Als Andreas Dietmann, Prokurist der Fellbacher Event & Location GmbH (Feel), vor wenigen Tagen im Verwaltungsausschuss einen Rückblick auf den vergangenen und einen Ausblick auf den kommenden Fellbacher Herbst (Rems-Murr-Kreis) gab, war noch mit keiner Silbe die Rede von dieser misslichen Perspektive. Und auch wenn sie gerüchteweise in gut unterrichteten Kreisen schon kursierte, so kommt die Botschaft nun für die Öffentlichkeit doch überraschend: Beim diesjährigen Fellbacher Herbst am zweiten Oktoberwochenende wird es keinen Festzeltbetrieb geben.
Das teilt das Büro der Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabrielle Zull in einer aktuellen Erklärung mit. Demnach hat sich auf die öffentliche Ausschreibung kein einziger potenzieller Betreiber gemeldet, obwohl die Kriterien sich nicht geändert haben. Dietmann, bei Feel zuständig für den Geschäftsbereich Feste & Märkte, bedauert das Ergebnis. „Wir prüfen derzeit alternative Konzepte, aber auf ein Festzelt werden wir dieses Jahr verzichten müssen.“
Das gemütliche Beisammensein unterm Zeltdach fällt 2026 aus
Der traditionelle Fellbacher Herbst umfasst neben einem Rummel- und Krämermarkt den Festbetrieb in der gesamten Innenstadt sowie zahlreiche Veranstaltungen. Die ein bis zwei Festzelte auf dem Festgelände bei der Schwabenlandhalle luden zum Essen, Sichtreffen, Feiern und Verweilen ein. Sie waren regelmäßig sehr gut gebucht beziehungsweise oft auch ausgebucht. Der Festzeltbetrieb war bis April 2026 zu denselben Konditionen wie im vergangenen Jahr ausgeschrieben. Trotz Nachfragen von Interessierten wurden keine Bewerbungen abgegeben.
Bereits in den vergangenen Jahren zeichnete sich ab, dass die Festdauer für den lukrativen Betrieb eines Zeltes herausfordernd ist. Zwar ist der Fellbacher Herbst eines der größten Feste in Süddeutschland und verzeichnet jedes Jahr bis zu 250.000 Besucher, allerdings ist das Erntedank-, Heimat- und Weinfest auf „nur“ dreieinhalb Tage im Oktober terminiert.
Auf- und Abbaukosten, Energie- und Personalkosten sowie Sicherheitsmaßnahmen verlangen aber auch für dreieinhalb Tage des Fellbacher Herbsts (Freitagabend bis Montagabend) einen hohen Einsatz. Hinzu kommt nach Feel-Angaben, dass sich auch das Konsumverhalten der Besucher verändert hat. Dietmann: „Die Besucher geben ihr Geld bewusster aus und verzehren weniger.“
Eventgesellschaft sucht nach Kompensationen
Unter diesen Rahmenbedingungen war die Bewerberzahl bereits in den vergangenen Jahren gering. Dieses Jahr hat kein potenzieller Betreiber eine Bewerbung abgegeben – auch nicht Ralf Schindler und Thomas Ankele, die im vergangenen Jahr das Zelt betrieben hatten, aber angesichts der enormen Kosten auf eine erneute Bewerbung verzichteten.
Die Feel Event-Gesellschaft eruiert momentan, wie das fehlende Festzelt kompensiert werden könnte. Sie will in den kommenden Wochen die Öffentlichkeit über die Strategie informieren. Fest steht aber, dass es in diesem Jahr kein Festzelt geben wird.