Als Henri Heinzelmann erfährt, dass er jetzt doch nicht mitwählen darf, sitzt er krank zu Hause. Er schaut Welt TV und verfolgt die Debatten im Bundestag. Lennart Schweizer sieht gleichzeitig die Tagesschau. Dass sich das Ereignis auf sein Wahlrecht auswirken wird, ist zwar nicht sein erster Gedanke, aber sobald die ersten Termine über Neuwahlen diskutiert werden, wird es ihm recht schnell klar.
Lennart Schweizer hat am 8. Mai 2007 Geburtstag, Henri Heinzelmann am 30. März desselben Jahres. Damit sind sie bei der kommenden Bundestagswahl 17 Jahre alt – dürfen also nicht mitwählen. Hätte die Bundestagswahl regulär im September stattgefunden, wäre das anders gewesen. Wie Schweizer und Heinzelmann geht es rund 400 000 jungen Menschen in Deutschland. Wie fühlt es sich an, dieses Hin und Her? Und wie blicken die beiden auf die kommende Wahl?

Wegen der vorgezogenen Bundestagswahlen können nun hunderttausende 17-Jährige nicht wählen. Foto: Michael Kappeler/dpa
Die politische Richtung war schon klar
Wo genau Lennart Schweizer seine Kreuzchen gemacht hätte, das hatte er noch nicht abschließend entschieden. „Aber ich hatte schon zwei, drei Parteien im Blick, die ich wählen wollen würde“, sagt er. „Ich finde es schon schade, weil ich jetzt wieder vier Jahre warten muss“. Zwar wäre es nicht seine allererste Wahl gewesen, bei der Europawahl und bei der Kommunalwahl durfte der Schüler bereits mitentscheiden. „Aber in meinem Kopf war 2025 das Jahr, in dem ich zum ersten Mal bei der Bundestagswahl dabei bin“, so der Schüler des Gustav-Stresemann-Gymnasiums in Fellbach-Schmiden.
Henri Heinzelmann hingegen hatte schon eine klare Parteipräferenz. Der 17-jährige Schüler des Fellbacher Kolping Gymnasiums engagiert sich auch in seiner Freizeit politisch, ist Landesvorsitzender der Schülerunion. Die aktuellen Debatten im Bundestag interessieren ihn sehr, sagt er – unabhängig davon, ob er wählen dürfe oder nicht. Das Feilschen mit Argumenten, das Eintreten in den Dialog und das Debattieren, sich fast schon gegenseitig auszuspielen, fasziniere ihn. „Ich finde diese Redeschlachten wahnsinnig spannend.“ Zwei bis drei Stunden am Tag, so schätzt er, beschäftigt er sich aktuell mit der Wahl. „Politik ist mein Hobby.“
Diskutiert wird zu Genüge
Aber – gerade, wenn man sich so viel mit dem Thema auseinandersetzt, würde man dann nicht gerne auch zur Urne gehen? „Klar hätte ich gerne meine Partei mit meiner Stimme unterstützt, und es ist natürlich auch ein Riesenprivileg, wählen zu dürfen“, sagt er. Aber er unterstütze das Wahlrecht ab 18 Jahren.
„Und man kann natürlich auch andere Wege gehen, um sich demokratisch einzubringen.“ Zum Beispiel engagiere er sich bei Wahlkampfständen, aber auch das Diskutieren und der Austausch mit anderen gehöre dazu. Denn nicht nur zu Hause, auch auf dem Schulhof sei die Bundestagswahl fast ständig Thema. „Allerdings sind die Leute teilweise schon auch den Rändern zugeneigt“, sagt er. „Und die Fronten sind sehr verhärtet.“ Das erschwere die Diskussionskultur. „Aber es gibt auf jeden Fall eine“, sagt er und lacht.
Informationsquelle Tiktok?
Und wie informiert sich sein Umfeld über die Wahl? Spielen Tiktok und Co. dabei wirklich eine so große Rolle, wie es immer heißt? „Ich würde bestätigen, dass die meisten sich so informieren“, sagt Henri Heinzelmann. Für ihn besteht ein klarer Zusammenhang zwischen dem, was in den sozialen Medien passiert und dem, was auf dem Schulhof stattfindet. „Man sieht, wie stark das polarisiert und die Leute beeinflusst“, sagt er. „Und wenn man einmal in einer bestimmten Blase ist, bleibt man auch eher dort.“ Auch er selbst komme um die Kurzvideos auf Instagram nicht herum, obwohl er sich eigentlich lieber in der Zeitung und im Fernsehen informiere. „Mir gefällt nicht, dass online so viel Meinung mitschwingt“, sagt er. Ähnlich geht es auch Lennart Schweizer, der seine Informationen am liebsten über das Fernsehen bezieht, wie er sagt. „Es war eine aktive Entscheidung, das nicht über die sozialen Medien zu machen.“
Aber – und das stimmt die beiden verhinderten Erstwähler positiv: „Ich glaube, dass die meisten in meiner Klasse wählen gehen“, sagt Lennart Schweizer. „Dass Politik langweilig ist, sagt keiner mehr“, ergänzt Heinzelmann.
Der Abschluss einer spannenden Zeit
Auch wenn die beiden jetzt am 23. Februar nicht selbst zur Urne dürfen, werden sie die Wahl natürlich trotzdem gespannt mitverfolgen. „Ich werde die Hochrechnungen anschauen und sehen, was die ersten Ergebnisse sind“, sagt etwa Lennart Schweizer. Henri Heinzelmann will sich mit Freunden treffen oder, falls eine zustande käme, auf eine Wahlparty gehen. „Es ist der Abschluss einer spannenden Zeit, ich finde, das ist schon ein Event“, sagt er. „Und die Demokratie muss man feiern.“