Vor dem Stuttgarter Landgericht finden derzeit mehrere Mafia-Prozesse statt (Symbolbild). Foto: dpa
Im Fellbacher Mafia-Prozess steht ein Busfahrer vor Gericht, der mit großen Worten prahlte. Doch was steckt wirklich hinter seinen Aussagen? Die Darstellungen gehen auseinander.
War der 49-jährige Busfahrer aus Kernen ein entscheidungsbefugter Buchhalter in einer Fellbacher Mafia-Zelle? Oder nur jemand, der seinen Freunden beim Papierkram helfen wollte und einen Hang zu großen Worten hat? Diese Frage muss derzeit das Landgericht Stuttgart klären. Dort finden gerade mehrere Prozesse statt, die sich mit mutmaßlichen Umtrieben der kalabrischen ’Ndrangheta in der Region Stuttgart beschäftigen.
Ein Beweismittel, das dem Angeklagten auf die Füße zu fallen droht, ist ein langer telefonischer Austausch mit einem seiner Freunde und Kollegen. Ihm gegenüber, das zeigen Abhörprotokolle der Polizei, hat er mit seiner hohen Stellung innerhalb der Fellbacher Gruppe geprahlt, mit „Geld wie Heu“, das dort zu machen sei.
Der Zeuge selbst kann sich an das Gespräch im Zeugenstand nicht mehr erinnern, trotz des pikanten Inhalts – seitenlange Abhörprotokolle liegen der Staatsanwaltschaft aber vor. „Wenn du jemandem davon erzählst, schlage ich dir den Kopf ab“, soll der 49-Jährige seinem Gesprächspartner angekündigt haben.
Brisant ist bei dem Gespräch auch, dass der Angeklagte seinem Kumpel dabei offenbar auch einen Job anbot. „Du musst nur telefonieren können, reden können“, heißt es in dem Protokoll. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der heute 49-Jährige seinen Freund für betrügerische Taten rekrutieren wollte. Laut den Ermittlern bestellte die Gruppe hochwertige Feinkost in Italien. Dabei sollen sie sich fälschlicherweise als Mitarbeiter von real existierenden Firmen ausgegeben haben.
Betrug mit Lebensmitteln? So sollen die Täter agiert haben
Das Landgericht Stuttgart hat noch viele Termine in dem Fall angesetzt. Foto: dpa
Damit die Spedition und damit auch die betrogenen Händler sie nicht identifizieren konnten, war die Lieferadresse in Fellbach offenbar nicht vollständig ausgefüllt. Kurz vor Ankunft waren die Lastwagenfahrer daher angewiesen, sich bei einer Handynummer zu melden. Daraufhin dirigierte sie jemand aus der Gruppe auf das Gelände eines großen Logistikbetriebs in Fellbach. Dort wurde die Ware auf kleinere Transporter umgeladen.
Doch was belegt das besagte Telefongespräch tatsächlich? Von Betrug und Mafia war darin offenbar nicht wörtlich die Rede. Zwar sprach der Busfahrer von der „bislang höchsten Beute“, die sie gemacht hätten, von Italien und einem „Boss aus Italien“, der nach Fellbach gekommen sei. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich dabei um Giorgio G. handelte, den die italienischen Behörden als Anführer der sogenannten ’ndrina von Cariati vermuten. Der Angeklagte spricht auch davon, dass man solche Angelegenheiten nicht am Telefon, sondern persönlich besprechen sollte.
In den Augen seiner Verteidiger sind das keine stichhaltigen Beweise – auch wenn ein Kripo-Beamter im Zeugenstand daraus ganz klar auf einen Mafia-Bezug schließt. Schließlich gibt der Angeklagte selbst eine Erklärung ab: Er habe seinen Freund beeindrucken wollen, weil dieser ihm bei der Finanzierung eines teuren Audi helfen sollte. „Ich wollte den Eindruck erwecken, dass ich da viel Geld mache. Ich muss mich leider hier outen, ich wollte einen auf dicke Hose machen.“ Auch seine Mahnung an seinen Freund, über das Gehörte zu schweigen, sei entsprechend zu verstehen – er habe nicht gewollt, dass sein Chef von seiner Angeberei Wind bekäme.
Ob das Landgericht dieser Version glauben schenken wird, wird sich zeigen. In der Sache sind von der 18. Großen Strafkammer des Gerichts noch mehrere Prozesstage angesetzt. Der nächste findet am 4. Februar um 14 Uhr statt.