Fellbacherin fühlt sich im Stich gelassen Junge Mutter muss aus Wohnung und sucht verzweifelt neue Bleibe

Sara T. hofft, dass sie ab September nicht auf der Straße sitzt. Foto: Frank Eppler

Obwohl sie etliche Anfragen verschickt und einen Makler bemüht hat, findet eine zweifache Mutter aus Fellbach keine neue Wohnung. Aus ihrem Zuhause muss sie wegen Renovierungsarbeiten raus. Die 25-Jährige übt auch Kritik an den Behörden.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Sara T. versteht die Welt nicht mehr. In wenigen Tagen, zum 1. September, muss die 25-Jährige aus ihrer Wohnung in Fellbach ausziehen. Dort hat die Frau, die ihren richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, mit zwei kurzen Unterbrechungen insgesamt zwölf Jahre gewohnt. Seit vergangenem Jahr weiß die alleinstehende Mutter, die in der Wohnung mit ihren zwei und sechs Jahre alten Jungs wohnt, dass sie aus ihrem Zuhause raus müssen. „Seitdem habe ich bestimmt 100 Anfragen geschrieben und versucht, einen Besichtigungstermin für eine neue Wohnung zu bekommen. Wir hatten sogar eine Zeit lang einen Makler engagiert“, erzählt sie.

 

Bisher war die Suche nicht von Erfolg gekrönt

Doch bisher war kein Versuch von Erfolg gekrönt, die Familie kann nicht helfen, und die Zeit rennt Sara T. davon. In Waiblingen habe sie es mal besonders weit gebracht. Auf eine dortige Wohnungszusage hin schickte die 25-Jährige mit italienischen Wurzeln ihre Unterlagen durch – und dann kam wieder nichts. „Das kann einfach alles nicht wahr sein. Jedes Mal kriege ich entweder keine Antwort oder es heißt, dass man sich doch für jemand anderen entschieden habe.“

Sara T. hat einen Verdacht, woran die vielen Absagen liegen könnten. Die Fellbacherin ist noch in Elternzeit und deshalb zahlt momentan das Arbeitsamt ihre Miete. „Und dann bin ich noch alleinstehend mit zwei kleinen Kindern. Die Mischung schreckt wahrscheinlich jeden ab“, sagt die junge Frau, die offen und ehrlich mit ihrer Situation umgeht und die finanziellen Umstände bei der Wohnungssuche nicht verheimlicht. „Ich denke, ich habe mehr Chancen, wenn ich das von vornherein sage. Sonst gibt es danach Probleme, und ich brauche dringend Hilfe.“

Sara T. ist verzweifelt und fühlt sich von allen im Stich gelassen

Sara T. ist verzweifelt. Sie spricht von ihrer Existenzangst und würde sich wünschen, überhaupt mal eine Chance für eine Begegnung zu bekommen. Aber so weit, dass die junge Frau im persönlichen Gespräch überzeugen könnte, kommt es nicht. Weil die private Suche nicht klappt, hat sie sich auch an diverse Behörden und Institutionen gewendet – darunter die Caritas, die Erlacher Höhe, das Jugendamt, das Ordnungsamt und die Wohnungs- und Dienstleistungsgesellschaft Fellbach (WDF). Doch egal wem sie ihre Situation schildere, es tue sich keine Chance auf. „Ich werde überall vertröstet, bekomme zu hören, dass alles voll sei, ich aber nicht aufgeben soll und dass ich erst mal die Räumungsklage abwarten soll.“

Eine Information, die Johannes Berner nur bestätigen kann. „Auch wenn die Betroffene es persönlich nicht nachvollziehbar findet, solange sie nicht im rechtlichen Sinne obdachlos ist, gibt es keine Handlungsmöglichkeit vonseiten der Behörde“, erklärt der Erster Bürgermeister der Stadt Fellbach, zu dessen Dezernaten auch das Amt für öffentliche Ordnung gehört, das für Einweisungen bei drohender Obdachlosigkeit zuständig ist. Es müsse nachgewiesen sein, dass die Menschen, die in extra dafür vorgesehene Unterkünfte eingewiesen werden, objektiv kein Dach mehr über dem Kopf haben. „Erst wenn der Gerichtsvollzieher sie quasi aus der Wohnung geholt hat und sie der Witterung ausgesetzt ist, können wir aktiv werden.“ Bis dahin gelte es für Sara T., weiter auf dem freien Markt zu suchen, sagt Berner.

