Fellbacher pilgern in Coronazeiten Seelentracking für Männer

Organisator Andreas Weidle beim Gespräch in Coronazeiten vor der Fellbacher Lutherkirche. Foto:  

Der Fellbacher Andreas Weidle, Pfarrer im Ruhestand, lädt Männer zum gemeinsamen Pilgern ein – auch in Coronazeiten. Die nächste Tour soll im Herbst auf die Zollernalb gehen.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Fellbach - Er hat das Wandern entdeckt, als noch kein Hape Kerkeling auf dem Jakobsweg marschiert ist. Der im Jahr 2006 erschienene Reisebericht unter dem Titel „Ich bin dann mal weg“ des bekannten deutschen Entertainers war auch ein Grund, warum sich so viele zum Pilgern aufgemacht haben und es einem regelrechten Pilgertrend gibt.

 

Bei seiner ersten Pilgertour war Wandern noch alles andere als Trend

Das alles gab es vor mehr als 20 Jahren noch nicht. Der Jakobsweg war zu diesen Zeiten noch kein Thema, Wandern noch alles andere als ein Trend, als Andreas Weidle das erste Mal eine Pilgerreise für Männer organisierte. „Machen Sie etwas für und mit Männern“ – so ähnlich hieß der Wunsch des Kirchengemeinderats, der damals an den Pfarrer in Göppingen herangetragen wurde. „Ich dachte mir, das kann keine Bibelstunde sein“, erinnert sich Andreas Weidle, der viele Jahre in der evangelischen Stadtkirchengemeinde Oberhofen als Seelsorger tätig war. Zusammen mit einem wanderbegeisterten Nachbarn, dem katholischen Pastoralreferenten Martin Spaeth, bot er dann das erste Mal eine ökumenische Pilgertour an. „Ich persönlich war damals noch nie selbst mehrere Tage mit einem Rucksack auf dem Buckel unterwegs“, erzählt Andreas Weidle.

Im Ruhestand ist der Pfarrer wieder in seine Heimat nach Fellbach zurückgekehrt

Inzwischen sieht das ganz anders aus. Andreas Weidle hat schon viele Pilgerreisen organisiert und mitgemacht. Die letzten zehn Jahre in seiner Zeit als Seelsorger in Göppingen hatte er sogar zwei Männerpilgerreisen im Jahr angeboten – aufgrund der großen Nachfrage. Und jetzt, in seinem Ruhestand, in dem er wieder mit seiner Frau Christel in die Heimatstadt Fellbach zurückgekehrt ist, wollte er sich in seiner Gemeinde einbringen.

Der Neu-Ruheständler organisierte den ersten Fellbacher Männerpilgerweg

Der Kirchengemeinderat habe das Angebot begrüßt, sagt der Neu-Ruheständler. So hat er im September vergangenen Jahres den ersten Fellbacher Männerpilgerweg gemacht. Sie hatten einen günstigen Zeitpunkt erwischt in den Pandemiezeiten, die Infektionslage war niedrig. Nun plant er eine weitere Auflage im September 2021. Dann soll es auf die Zollernalb gehen, von Hechingen, Balingen durch eine malerische Felsenlandschaft im Donautal nach Beuron bis nach Sigmaringen.

Zu Fuß lernt man die Umgebung ganz anders kennen

Wie kommt er auf die Touren? Das seien vor allem pragmatische Gründe, die mitspielen, sagt Andreas Weidle. Fragen wie: Wo kommt eine etwa 20-köpfige Gruppe unter oder wo passt es mit dem Preis? Manchmal habe er schon umdisponiert, wenn die Ziele zu gefragt und dann auch zu teuer seien. „Was nicht einfach geht, geht einfach nicht“ – so beschreibt er eine Vorgehensweise bei der Planung. Außerdem gebe es auch Vorschläge aus der Pilgergruppe für die Gegenden, in denen sie unterwegs sind. Es müssten keine ausgewiesenen Pilgerwege sein, es könne auch ein Schäferweg sein, ein Teil des Schwarzwald-Westwegs, das sei völlig offen. Eine Fülle schöner Wanderwege gebe es selbst in der nächsten Umgebung. „Wenn man zu Fuß geht, lernt man die Umgebung ganz anders kennen“, sagt der Fellbacher.

„Unterwegs mit Leib und Seele“ lautet der Slogan

Er hat den Flyer, in dem für den Männerpilgerweg geworben wird, mit dem Slogan überschrieben: „Unterwegs mit Leib und Seele“. Die Naturbegegnung ist ein Teil des Konzepts, die Entschleunigung gehört ebenso dazu. „Nicht immer im D-Zug-Tempo unterwegs zu sein, sondern Schritt für Schritt“, sagt der Pfarrer im Ruhestand, sei für die Teilnehmer eine Bereicherung. Die Gespräche, die dabei entstehen, ergeben sich in einem lockeren Rahmen. „Zu zweit oder zu dritt beim Gehen kommt man ins Gespräch“, erzählt er. Gespräche, die im Alltag oft zu kurz kämen. „Wo treffen sich Männer im Alltag außer im Beruf?“, so Weidle.

In Hohenlohe waren es vier Tagesetappen, die die Teilnehmer mit ihrem Rucksack auf dem Buckel zurücklegten. Sie kamen unter anderem nach Vellberg, einem kleinen Ort mit liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern, nach Schwäbisch Hall mit seiner imposanten Altstadt und wanderten durch abwechslungsreiche Landschaften. Die Struktur eines Pilgertages sei in etwa folgende: An der ersten offenen Kirche gebe es einen ersten „inhaltlichen Impuls“. Die zweite Haltestelle sei ein Metzger oder Bäcker, um sich für das Vesper einzudecken und um die Mittagszeit beim Vespern gebe es einen „weiteren geistigen Impuls“. Abends sei je nach Möglichkeit ein gemeinsames Essen geplant.

Die Unterkünfte wurden rechtzeitig gebucht

Dem 64-Jährigen, der sich mit Joggen fit hält, ist natürlich bewusst, dass in Coronazeiten bei den Plänen viel durcheinanderkommen kann. Aber er hat sich entschlossen, die Unterkünfte – alles Einzelzimmer – rechtzeitig zu buchen. In einer Zeit, in der sich viele Hotels und Gastronomen fragen, wie denn ihre Zukunft aussehen soll. „Wenn sich abzeichnet, dass im Sommer die Infektionszahlen sinken, dann werden viele Quartiere in Deutschland voll sein“, damit rechnet Andreas Weidle. So habe er alles vorsorglich gebucht. Über die Buchungen hätten sich die Hotels und Gastronomen sehr gefreut. „Im September hat sich mancher ausdrücklich bedankt, dass wir gekommen sind“, sagt Andreas Weidle. In der Gegend um Aalen sei das Essen sogar ausgeliefert worden, sie seien immer gut versorgt worden.

Die Tagesetappen betragen zwischen 17 und 22 Kilometer

Bei der geplanten Pilgertour gibt es noch letzte freie Plätze. Außerdem wird über den langen Zeitraum bis zur Wanderung eine Warteliste eingerichtet. Eingeladen sind Männer, denen die Tagesetappen mit ihren An- und Abstiegen samt Gepäck keine Mühe machen. Die Tagesetappen betragen zwischen 17 und 22 Kilometer. Die Pilgerreise findet vom 16. bis 19. September statt. Die Tour führt von Hechingen nach Balingen, Nusplingen, Beuron bis nach Sigmaringen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 begrenzt.

Weitere Informationen zum Fellbacher Männerweg findet man hier.

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