Fellbacher Jugendkulturtage Ausweichquartier mit Street Credibility

Die Band Ettenfart macht Stimmung im Hinterhof des Jugendhauses. Foto: Eva Herschmann
Die Band Ettenfart macht Stimmung im Hinterhof des Jugendhauses. Foto: Eva Herschmann

Der Andrang bei den Fellbacher Jugendkulturtagen hält sich zwar in Grenzen, dennoch ist die Veranstaltung ein Erfolg – weil sie nach langer Zeit wieder Kinder und Jugendliche zusammenbringt.

Fellbach: Eva Herschmann (eha)
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Fellbach - Seitdem die Pandemie das Leben bestimmt, gehören Absagen von Veranstaltungen zum Alltag. Für Kinder und Jugendliche waren die vergangenen eineinhalb Jahre reichlich trost- und ereignislos, umso froher waren die Veranstalter der Jugendkulturtage – das Jugendhaus, das Kulturamt und die mobile Jugendarbeit Fellbach –, dass sie am Wochenende mit einem abwechslungsreichen Angebot für die jüngere Generation aufwarten konnten.

Schnell durch den Parcours

Der Startschuss für die zweitägige Veranstaltung fiel am Freitagnachmittag auf der Skateranlage an der Esslinger Straße. Fünf Jungs und zwei Mädchen zwischen acht und 14 Jahren wetteiferten auf Tretrollern um die schnellste Zeit auf dem Parcours. „Skateboards sind noch immer angesagt, aber die Roller sind für die Kids unter 15 Jahren super“, sagte Markus Klemisch, der Rennleiter beim Scooter-Contest. Die Preise – teure Ersatzteile für die Tretroller – waren verlockend, die Aufgabe aber nicht leicht. Denn jeder Teilnehmer musste einen Parcours mit neun Stationen und Hindernissen überwinden. Dabei ging es nicht nur um spektakuläre Sprünge oder Drehungen auf den Rampen, sondern auch darum, dabei noch Gegenstände, einen Ball oder ein Frisbee, mitzunehmen und im Limbo-Stil unter einer Stange hindurch zu fahren und das in möglichst schneller Zeit. Der Schnellste benötigte 37 Sekunden für die Strecke. „Und wir haben zum Glück das DRK nicht gebraucht, weil alle unfallfrei unterwegs waren“, berichtete Markus Klemisch.

Hip-Hop und Streetboard

Vor dem ersten Fellbacher Kreativtag am Samstag im Rathausinnenhof, bei dem zahlreiche Kinder und Jugendliche von acht bis 16 Jahren unter künstlerischer Anleitung von Fachleuten aus der Kunstschule Kreatives gedruckt, gestempelt und gebastelt haben, stieg am Freitagabend der eigentliche Höhepunkt: ein Live-Hip-Hop-Open-Air mit freiem Eintritt. „Wir hatten fünf Stunden durchgehend Hochbetrieb“, sagt Tina Fernandez vom Jugendhaus, die als Künstlerin dabei war und mit den Nachwuchskünstlern mit Schriften und Typografien experimentierte. „Wir haben gemeinsam eine Geburtstagskarte für Fellbach gestaltet – rund 1,50 auf zwei Meter groß.“ Der vierfache Streetboardweltmeister Thomas Kienle zeigte außerdem, wie aus alten und ausgedienten Streetboard-Holzdecks Anhänger für Ketten, Schlüsselanhänger und sogar Schildkröten gesägt und geschliffen werden.

Der Platz ist ein Glücksgriff

Im vergangenen Jahr hatte das Coronavirus die neunte Auflage des Rapstocks im Jugendhaus verhindert, nun ließen es die Inzidenzen zu. Und weil 2021 die Stadt ihr 900-Jahr-Jubiläum feiert, wurde aus der Jamsession das „Rapstock#900“ für Besucher mit Schnelltests. Der Platz für das Open-Air erwies sich als Glücksgriff. Hinter dem Jugendhaus in der Esslinger Straße – vor der Wand mit bunten Graffiti, mit den Stadtbahngleisen im Rücken des Publikums und im Augenwinkel den Sonnenuntergang – traten am Freitagabend lokale und regionale Hip-Hop-Acts auf und wurden von rund 60 Fans gefeiert, die ihr Getränkepfand ausnahmslos spontan für die Flutopfer spendeten.

Nicht nur das authentische „Feeling“ gefiel Peter Stepan, dem Leiter des Kulturbereichs im Jugendhaus. „Das Gebäude blockt den Lärm in Richtung Wohngebiete perfekt ab, der Sound geht in Richtung freies Feld“, sagte er und dachte dabei an die Anwohner, die sich bei früheren Veranstaltungen im Jugendhaus oder beim Rebstock auf dem Guntram-Palm-Platz nicht nur einmal über die Lautstärke der Musik beschwert hatten.

Der Veranstaltungsort im Jugendhaus-Hinterhof hatte die zum Hip-Hop passende „Street Credibility“. Glaubwürdig waren auch die Künstler und der Moderator Ramon Schmid, selbst Beat-Boxer und Poetry-Slamer, der die „süße Melancholie der kleinstädtischen Gitterstäbe“ kennt, von denen Yasmo aus Fellbach sang. Dass sich Karl Rich und seine Kollegen vor ihrem Auftritt kurzerhand in Ettenfart umbenannt hatten, brachte Ramon Schmid nicht aus dem Konzept. Auch nicht die spontanen Auftritte von Marlon und Josip aus Fellbach sowie Paddy aus Backnang, die der Aufforderung von Schmid – „Grab dir ein Mike und drop den Scheiß“ – prompt folgten.




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