Wohnturm vor der aufgehenden Sonne, fotografiert von einer Leserin am 17. Dezember 2023 um 8.40 Uhr. Foto: Uschi Dvoŕak
Bei der Kandidatenvorstellung macht OB Gabriele Zull wenig Hoffnung auf baldige Vollendung des Fellbacher Super-Hochhauses. Zudem sorgt die Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge weiter für Ärger, das Thema ist „nicht vom Tisch“.
Dirk Herrmann
11.09.2024 - 15:52 Uhr
Es war eine Vielzahl an Themen, die bei der offiziellen Kandidatenvorstellung für die Oberbürgermeisterwahl an diesem Sonntag, 15. September, in Fellbach gestreift wurden – Amtsinhaberin Gabriele Zull steht als einzige Bewerberin auf den Stimmzetteln und bestritt deshalb den Abend in der Schwabenlandhalle vor rund 170 Bürgerinnen und Bürgern als Einzelkämpferin. Dabei kamen auch zwei negative Dauerbrenner im Fellbacher Stadtgebiet intensiver zur Sprache – einer, der die Verantwortlichen im Rathaus seit gut einem halben Jahr beschäftigt, ein zweiter, der schon seit mindestens acht Jahren für Verdruss sorgt.
Kurz nach Zulls Amtsbeginn 2016 gab’s den Baustopp
Bei diesem langanhaltenden Fellbacher Ärgernis handelt es sich natürlich um den Schwabenlandtower (SLT). Der 107 Meter hohe Wolkenkratzer steht seit seinem Baustopp im November 2016 – also wenige Tage nach Zulls Start im neuen Amt als Fellbacher Oberbürgerin – im Rohbauzustand im Osten der Kernstadt. Große bauliche Veränderungen hat es seitdem nicht gegeben. Allerdings wurde mit den Investorenwechseln das ursprüngliche Konzept von 66 Luxuswohnungen zugunsten von 192 Mietwohnungen geändert. Ob dort eines Tages aber wirklich Menschen leben und nicht nur die Wanderfalken auf dem Hochhausdach, steht freilich weiter in den Sternen.
Zum Thema Gewa-Tower, wie er nach der ursprünglichen Investorenfamilie Warbanoff hieß, beziehungsweise zum Schwabenlandtower, wie er unter der Regie des aktuellen Investors, der Adler-Gruppe, bezeichnet wird, erklärte die mutmaßlich auch künftige
Bislang bewohnen nur Falken den Fellbacher Wolkenkratzer Foto: Nabu Fellbach/Archiv
Rathauschefin ohne Umschweife: „Stachel im Fleisch bleibt leider nach wie vor der SLT, der in der Hand der Adler Group und damit nicht im Einflussbereich der Stadt ist.“
Das schwierigste Vorhaben in der Stadt
Große Hoffnung auf einen baldigen Baufortschritt konnte die Oberbürgermeisterin deshalb nicht machen. Immerhin: „Hier bleiben wir weiter dran, um auf Lösungen hinzuwirken. Es ist und bleibt aber sicher das schwierigste Vorhaben in der Stadt.“
Das zweite virulente, deutlich aktuellere Thema ist das geplante Flüchtlingszentrum im Gewerbegebiet. Dieses Areal ist gleichzeitig auch als Fellbacher Projekt für die Internationale Bauausstellung Stadtregion Stuttgart im Jahr 2027 (IBA’27) auserkoren. Dabei geht es auch um Themen wie Ressourcenschonung, Stoffkreisläufe und Perspektiven für die hiesige Landwirtschaft. Wie wichtig das IBA-Projekt ist, zeigt auch die gerade bewilligte Landesförderung in Höhe von 800 000 Euro.
Fellbach wehrt sich vehement gegen eine LEA
Und trotzdem, so Zull, prüfe das Land, ob es in diesem Gewerbegebiet eine Landeserstaufnahmestelle für Geflüchtete (LEA) einrichtet. Kommentar der Oberbürgermeisterin: „Wir haben uns seit Bekanntwerden dieser Prüfung vehement dagegen gewehrt und kämpfen gegen eine LEA mit 1000 Geflüchteten in einem Gebäude ohne Außenfläche mitten im IBA-Gebiet. Eine solche Einrichtung würde weder den Fellbacher Bürgerinnen und Bürgern noch den Flüchtlingen gerecht.“
Es sei „ein Ärgernis“ dass wir nicht öffentlich informiert wurden“, so Zull, und verwies auf die von der Verwaltung extra angesetzte Sondersitzung des Gemeinderats „mit mehr als 450 Leuten im Sitzungssaal und im Foyer – das gab’s noch nie in Fellbach.“
Es dürfe „nichts kommen, was Fellbach schadet“
Doch „die Infos kommen weiterhin sehr spärlich“ nach Fellbach, rügte Zull, die LEA sei „nicht vom Tisch“. Zugleich versprach sie: „Wir arbeiten im Hintergrund, dass nichts her kommt, was Fellbach schadet.“