aber beides, so sprach Präsentator Weger, passe im Zweifelsfall zu einem schönen Pilzragout. Untermalt von den Schwabenrockern der Band Muggabatscher und ihren schwäbisch-frech-fetzigen Klassikern von Wolle Kriwanek („I muas di Schtroßabah no kriega“), Schwoißfuaß („Oiner isch emmer dr Arsch“) oder Hank Häberle („I schwätz Schwäbisch“) folgten weitere anspruchsvolle Weinduos. Weicher Merlot neben kantigem Syrah oder als Abschluss aus dem Fellbacher Topsegment die gerbstoffreiche, Barrique-Cuvée Amandus neben der samtweichen, fruchtstarken Spätburgunder P Auslese.

Ein besonderes Duo schwang sich gegen Ende der Weinprobe auf die Bühne

Dazwischen hat der Schwabenkomödiant Wulf Wager zwar bei mancher Zote die Latte fürs heuer zumutbare Maß an dämlichem Frauenbild ab und an fast gerissen, dafür aber mit einigen Trinksprüchen feucht-fröhliches und geschlechterübergreifendes Grölen geerntet. Eine Kostprobe? „Der Weinestrunk ist eine Pflicht, denn trockne Lampen leuchten nicht.“ Spätestens bei seiner unter wilder Professor-Häberle-Perücke vollführten Vorlesung zur Anatomie des Schwaben war kaum ein Halten mehr – bei Riebelesgrend und Schneddergosch, bei Mordsseggl oder Quadratlatscha. Und wer nicht gewusst hat, warum die Schwaben die begnadetsten Weinzecher der Welt sind, weiß jetzt mehr: Das liegt an der schwabentypischen Trollingerlade – dem vorstehenden, gut befüllbaren Unterkiefer.

Die Fellbacher Landjugend bei der Arbeit. Foto: Patricia Sigerist

Ein besonderes Duo schwang sich gegen Ende der Weinprobe auf die Bühne: Der scheidende Kellermeister Werner Seibold (65) und sein Nachfolger Tobias Single (29) präsentierten die letzten Proben, natürlich die Paradetropfen des ganzen Abends. „Schön und ergreifend“ sei im urschwäbischen Probenprogramm auch die vom Muggabatscher-Bandleader Hans Mohl selbst geschaffene Ballade „Schtuagert mei Schtädtle“, befand schließlich die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull im Schlusswort zum Herbstauftakt in der Hölderlinhalle: „Aber wir sind hier in Fellbach.“ Und so schallte quasi als allerletztes Prosit des Abends von der Bühne und von dem in diesem Fall erkennbaren patriotischen Fellbacher Weinproben-Publikum das wahrhaft inbrünstig durch die heiligen Schwabenlandhallen geschmetterte Fellbach-Lied.