Ihr ältester Sohn ist aktuell bei der Oma in Niedersachsen

Das tut Sara T. nach eigener Aussage täglich. Ihre aktuelle Wohnung befindet sich im gleichen Gebäude wie das Parkrestaurant in der Schillerstraße, das saniert werden soll. Doch nichts funktioniert, und ihre Angst, bald ohne alles dazustehen und damit ihre Kinder zu gefährden, wächst. Ihr älterer Sohn ist momentan bei der Oma in Niedersachsen. „Der kapiert das alles schon viel zu sehr. Ich wollte nicht, dass er noch mehr mitkriegt.“ Deshalb schreibt und telefoniert Sara T. rund um die Uhr und sucht nach einer Lösung. Auch die Zeit nach der Elternzeit hat sie schon geplant. Die junge Mutter – sie hat 2015 ihren Realschulabschluss gemacht und wurde 2017 schwanger – will eine Ausbildung als Kosmetikerin machen und hat diesbezüglich auch schon erste Kontakte geknüpft. „Ich will arbeiten und bin ordentlich. Deshalb verstehe ich nicht, warum mir niemand eine Chance gibt, ich habe mich doch an alle zuständigen Personen gewendet.“

Das habe sie in Anbetracht der schwierigen Situation eventuell zu spät, sagt der Erster Bürgermeister Fellbachs. „Die WDF, unsere Wohnungs- und Dienstleistungsgesellschaft Fellbach, vergibt Unterkünfte streng nach Bedürftigkeit. Klar ist, dass die Betroffene als Alleinstehende weit oben auf der Liste steht. Klar ist aber auch, dass sie bei Weitem nicht die Einzige in einer Notlage ist und sich viele andere zeitiger gemeldet haben.“ Städte und Kommunen müssten allen gerecht werden, und es gebe nicht genug Unterkünfte für alle.

Sara T. hofft noch auf eine normale Wohnung

Bisher hofft Sara T. auch noch darauf, dass sich eine Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt – wenn auch nur als Übergang – für sie und ihre Kinder findet. Im schlimmsten Fall könnte sie sich auch vorstellen, in eine Pension oder zu ihrer Mutter nach Niedersachsen zu ziehen. Aber glücklich wäre die 25-Jährige mit der Lösung nicht: „Ich will eigentlich hier in Fellbach bleiben. Und in der Pension wäre nur ein Zimmer ohne Küchenzeile frei. Mit zwei kleinen Kindern wäre das wirklich die letzte Option.“ Sie habe das Gefühl, jedem werde geholfen, nur ihr nicht. „Ich werde von der Stadt und den Behörden komplett im Stich gelassen.“

Deshalb gelte es jetzt, die Ratschläge, die sie von all denen erhalte, die sich schon mit ihrem Fall befasst haben, umzusetzen. „Der betroffenen Frau fällt es schwer zu verstehen, dass ganz viele in so einer Notlage sind und dass sie quasi erst auf der Straße stehen muss, damit ihr geholfen werden kann. Aber selbst wenn noch keine Taten folgen können, haben sich schon viele mit ihrer Situation auseinandergesetzt und Tipps gegeben“, sagt Berner. Auch wenn ihre Lage als Alleinerziehende verständlicherweise sehr schwierig sei, komme es jetzt darauf an, was sie aus den Hilfestellungen mache und wie sie aktiv werde, sonst bringe alle Mühe wenig, so Fellbachs Erster Bürgermeister.

Wer der Fellbacherin helfen will, kann sich unter rems-murr-fellbach@stzn.de an unsere Redaktion wenden und wir leiten die Mails dann an Sara T. weiter.

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